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JOURNAL ONKOLOGIE – NEWS
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21. Februar 2013

ASH 2012: Bendamustin etabliert sich weltweit bei hämatologischen Erkrankungen

Beim weltweit größten Jahreskongress für Hämatologen, der Jahrestagung der amerikanischen Gesellschaft für Hämatologie (ASH), werden jedes Jahr die neuesten Daten zu malignen und nicht malignen Erkrankungen des Blutes vorgestellt. Dass sich Bendamustin inzwischen auch auf internationaler Ebene nachhaltig als Therapiestandard etabliert hat, verdeutlichten die insgesamt 43 Beiträge zu Bendamustin in verschiedenen hämatologischen Indikationen, die beim ASH-Kongress 2012 in Atlanta angenommen worden waren.

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 Chronische Lymphatische Leukämie (CLL)

 
Derzeitiger Therapiestandard für körperlich fitte Patienten mit CLL ist Rituximab (R) in Kombination mit Fludarabin und Cyclophosphamid. Für viele der häufig älteren und/oder komorbiden Patienten kommt eine Therapie mit Fludarabin aber nicht in Frage. Bei diesen Patienten wird dann entweder Bendamustin (B) oder Chlorambucil (Clb) eingesetzt. Bereits früher konnte in einer randomisierten Studie gezeigt werden, dass Bendamustin als Monosubstanz bei der fortgeschrittenen CLL dem Chlorambucil in der Wirksamkeit eindeutig überlegen ist (1). Eine internationale, randomisierte Phase-IIIb-Studie vergleicht derzeit die beiden Kombinationstherapien B-R und Clb-R als Erst- oder Zweitlinientherapie bei CLL-Patienten, bei denen Fludarabin nicht indiziert ist. In die auf dem ASH 2012 vorgestellte Zwischenanalyse waren 126 Patienten eingeschlossen, von denen 85 First-line und 41 Second-line behandelt wurden (2). Die Patienten erhielten beide Kombinationstherapien über jeweils 6 Zyklen. Das mediane Alter der Patienten betrug 74 Jahre, so dass die hier vorliegende Studienpopulation im Gegensatz zu den üblichen klinischen Studien dem tatsächlichen Alter der Patienten in der Praxis recht nahe kommt. 24% der mit B-R behandelten Patienten sprachen komplett auf die Therapie an, bei den mit Clb-R behandelten Patienten lag die Komplettansprechrate bei 10%, p=0,033. Bei den First-line behandelten Patienten betrug die Komplettansprechrate unter B-R sogar 30%, unter Clb-R 13% (p=0,054). Das Gesamtansprechen lag in der B-R-Gruppe bei 88%, in der Clb-R-Gruppe bei 81%. Die Zwischenergebnisse der Studie deuten darauf hin, dass beide Kombinationstherapien nützliche Behandlungsoptionen bei Patienten sein könnten, für die eine Chemotherapie mit Fludarabin nicht in Frage kommt, wobei sich ein leichter Trend zu höheren Komplettansprechraten unter B-R abzeichnet. Die finalen Ergebnisse der Studie werden für 2014 erwartet.
 
Non-Hodgkin-Lymphome (NHL)
 
Die hohe Aktivität der Kombination Bendamustin plus Rituximab (B-R) sowohl in der First-line als auch bei rezidivierten und refraktären NHL wurde in einer Vielzahl von Studien gezeigt. Blum et al. kombinierten in ihrer Phase-I-Studie das B-R-Schema mit dem oralen Bruton-Kinase-Inhibitor Ibrutinib. Ziel war die Bestimmung der maximal tolerierten Dosis (MTD), der dosislimitierenden Toxizitäten (DLT), der Verträglichkeit und der vorläufigen Wirksamkeit von B-R in Kombination mit Ibrutinib bei Patienten mit rezidivierten/refraktären NHL (3). Sowohl eine vorausgegangene autologe Stammzelltransplantation (ASCT) als auch eine Vortherapie mit B, R oder Ibrutinib waren erlaubt. Die Patienten erhielten 375 mg/m² R an Tag 1, 90 mg/m² B an den Tagen 1 und 2 und eskalierende Dosen Ibrutinib (280 bzw. 560 mg) an den Tagen 1 bis 28 alle 4 Wochen über 6 Zyklen. Patienten, die auf die Therapie ansprachen, konnten nach den 6 Zyklen bis zum Progress oder bis zu inakzeptabler Toxizität mit einer Ibrutinib-Monotherapie behandelt werden. Insgesamt waren 14 Patienten für das Ansprechen auswertbar. Die Gesamtansprechrate lag bei 64%. 43% aller Patienten erzielten sogar eine komplette Remission. Patienten mit diffus großzelligen B-Zell-Lymphomen (DLBCL) sprachen allerdings gar nicht auf die Therapie an. DLTs wurden nicht beobachtet. Ebenso traten keine unerwarteten Toxizitäten  auf. Weitere Studienkohorten vor allem mit Patienten mit follikulärem Lymphom, DLBCL und Mantelzell-Lymphom sollen nun folgen.
 
Dyer et al. untersuchten den neuen monoklonalen anti-CD20 Antikörper Obinutuzumab (GA101) sowohl in Kombination mit CHOP als auch in Kombination mit Bendamustin bei Patienten mit unbehandeltem follikulärem Lymphom (FL) (4). Aufgrund seiner verbesserten Bindungsaffinität zum Fc-Rezeptor besitzt GA101 gegenüber Rituximab voraussichtlich eine überlegene B-Zell-depletierende Aktivität. Mit Gesamtansprechraten von 60% unter GA101-CHOP (komplettes Ansprechen: 35%) und 53,7 % (komplettes Ansprechen 39%) unter GA101-B erwiesen sich beide Dreierkombinationen in der Erstlinientherapie von Patienten mit FL als vielversprechend hinsichtlich Wirksamkeit und Verträglichkeit. Zukünftig wird GA101 mit weiteren Chemotherapieschemata kombiniert und in Phase-III-Studien mit Rituximab-basierten Kombinationstherapien verglichen werden.
 
Erstmals wurden die Daten der amerikanischen Bright Studie vorgestellt, die in Analogie zur NHL1-2003-Studie der Studiengruppe indolente Lymphome B-R mit R-CHOP, aber zusätzlich auch mit dem anthrazyklinfreien R-CVP- Schema (Rituximab, Cyclophosphamid, Vincristin und Prednison) als Erstlinientherapie bei Patienten mit fortgeschrittenen indolenten NHL oder Mantelzell-Lymphom (MCL) verglich (5). Primärer Endpunkt war die Nicht-Unterlegenheit der Komplettremissionsrate von B-R im Vergleich zum Standard R-CHOP oder R-CVP. Dieser Studienendpunkt ist eher ungewöhnlich, da in anderen Studien meist die Überlebenszeit als primärer Endparameter gewählt wird. Sowohl hinsichtlich der Gesamtansprechrate (97% vs. 91%) als auch hinsichtlich der Rate an kompletten Remissionen (31% vs. 25%) war B-R den beiden anderen Regimen nicht unterlegen. Bei den MCL war B-R mit einer Gesamtansprechrate von 100% dem R-CVP mit 50% signifikant überlegen, auch die Komplettansprechrate war bei den MCL mit 57% unter B-R signifikant höher als unter R-CVP (14%). Allerdings führt B-R in dieser Studie zu einer höheren Rate an Infektionen und Erbrechen, was darauf zurückzuführen sein könnte, dass in dieser Studie eventuell eine weniger effektive Supportivtherapie als in der StiL-Studie eingesetzt wurde. 
 
Eine Analyse der Lebensqualität in dieser Studie ergab, dass B-R diese im Vergleich zu R-CHOP und R-CVP signifikant verbesserte, mit signifikant besseren Funktions- und Symptomverbesserungen, gemessen mittels des EORTC QLQ C30 Bogens (6). 
 
In einer Subanalyse der StiL NHL1-2003 Studie diskutierten Rummel et al. den Einfluss der Responsequalität auf das Outcome, also progressionsfreies Überleben (PFS) und Gesamtüberleben (OS) (7). 514 Patienten hatten randomisiert entweder B-R oder CHOP-R für maximal 6 Zyklen erhalten. Es zeigte sich, dass Patienten mit kompletter Remission ein signifikant längeres PFS und OS hatten als Patienten, die nur eine partielle Remission erzielt hatten. In der First-line sollte daher eine möglichst vollständige Remission erzielt werden, so das Fazit.
 
Die Rolle einer Erhaltungstherapie mit Rituximab beleuchtet eine multizentrische, prospektive, randomisierte Phase-III-Studie, bei der die Patienten mit verschiedenen NHL nach der Induktion mit Bendamustin-Rituximab (B-R) entweder eine Erhaltungstherapie mit Rituximab bekommen oder nur beobachtet werden (8). Primärer Endpunkt ist das progressionsfreie Überleben (PFS). Rummel et al. stellten erste vorläufige Ergebnisse für Patienten mit Morbus Waldenström (MW) vor. Zum Zeitpunkt der Auswertung hatten insgesamt 86% der MW-Patienten auf B-R angesprochen, die Randomisierung in die Arme mit und ohne Erhaltungstherapie mit R dauert jedoch noch an.
 
Multiples Myelom (MM)
 
Da Bendamustin auch beim multiplen Myelom (MM) gute Effektivität zeigt und zudem deutlich weniger toxisch ist als Melphalan, wird es zunehmend als Chemotherapiebaustein für die modernen Kombinationstherapien mit z.B. Bortezomib und Lenalidomid beim MM eingesetzt. Berdeja et al. stellten auf dem ASH 2012 eine Studie vor, welche die Dreierkombination Bendamustin, Bortezomib und Dexamethason (BVD) als Firstline-Therapie bei MM-Patienten, die nicht für eine Hochdosis-Chemotherapie geeignet sind, untersuchte und dabei zwei Dosierungsschemata verglich (9). Nach dem Originalregime (Schema A) wurden in einem 28-tägigen Zyklus 90 mg/m² B an Tag 1 und 4, 1,3 mg/m² V (Bortezomib) an den Tagen 1, 4, 8 und 11 und 40 mg/m² D (Dexamethason) an den Tagen 1-4 gegeben. Eine Zwischenanalyse befand dieses Schema A zwar für effizient, aber auch relativ toxisch. Daraufhin wurde das Dosierungsschema überarbeitet. Nach dem modifizierten Schema B wurden ebenfalls in einem 28-tägigen Zyklus nur 80 mg/m² B an den Tagen 1 und 2, Bortezomib mit 1,3 mg/m²  nur an den Tagen 1, 8 und 15 sowie nur 20 mg D an den Tagen 1, 2, 8, 9, 15 und 16 verabreicht. Die Patienten erhielten die Therapie über insgesamt 8 Zyklen bzw. über weitere 2 Zyklen nach dem Erreichen einer kompletten Response, je nachdem, was zuerst auftrat. Die Patienten hatten jeweils die Möglichkeit einer Bortezomib-Erhaltungstherapie. 39% der mit dem Schema A behandelten Patienten mussten die Studie aufgrund der schlechten Verträglichkeit abbrechen. Inzidenz und Schwere von Neuropathien und Herpes Zoster-Infektionen unterschieden sich zwischen den beiden Studiengruppen deutlich. Bei 72% der mit Schema A behandelten Patienten kam es zu Neuropathien, bei 56% vom Grad 2 oder mehr. Bei den mit Schema B behandelten Patienten litten hingegen nur 44% unter Neuropathien, die außerdem bei allen Patienten bis auf einen nur vom Grad 1 und 2 waren. Bei 45% der mit dem Originalschema behandelten Patienten trat eine Herpes Zoster-Infektion auf, aber bei keinem einzigen Patienten der mit Schema B therapierten Patienten. Eine antivirale Prophylaxe wurde bei Schema A empfohlen und ist bei Schema B notwendig. Hämatologische Nebenwirkungen vom Grad 4 traten unter keinem der beiden Schemata auf, während hämatologische Toxizitäten vom Grad 3 unter beiden Schemata in etwa gleich häufig auftraten (bei 33% der Patienten unter Schema A und 40% unter Schema B). Die Gesamtansprechrate unter Schema A lag bei 78%, unter Schema B bei 90%, so dass die Autoren die Kombination BVD bei älteren MM-Patienten als praktikabel und wirksam bezeichnen. Mit dem verbesserten Schema B konnte die Toxizität gemindert, die Wirksamkeit aber erhalten werden. 
 
Die Kombination Lenalidomid plus Melphalan führt sowohl bei primärem als auch rezidiviertem MM zu hohen Ansprechraten. Da eine Reihe von neueren Studien die gute Aktivität von Bendamustin beim MM gezeigt haben, tauschten Kumar et al. die alkylierende Substanz der Kombination aus und untersuchten in ihrer multizentrischen Phase-I/II-Studie die Kombination von Lenalidomid mit Bendamustin bei Patienten mit rezidiviertem MM (10). Ziel der Dosiseskalationsstudie war die Beurteilung der maximal tolerierten Dosis (MTD) und der Wirksamkeit von Lenalidomid (R) plus Bendamustin (B) in Kombination mit Dexamethason (D). In die Studie waren 73 Patienten mit einem medianen Alter von 62 Jahren und im Median 3 Vortherapien eingeschlossen, die in 28-tägigen Zyklen 50-100 mg/m² B an den Tagen 1 und 2, 15-25 mg R an den Tagen 1-21 und 40 mg D an Tag 1, 8, 15 und 22 erhielten. B wurde über 6 Zyklen, R und D bis zum Progress verabreicht. 74% der Patienten hatten bereits eine autologe Stammzelltransplantation (ASCT) erhalten. Als MTD wurden 75 mg/m² B und 25 mg R für die Phase II der Studie ermittelt. Im Median erhielten die Patienten 4 Zyklen und 24 der 73 Patienten sind noch heute in Behandlung. Mindestens ein partielles Ansprechen erzielten 57% der Patienten in der Phase I und 40% der 43 für das Ansprechen auswertbaren Patienten mit mindesten 6 verabreichten Zyklen in der Phase II. 49% der Patienten brachen die Therapie aufgrund der Progression der Erkrankung und 35% aufgrund von Nebenwirkungen ab. Am häufigsten traten hämatologische Toxizitäten auf, diese waren aber mit Dosisreduktionen gut zu behandeln, so dass Lenalidomid plus Bendamustin als gut verträglich und effektiv bezeichnet werden kann. 
 
Ebenfalls bei Patienten mit rezidivierten/refraktären MM untersuchten Ludwig et al. Wirksamkeit und Verträglichkeit der Kombination Bendamustin-Bortezomib-Dexamethason (BBD), da Bendamustin eine synergistische Aktivität mit Bortezomib zu haben scheint (11). 79 Patienten erhielten alle 4 Wochen 70 mg/m² Bendamustin an den Tagen 1 und 4, 1,3 mg/m² Bortezomib an den Tagen 1, 4, 8 und 11 und 20 mg Dexamethason an den Tagen 1, 4, 8 und 11 über maximal 8 Zyklen. Bei Nichtansprechen wurde die Therapie nach maximal 4 Zyklen abgebrochen. Das mediane Follow Up betrug 13,7 Monate, 71 Patienten erhielten mehr als 2 Zyklen. Die Gesamtansprechrate (CR und PR) lag bei 67,6%, nimmt man auch die minimalen Remissionen hinzu, so lag die Gesamtansprechrate (CR-MR) sogar bei 84,5%. Von den bereits mit Bortezomib vorbehandelten Patienten erzielten 62% eine komplette oder partielle Remission, nimmt man die minimalen Remissionen hinzu, lag die Gesamtansprechrate bei 82%. Bei den bereits mit Lenalidomid vorbehandelten Patienten lag die Gesamtansprechrate inklusive minimaler Remissionen bei 77%. Das Regime erwies sich als gut verträglich. Hämatologische Toxizitäten vom Grad 4 waren sehr selten, so trat eine Grad-4-Anämie bei 3%, eine Grad-4-Leukopenie bei 1% und eine Grad-4-Thrombozytopenie bei 6% der Patienten auf. Bei den nicht-hämatologischen Nebenwirkungen kam es vor allem zu geringgradigen Infektionen, Polyneuropathien und gastrointestinalen Nebenwirkungen. Das mediane progressionsfreie Überleben der meist stark vorbehandelten Patienten lag bei 9,7 Monaten. Die Ergebnisse dieser vor dem Hintergrund der Stellung von Bortezomib als Standardsubstanz in der Erstlinie sehr praxisrelevanten Studie zeigen BBD als relativ gut verträgliches und hoch effektives Regime in der Rezidivtherapie beim MM.
 
Auch ein Update zu den Ergebnissen der 2009-01 Studie der Intergroupe Francophone Du Myelome (IFM) wurde präsentiert, die ebenfalls die Kombination Bendamustin-Bortezomib-Dexamethason untersucht hatte und zwar bei älteren MM-Patienten mit erstem Rezidiv, ein Patientenkollektiv mit schlechter Prognose, das derzeit zumeist mit Bortezomib plus Dexamethason behandelt wird (12). In die Phase-II-Studie eingeschlossen wurden Patienten im ersten Rezidiv sowie auf die Erstlinientherapie refraktäre Patienten. Die Patienten erhielten 70 mg/m² Bendamustin an den Tagen 1 und 8, 1,3 mg/m² Bortezomib an den Tagen 1, 8, 15 und 22 sowie 20 mg Dexamethason an den Tagen 1, 8, 15 und 22 alle 28 Tage über insgesamt 6 Zyklen. Das mediane Alter der 73 Patienten betrug 75,8 Jahre, 26% waren über 80 Jahre alt. Alle in die Analyse eingeschlossenen Patienten hatten nur eine Vortherapie. Nach 6 Zyklen betrug die Gesamtansprechrate 67,1%, wobei 12,3% komplett auf die Therapie ansprachen. Nach den 6 Monaten der Therapie lebten noch 80,8% der Patienten, 67,1% waren progressionsfrei. 13,3% der Patienten waren an ihrer Erkrankung, 5,4% aufgrund einer Sepsis und 1,3% an Nierenversagen gestorben. Die Toxizitäten waren insgesamt gut zu handhaben. Auch bei dieser älteren Patientenpopulation erwies sich die Dreierkombination Bendamustin-Bortezomib-Dexamethason als effektiv mit einer Gesamtansprechrate von 67,1% und einem guten Sicherheitsprofil. Ein längeres Follow-Up ist auch hier notwendig, um die Dauer des Ansprechens und das Überleben zu beobachten.
 
Eine Studie von Pönisch et al. untersuchte Wirksamkeit und Toxizität von Bendamustin, Prednison und Bortezomib (BPV) bei 78 Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem MM, davon 33 Patienten mit stark beeinträchtigter Knochenmarksfunktion (13). BPV wurde gut toleriert, auch von den stark vorbehandelten Patienten. Mit BPV wurde ein sehr schnelles Ansprechen, meist nach nur einem Zyklus, erzielt. Die Gesamtansprechrate lag bei 69%. Progressionsfreies (PFS) und Gesamtüberleben (OS) unterschieden sich deutlich: Patienten mit normaler Knochenmarksfunktion hatten ein medianes PFS von 11 Monaten und ein medianes OS von 50 Monaten, Patienten mit bereits eingeschränkter Knochenmarksfunktion nur ein medianes PFS von 3 Monaten und ein OS von 5 Monaten. 
 
Herausforderung klinischer Alltag - aktuelle Daten aus der Versorgungsforschung
 
Eine Reihe von Beiträgen auf dem ASH 2012 beschäftigte sich mit Wirksamkeit und Verträglichkeit Bendamustin-basierter Regime unter den realen Bedingungen im klinischen Alltag, außerhalb klinischer Studien. So untersuchte eine retrospektive Analyse von Günther et al. Wirksamkeit und Sicherheit der Erstlinientherapie mit Bendamustin mit oder ohne Rituximab bei therapienaiven CLL-Patienten anhand von Therapiedaten aus internistischen Praxen in Deutschland, die von der Projektgruppe Internistische Onkologie (PIO) in einem Register erfasst und ausgewertet wurden (14). Daten von 217 Patienten aus 57 Praxen wurden ausgewertet. Über alle Alters- und Therapiegruppen hinweg zeigten sich bei der Bendamustin-basierten Therapie hohe Ansprechraten von über 83% und ein akzeptables Sicherheitsprofil mit nur wenigen Dosisverzögerungen. 
 
Knauf et al. präsentierten Daten von insgesamt 2579 Patienten aus dem Tumorregister Lymphatische Neoplasien, das Patienten- und Therapiedaten von überwiegend niedergelassenen internistischen Hämato-Onkologen in Deutschland über 5 Jahre hinweg sammelte (15). Diese zeigten, dass B-R bei Patienten mit indolenten NHL inzwischen am häufigsten eingesetzt wird. Die Behandlung mit B-R hat seit 2009 kontinuierlich zugenommen, während der Einsatz von R-CHOP zurückgegangen ist, so dass B-R als Therapiestandard für Patienten mit indolenten NHL bezeichnet werden sollte, so die Autoren. Das Hauptaugenmerk sollte jetzt auf dem Einfluss dieser Entwicklung auf das Überleben und die Lebensqualität der Patienten liegen.
 
Auch beim Multiplen Myelom (MM) versuchten zwei Beiträge, ein Abbild der Therapierealität mit Bendamustin zu liefern. Aguano Bueno et al. präsentierten vorläufige Daten mit 72 Patienten aus einem Spanischen Register zum „Compassionate Use“ von Bendamustin in verschiedenen Therapieregimen (16). Die Autoren bezeichneten Bendamustin als effektive Salvage-Therapie bei Patienten mit fortgeschrittenem, rezidiviertem oder refraktärem MM. Die Gesamtansprechrate bei diesem sehr stark vorbehandelten Patientenkollektiv lag bei 44%. Eine retrospektive italienische Studie mit insgesamt 78 Patienten mit rezidiviertem oder refraktärem MM untersuchte Bendamustin ebenfalls als Salvage-Therapie im Rahmen eines Compassionate Use Programms bei stark vorbehandelten Patienten (17). Bendamustin wurde in dieser Analyse als eine Option unter anderen Therapieregimen eingesetzt und  Musto et al. betrachten Bendamustin als therapeutische Option bei diesen äußerst schwierig zu behandelnden Patienten.
 
 
 
Quellen
(1) Knauf W et al. Phase III randomized study of bendamustine compared with chlorambucil in previously untreated patients with chronic lymphocytic leukemia. J Clin Oncol. 2009 Sep 10;27(26):4378-84. doi: 10.1200/JCO.2008.20.8389
(2) Leblond V et al. Rituximab in Combination with Bendamustine or Chlorambucil for Treating Patients with Chronic Lymphocytic Leukemia: Interim Results of a Phase IIIb Study (MaBLe). ASH 2012, Abstract 2724
(3) Blum KA et al. A Phase I Trial of the Bruton`s Tyrosine Kinase (BTK) Inhibitor, Ibrutinib (PCI-32765), in Combination with Rituximab (R) and Bendamustine in Patients with Relapsed/Refractory Non-Hodgkin`s Lymphoma (NHL). ASH 2012, Abstract 1643
(4) Dyer MJS et al. Obinutuzumab (GA101) in Combination with Cyclophosphamide, Doxorubicin, Vincristine and Prednisone (CHOP) or Bendamustine in Patients with Previously Untreated Follicular Lymphoma (FL): Results of the Phase Ib GAUDI Study (B021000). ASH 2012, Abstract 3686
(5) Flinn IW et al. An Open-Label, Randomized Study of Bendamustine and Rituximab (BR) Compared with Rituximab, Cyclophosphamide, Vincristine, and Prednisone (R-CVP) or Rituximab, Cyclophosphamide, Doxorubicin, Vincristine, and Prednisone (R-CHOP) in First-Line Treatment of Patients with Advanced Indolent Non-Hodgkin`s Lymphoma (NHL) or Mantle Cell Lymphoma (MCL): The Bright Study. ASH 2012, Abstract 902
(6) Burke JM et al. Differences in Quality of Life Between Bendamustine Plus Rituximab Compared with Standard First-Line Treatments in Patients with Previously Untreated Advanced Indolent Non-Hodgkin’s Lymphoma or Mantle Cell Lymphoma. ASH 2012, Abstract 155
(7) Rummel MJ et al. Subanalysis of the StiL NHL1-2003 Study: Achievement of Complete Response with Bendamustine-Rituximab (B-R) and CHOP-R in the First-Line Treatment of Indolent and Mantle Cell Lymphomas Results in Superior Survival Compared to Partial Response. ASH 2012, Abstract 2724
(8) Rummel MJ et al. Bendamustin-Rituximab Induction Followed by Observation or Rituximab Maintenance for Newly Diagnosed Patients with Waldenström`s Macroglobulinemia: Results From a Prospective, Randomized, Multicenter Study (StiL NHL 7-2008-MAINTAIN-; ClinicalTrials.gov Identifier: NCT00877214). ASH 2012, Abstract 2739
(9) Berdeja JG et al. Bendamustine, Bortezomib and Dexamethasone (BBD) as First-Line Treatment of Patients with Multiple Myeloma Who Are Not Candidates for High Dose Chemotherapy. Toxicity Comparison of Two Dose Schedules. ASH 2012, Abstract 4047
(10) Kumar SK et al. Phase I/II, Multicenter, Open-Label, Dose-Escalation Study of Bendamustine in Combination  with Lenalidomide and Dexamethasone (BRD) in Patients with Relapsed Multiple Myeloma: A Multiple Myeloma Research Consortium Study. ASH 2012, Abstract 2965
(11) Ludwig H et al. Treatment with Bendamustine-Bortezomib-Dexamethasone (BBD) in Relapsed/Refractory Multiple Myeloma Shows Significant Activity and Is Well Tolerated. ASH 2012, Abstract 943
(12) Rodon P et al. Bendamustine, Bortezomib and Dexamethasone (BVD) in Elderly Patients with Multiple Myeloma in First Relapse. Updated Results of the Intergroupe Francophone Du Myelome (IFM) 2009-01 Trial. ASH 2012, Abstract 4044
(13) Pönisch W et al. Combined Bendamustine, Prednisone and Bortezomib (BPV) in Patients with relapsed or Refractroy Multiple Myeloma. ASH 2012, Abstract 1855
(14) Günther G et al. Real-world efficacy and safety of bendamustine with or without rituximab in treatment naïve patients with chronic lymphocytic leukemia: Retrospective analysis of a German registry. ASH 2012, Abstract 2905
(15) Knauf WU et al. Bendamustine-rituximab (BR) replaces R-CHOP as „standard of care“ in the treatment of indolent non-Hodgkin lymphoma in German hematology outpatient centres. ASH 2012, Abstract 3666
(16) Aguado Bueno B et al. Preliminary experience of the Spanish compassionate use registry of bendamustine in patients with relapsed/refractory multiple myeloma. ASH 2012, Abstract 4035
(17) Musto P et al. Bendamustine as salvage therapy in multiple myeloma: A retrospective, multicenter study from the Italian Compassionate Use Program in 78 heavily pre-treated patients. ASH 2012, Abstract 2971 
Dr. Petra Ortner
 
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