Montag, 23. Oktober 2017
Benutzername
Passwort
Registrieren
Passwort vergessen?

Home
e-journal
Der Aktuelle Fall
CME online
News
Gesundheitspolitik
Fachgesellschaften
Therapiealgorithmen
Videos
Veranstaltungen
Broschüren


Suche
Archiv
Buchbestellung
Newsletter
Probe-Abo
Impressum


journalmed.de


Anzeige:
 
 
Anzeige:
 
 

JOURNAL ONKOLOGIE – NEWS
Zurück
Zurück
E-Mail
Email
Drucken
Drucken
Zum Bewerten bitte anmelden!
01. Juli 2014

ASCO 2014: Register zur Erfassung von Meningeosen bei Tumorerkrankungen

Interview mit Prof. Dr. Herwig Strik, Neurologische Universitätsklinik Marburg.

Prof. Dr. Herwig Strik,
Neurologische Universitätsklinik
Marburg

Journal Onkologie: Herr Prof. Strik, Sie haben auf dem ASCO ein sehr interessantes Poster vorgestellt. Was war der Grund, dieses Register ins Leben zu rufen?

Herr Prof. Strik: Die Meningeosis neoplastica ist eine sehr schwierig zu diagnostizierende und auch schwierig zu behandelnde Erkrankung. Die Diagnose ist kompliziert, weil es keine spezifischen Symptome gibt, sondern weil letztlich alle Arten von fokal neurologischen Ausfällen und auch unspezifischen Symptomen zu der Diagnose führen können. Das heißt konkret, dass wir bei Patienten mit einer Krebserkrankung und neurologischen Auffälligkeiten immer auch an eine Meningeosis denken müssen. Die Therapie der Erkrankung ist deshalb schwierig, weil wir es mit sehr heterogenen Tumoren zu tun haben und mit sehr unterschiedlichen Erkrankungsstadien. Deshalb müssen wir sehr gut unterscheiden, in welchem Stadium der Erkrankung und in welchem Allgemeinzustand der Patient sich befindet, wie deshalb die Behandlung aussehen muss und ob es überhaupt noch sinnvoll und geboten ist, diese Erkrankung zu behandeln. Das Register brauchen wir, weil es in den wenigen vorliegenden Studien eine, nach meiner Meinung unzulässige, Zusammenlegung von verschiedenen Tumorentitäten gab. Wir wissen, dass diese sehr unterschiedliche Prognosen haben und wir zwischen den verschiedenen Krankheitsentitäten unterscheiden müssen, insbesondere zwischen hämatologischen und soliden Neoplasien, und innerhalb dieser auch zwischen den verschiedenen Tumorentitäten. Studien sind schwer durchzuführen, weil die Fallzahlen so klein sind, so dass ein offenes multizentrisches Register, das viele Zentren einschließt, in meinen Augen die beste Möglichkeit ist, eine größere Datenbasis zu generieren. 

Journal Onkologie: Gibt es in Deutschland noch weitere Register zu ZNS-Beteiligung bei Tumorpatienten?

Herr Prof. Strik: Speziell zur Meningeosis neoplastica gibt es das nicht, aber in Berlin an der Charité gibt es ein Register zum sekundären ZNS-Befall durch systemische Lymphome, das Frau Privatdozentin Dr. Korfel leitet. Und es gibt ein Register der German Breast Group zu ZNS-Metastasen beim Mammakarzinom, das Professor Müller vom Universitätsklinikum in Hamburg leitet.

Journal Onkologie: Warum ist es so wichtig, die Meningeosis neoplastica frühzeitig zu erkennen und auch frühzeitig zu behandeln?

Herr Prof. Strik: Wir haben zwar keine zuverlässigen Daten dazu, aber nach unserer festen Überzeugung werden wir umso eher noch einen Behandlungserfolg erzielen können, wenn wir die Erkrankung in einem frühen Stadium diagnostizieren und behandeln, noch bevor schwerwiegende neurologische Ausfälle eingetreten sind, die wir dann nicht mehr rückgängig machen können. Wir müssen gut auswählen, welche Patienten für eine Behandlung in Fragen kommen und welche nicht. Wir sehen zu häufig, dass diese Patienten nicht mehr behandelt werden, weil viele Kollegen mit einer Meningeosis einen fatalen Zustand assoziieren, der nur noch ganz wenige Monate bestehen kann, bevor der Patient daran verstirbt. Das ist nach unserer Erfahrung nicht bei allen Patienten der Fall. Vielmehr können Patienten mit einer gut kontrollierten systemischen Erkrankung und in einem guten Allgemeinzustand durchaus auch über mehr als ein Jahr mit guter Lebensqualität stabil gehalten werden, während wir natürlich bei Patienten mit unkontrollierter systemischer Tumorerkrankung und einem schlechten Allgemeinzustand sehr gut abwägen sollten, ob diese noch von einer Behandlung profitieren können.
 
Journal Onkologie: Welche Behandlung würde man dann einleiten, wenn die Diagnose feststeht?

Herr Prof. Strik: Hierzu gibt es leider aufgrund der Datenarmut keine wirklich validierten und gut evaluierten Strategien. In Deutschland und in den USA ist man allgemein der Überzeugung, dass eine intrathekale Chemotherapie hilfreich ist - eine Chemotherapie, die wir direkt in den Liquorraum verabreichen; entweder über eine Lumbalpunktion oder über ein ventrikuläres Reservoir. Hier haben wir mehrere Substanzen zur Verfügung. Die üblichen freien Substanzen, wie freies Methotrexat oder Cytarabin, sind leider nach mehreren Stunden schon aus dem Liquor ausgewaschen. Wir haben aber mit liposomal verkapseltem Cytarabin - Handelsname DepoCyte - eine galenisch weiterentwickelte Applikationsform von Cytarabin zur Verfügung. Hier verbleibt der zytotoxische Wirkstoff mindestens über zwei bis drei Wochen mit wirksamen Spiegeln im Liquor. Wir erwarten uns hiervon, dass das Zytostatikum durch diese längere Verweildauer auch eine bessere Effizienz bei der Meningeosis besitzt, nicht nur bei den hämatologischen, sondern auch bei den soliden Neoplasien. Was wir als therapeutische Option noch erwähnen müssen, ist, dass neben der Bestrahlung des gesamten Gehirns auch eine systemische Chemotherapie oder neuerdings auch zielgerichtete Therapie gegen bestimmte Rezeptoren - wie z.B. Trastuzumab gegen den HER2-Rezeptor - einen zusätzlichen Effekt haben kann.

Journal Onkologie: Ist die Meningeosis neoplastica leicht zu diagnostizieren oder gibt es da Fallstricke?

Herr Prof. Strik: Nein, es ist immer wieder eine Herausforderung, weil wir, wie schon eingangs erwähnt, keine spezifische Symptomatik haben, die pathognomonisch für eine Meningeosis neoplastica ist. Wir müssen hier eine sorgfältige neurologische Diagnostik durchführen, mit bildgebenden Methoden, die letztlich sowohl das Gehirn als auch das gesamte Rückenmark abbilden. Nach Ausschluss einer relevanten Hirndrucksymptomatik müssen wir eine gute Liquordiagnostik vornehmen, mit einer sauberen Liquorzytologie. Im Bereich der soliden Tumoren ist diese nicht so schwierig zu beurteilen, während wir bei den hämatologischen Neoplasien durchaus immer wieder auch einmal an unsere zytologischen Grenzen stoßen und dann versuchen müssen, durch Bestimmung molekularer Marker die Diagnose zu untermauern.

Journal Onkologie: Was würden Sie als Neuroonkologe Ihren Kollegen mit auf den Weg geben, die nicht auf Hirnerkrankungen spezialisiert sind und dieses Krankheitsbild nicht so häufig sehen - wann sollte man daran denken, dass eine Meningeosis neoplastica vorliegen könnte und daraufhin gezielt den Liquor untersuchen?

Herr Prof. Strik:  Diese Frage ist nicht ganz einfach. Was ich mitgeben möchte ist, einfach niedrigschwellig daran zu denken und im Zweifelsfall sehr großzügig die Liquoruntersuchung vorzunehmen. Wir stellen immer wieder fest, dass wir auch bei sehr, sehr frühen Zeichen wie radikulären Symptomen oder ganz diskreten Hirnnervenparesen schon durchaus eine Meningeosis diagnostizieren können. Dadurch können wir sehr frühzeitig die Therapie einleiten. Das heißt: Im Zweifelsfall würde ich lieber einmal zu viel punktieren, als einmal zu wenig und auch bei sehr zarten neurologischen Symptomen die Diagnostik einleiten, insbesondere wenn eine Tumordiagnose bekannt ist. Wenn eine Tumordiagnose bisher nicht bekannt ist - auch das sehen wir immer (einmal) wieder - kann sich die Meningeosis neoplastica auch als Primärdiagnose manifestieren. Deshalb müssen wir auf jeden Fall bei einer auffälligen neurologischen Symptomatik nicht nur die übliche infektiologische Diagnostik im Liquor vornehmen, sondern auch eine zytologische Diagnostik des Liquors veranlassen, um sicherzustellen, dass wir keine fatale Diagnose übersehen.

Journal Onkologie: Vielen Dank für das Gespräch.

 
Zurück
Zurück
E-Mail
Email
Drucken
Drucken
Zum Bewerten bitte anmelden!



Anzeige:
 
 
Anzeige:
Zur Fachinformation
 
 
 
Themen
NET
CUP
Nutzen Sie auch die Inhalte von journalmed.de, um sich zu Informieren.
Mediadaten
Hilfe
Copyright © 2014 rs media GmbH. All rights reserved.
Kontakt
Datenschutz
AGB
Fakten über Krebs