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JOURNAL ONKOLOGIE – NEWS
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16. Oktober 2017

Chemotherapie als essentieller Bestandteil einer mCRPC Therapie

Die Taxan-basierte Chemotherapie ist essentieller Bestandteil der medikamentösen Behandlung des metastasierten Prostatakarzinoms (mCRPC). Wann der individuell beste Zeitpunkt dafür ist, lässt sich anhand definierter Kriterien entscheiden. Keinesfalls sollte die Chemotherapie zu spät im Krankheitsverlauf eingesetzt werden, resümierten Experten anlässlich der diesjährigen 69. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Urologie in Dresden.
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Die Experten verwiesen auf eine konsistente Datenlage, wonach die Taxan-basierte Chemotherapie die Prognose der Patienten mit metastasiertem Prostatakarzinom sowohl im kastrationsresistenten als auch im hormonnaiven Stadium verbessert, ohne dabei die Lebensqualität nachhaltig zu beeinträcht igen (1-3). Die Zeiten, als metastasierte Patienten eine rein endokrine Systemtherapie erhalten haben, seien vorbei, betonte Prof. Jan Roigas, Berlin. „Wir wissen um die intratumorale klonale sowie die histologische Heterogenität des metastasierten Prostatakarzinoms, weshalb wir heute multimodal mit individuell abgestimmten Therapiekonzepten unter Einschluss der Chemotherapie behandeln.“ Die Chemotherapie sollte nicht zu spät im Therapieverlauf eingesetzt werden, denn je fortgeschrittener die Therapielinie ist, umso unwahrscheinlicher sei der Einsatz einer lebensverlängernden Chemotherapie (4).


Harte Kriterien für die Chemotherapie-Indikation

Harte Kriterien für den Erstlinien- oder Zweitlinieneinsatz der Chemotherapie sind laut Roigas eine hohe Tumorlast und viszerale Metastasen sowie tumorbedingte Beschwerden bzw. Schmerzen. Darüber hinaus seien bei asymptomatischen Patienten eine kurze PSA-Verdoppelungszeit und/oder ein initial hoher Gleason Score Kriterien für eine Chemotherapie-Indikation (5). Der initial hohe Gleason Score deute auf ein entdifferenziertes Karzinom hin. Bei endokrin vorbehandelten Patienten ist zudem die kurze Ansprechdauer auf eine Androgendeprivationstherapie (ADT) ein Indiz für einen nicht bzw. wenig hormonsensiblen Tumor (6,7). Auch diese Patienten sollten primär eine Chemotherapie erhalten.

Mit regelmäßiger Bildgebung Resistenzen frühzeitig erkennen

Im kastrationsresistenten Stadium des metastasierten Prostatakarzinoms (mCRPC ) benötige etwa  ein Drittel der Patienten aufgrund einer primären endokrinen Resistenz initial eine Chemotherapie, betonte Roigas. Nach Docetaxel-Versagen sei Cabazitaxel die Chemotherapie der Wahl (3). Neben den primären Resistenzen spielten sekundäre Resistenzentwicklungen unter endokriner Therapie eine wichtige Rolle, ergänzte Prof. Axel Merseburger, Lübeck. Er wies unter anderem darauf hin, dass Androgenrezeptor(AR)-gerichtete Substanzen eine AR-unabhängige Progression begünstigen könnten (8). Um Resistenzen rechtzeitig zu erkennen, sei es europäischer Konsens (9) von Therapiebeginn an einmal pro Quartal eine Bildgebung durchzuführen. Ein stabiler PSA-Wert unter endokriner Therapie sei kein Garant dafür, dass der Tumor nicht progredient ist (10-12). Erstmals bestätigen zudem prospektive Daten der Phase-III-Studie PLATO (13), dass zwischen den AR-gerichteten Substanzen Kreuzresistenzen bestehen, erläuterte Merseburger. Nach Versagen einer AR-gerichteten Therapie sollte daher auf die Chemotherapie gewechselt werden. Merseburger: „Die Sequenz zweier AR-gerichteter Substanzen ist nicht sinnvoll.“

mCRPC: Mit Docetaxel gefolgt von Cabazitaxel effektiv behandeln

Taxane haben den Vorteil, AR-abhängige und AR-unabhängige Zellprozesse zu inhibieren (14,15) und sie entwickeln keine Kreuzresistenz, betonte Roigas. Er erinnerte daran, dass Cabazitaxel speziell für die Situation nach Docetaxel-Versagen entwickelt und zugelassen wurde (3,16). In der Zulassungsstudie TROPIC (2) hatte Cabazitaxel nach Docetaxel-Versagen das relative Sterberisikos statistisch signifikant um 30% gesenkt (HR 0,70; p<0,0001), ohne die Lebensqualität der Patienten zu beeinträchtigen (17). Tumorbedingte Schmerzen besserten sich bei gutem Ansprechen deutlich (18). Retrospektive Analysen untermauern die Effektivität der Taxan-Sequenz und deuten auf prognostische Vorteile hin: Im Median überlebten die Patienten unter der Taxan-Sequenz Doxetaxel gefolgt von Cabazitaxel länger, als wenn sie zwischenzeitlich eine AR-gerichtete Substanz erhalten (19,20). Eine effektive Option sieht Roigas bei gutem Ansprechen auch in der erneuten Cabazitaxel-Gabe (Cabazitaxel -Rechallenge). Die Patienten haben die Chance, unter Cabazitaxel-Rechallenge median ein weiteres Jahr zu überleben, davon fast acht Monate ohne Progress, betonte er mit Verweis auf aktuelle Daten vom ASCO (21).

Fazit: Mit Docetaxel und Cabazitaxel stehen zwei wirksame Chemotherapeutika für die Behandlung des metastasierten Prostatakarzinoms zur Verfügung. Nach Docetaxel-Versagen ist die Weiterbehandlung mit Cabazitaxel im kastrationsresistenten Stadium eine wirksame Option, um die Überlebenszeit der Patienten zu verlängern, ohne die Lebensqualität zu beeinträchtigen.
Sanofi
Literatur:
(1) Claire LV et al. Lancet Oncol 2016 (2): 243-56.  
(2) Tannock IF et al. NEJM 2004, 351: 1502-12.  
(3) de Bono JS et al. Lancet 2010, 376 (9747): 1147-54.
(4) Schnadig ID et al. ASCO -GU, JCO 2013, 31 (suppl): #79.
(5) Maroto P et al. Crit Rev Oncol Hematol 2016, 100: 127 -36.
(6) Loriot Y et al. EJC 2015, 51(14) : 1946 -52.  
(7) Huillard O et al. ASCO JCO 2013, 31: 5075a.
(8) Small E et al. ASCO JCO 2015, 33: 5003a.
(9) Fitzpatrick JM et al. EJC 2014, 50: 1617-27.
(10)  Rathkopf D, Scher HJ, The Cancer Journal 2013, 19 (1): 43-49.  
(11) Bryce AH et al. Prostate Cancer Prostatis Dis 2017, 20 (2): 221 -27.  
(12) Pezaro CJ et al. Eur Urol 2014, 65: 270-3.  
(13) Attard G et al. ASCO JCO 2017, 35: 5004a.
(14) Jordan MA et al. Nat Rev Cancer 2004, 4: 253-65.  
(15) Zhu ML et al. Cancer Res 2010, 70: 7992-8002.
(16) Mita AC et al. Clin Cancer Res 2009, 15(2): 723-30.
(17) Miller P et al. ASCO JCO 2016, 34: 5004a.
(18) Hofheinz R et al. BJU Int 2017, 119(5): 731 -40.
(19) Maines F et al. Crit Rev Oncol Hematol 2015, Dec 96(3): 498-506.  
(20) Caffo O et al. ASC O JCO 2017, 35: 5030a.
(21) Thibault C et al. ASCO JCO 2017, 35: 5033a. 3/3
 
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