Freitag, 6. August 2021
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Medizin

CAR-T-Zell-Therapie und Infekt-Management

CAR-T-Zell-Therapie+und+Infekt-Management
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Was noch vor wenigen Jahren kaum vorstellbar war, hat die CAR-T-Zell-Therapie* tatsächlich möglich gemacht: Therapieerfolge bei Patienten mit weit fortgeschrittenen hämatologischen Tumorerkrankungen. Die personalisierte CAR-T-Zell-Therapie stellt allerdings hohe Anforderungen an das Therapie- und Nebenwirkungsmanagement – auch aufgrund von therapiebedingtem Antikörpermangel. Sie ist derzeit spezialisierten Zentren vorbehalten.
CAR-T-Zell-Therapie und Infekt-Management

Erfahrungen mit den CAR-T-Zell-Therapien außerhalb von klinischen Studien sind bislang wenig vorhanden. Eine CAR-T-Zell-Therapie bedeutet immer einen schwerwiegenden Eingriff in ein Immunsystem, das durch die onkologische Grunderkrankung bereits aus dem Gleichgewicht geraten ist. Bevor die CAR-T-Zellen verabreicht werden können, wird zudem eine Lymphozytendepletion vorgenommen. Infektionen als relevante Nebenwirkungen resultieren zum einen aus Zytopenien aufgrund der Lymphodepletion, zum anderen sind sie auch Folge der Verabreichung der spezifischen CAR-T-Zellen.

In einer Studie wurden 133 Patienten näher untersucht, die nach einer CD19 gerichteten CAR-T-Zell-Therapie Infektionskomplikationen aufwiesen (1). Die Patienten waren allesamt mehrfach mit immunsuppressiven Therapien vorbehandelt und hatten bereits eine bestehende sekundäre Immundefizienz. Eine Hypogammaglobulinämie (IgG < 4 g/l) wurde bei 46 % der Patienten zwischen Tag 60 und 90 nach der CAR-T-Zell-Infusion beobachtet. Nach 90 Tagen zeigten nur 21% der untersuchten Patienten Anzeichen einer Erholung der B-Zellen. In einer weiteren Studie mit längerem Follow-up von im Median über 28 Monaten erwies sich die Hypogammaglobulinämie bei über zwei Drittel der mit CAR-T-Zellen behandelten Patienten als häufigste Spätfolge. Im Schnitt hatten diese Patienten zwei Infektionen pro Jahr (2). Die Mehrzahl der Infektionen (80 %) konnte ambulant behandelt werden, bei 5% wurde eine Intensivbehandlung notwendig.

Fragen an den CAR-T-Zell-Experten Prof. Dr. med. Daniel Wolff, Regensburg

Eine pathologische Infektanfälligkeit, ein Immunglobulinmangel <4 g/l und eine pathologische Impfantwort bedeuten bei CAR-T-Zell-Patienten eine Indikation zur Immunglobulin-Substitution. Zahlreiche Fragen zu diesem Thema hatten die Teilnehmer des Symposiums „Sekundäre Immundefekte im Zeitalter zielgerichteter Therapien“ anlässlich des DGHO-Kongresses. Referent und CAR-T-Zell-Experte Prof. Daniel Wolff, Regensburg, hat diese im Nachgang beantwortet.
 
Textverlauf Fragen & Antworten Dr. Wolff, Regensburg.


 
* Chimärer Antigen Rezeptor
** Joint Accreditation Committee of ISCT and EBMT (JACIE). Das Joint Accreditation Committee ISCT-Europe & EBMT (JACIE) ist Europas einzige offizielle Akkreditierungsstelle im Bereich der hämatopoetischen Stammzelltransplantation (HSCT) und Zelltherapie. Sie fördert eine qualitativ hochwertige Patientenversorgung und medizinische und labortechnische Praxis durch ein fachlich geführtes, freiwilliges Akkreditierungssystem.
*** allogene Blutstammzelltransplantation, allogeneic peripheral blood stem cell transplantation (PBSCT)

Quelle: Takeda

Literatur:

(1) Hill JA, Blood 2018;131(1):121–130
(2) Cordeiro A et al., Biol Blood Marrow Transplant 2020, 26:26–33


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