Montag, 2. August 2021
Navigation öffnen
Anzeige:
Hexal Portfolio
Hexal Portfolio
 
Gesundheitspolitik von JOURNALMED.DE
05. März 2018

Zwei-Klassen-Medizin für alle?

Warum stellt eigentlich niemand die Forderung der SPD nach dem „Ende der Zwei-Klassen-Medizin“ in Frage? Die niedergelassenen Urologen des Netzwerks Uro-GmbH Nordrhein sehen die im Bundestagswahlkampf gestellt Forderung nach einer Bürgerversicherung in erster Linie als populistisches Thema.
Anzeige:
Digital Gesamt 2021
Digital Gesamt 2021
 
Der Begriff Zwei-Klassen-Medizin unterstellt, dass es im deutschen Gesundheitssystem zwei grundsätzlich unterschiedliche Klassen von Patienten, die PKV- und GKV-Patienten, gibt. Es wird vor allem suggeriert, dass die Patienten entsprechend ihrer Klassenzugehörigkeit unterschiedlich und die 1. Klasse der PKV-Versicherten deutlich besser als die 2. Klasse der GKV-Versicherten behandelt wird. „Diese Unterstellung ist jedoch völlig falsch“, meint der ärztliche Geschäftsführer der Uro-GmbH Nordrhein Dr. Michael Stephan-Odenthal. „Die Erkrankungen von Patienten machen keine Unterschiede zwischen PKV und GKV und die wissenschaftlichen Leitlinien zur Behandlung dieser Erkrankungen übrigens auch nicht. Die Medikamente, die Untersuchungen, die OP-Technik, die Hilfsmittel und Anderes werden für alle Patienten gleichermaßen eingesetzt.“ Als tatsächliche Unterschiede benennt er jedoch, dass bei GKV-Patienten nicht mehr der Arzt das Medikament, sondern nur noch den Wirkstoff bestimmen könne. Das Medikament würde von den gesetzlichen Krankenkassen bestimmt, die dazu völlig intransparent Rabattverträge abschließen. Gleiches geschehe mit Hilfsmitteln. „Bei GKV-Patienten bestimmt zudem nicht der Arzt, ob eine Untersuchung oder Behandlung von der Kasse übernommen wird, sondern allein das politische Gremium Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA).“ Der G-BA ließe sich dabei von einem eigens dazu gegründeten Institut (IQWIG) beraten, indem aber nur Ärzte tätig seien, die selbst keine Patienten behandelten. Poiltisch bestimmt und vor allem budgetiert seien auch die Honorare, die ein Arzt für die Behandlung von GKV-Patienten bekomme. All dies gelte bei PKV-Patienten nicht. „Wenn man also von Zwei-Klassen-Medizin sprechen möchte, dann gilt dies in erster Linie für ein freies System der PKV (1. Klasse) und ein politisch völlig überreguliertes und einschränkendes System der GKV (2. Klasse)“, verdeutlich Stephan-Odenthal die Meinung der Urologen. „Dafür verantwortlich sind aber nicht Ärzte und Therapeuten, sondern die Politik der letzten 20 Jahre.“ Waren die Honorare in GKV und PKV bis in die 1980er Jahre noch einigermaßen angeglichen, klafft die Honorarschere mit der Einführung der Budgets in den 90er Jahren im GKV-Bereich immer weiter auseinander. Vor dem Hintergrund, dass in einer überalternden Bevölkerung immer mehr Leistungen nachgefragt werden und mit der modernen Medizin immer mehr erreicht werden kann, wird unter Budgetbedingungen die einzelne Leistung im GKV-Bereich eben immer weniger Wert.
 
Dieser Prozess sei laut Uro-GmbH Nordrhein so weit fortgeschritten, dass von therapeutischer Seite viele Leistungen in der GKV nicht mehr kostendeckend erbracht werden können. Die einzig logische Konsequenz zu einer Angleichung wäre deshalb, vor allem die Budgets im GKV-Bereich aufzuheben. Daran glauben mag unter den Urologen aber niemand. Stattdessen sei eher damit zu rechnen, dass die Regulierungen im PKV-Bereich zunehmen werden und die Systeme angeglichen werden. Dies führt dann jedoch zu einer erheblichen Einschränkung der Leistungserbringung für alle Patienten. Aber immerhin dann für alle klassenlos gleich. Ob die Patienten respektive Wähler das wollen?

Quelle: Uro-GmbH Nordrhein


Das könnte Sie auch interessieren

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Zwei-Klassen-Medizin für alle?"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH - Geschäftsbereich rs media widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EHA 2021
  • SCD: Häufigere und längere VOC-bedingte Krankenhausaufenthalte nach Vorgeschichte von VOC-Hospitalisierungen – Ergebnisse einer Beobachtungsstudie
  • Real-World-Daten des ERNEST-Registers untermauern Überlebensvorteil unter Ruxolitinib bei primärer und sekundärer Myelofibrose
  • I-WISh-Studie: Ärzte sehen TPO-RAs als beste Option, um anhaltende Remissionen bei ITP-Patienten zu erzielen
  • Phase-III-Studie REACH2 bei steroidrefraktärer akuter GvHD: Hohes Ansprechen auf Ruxolitinib auch nach Crossover
  • SCD: Neues digitales Schmerztagebuch zur tagesaktuellen Erfassung von VOCs wird in Beobachtungsstudie geprüft
  • Französische Real-World-Studie: Eltrombopag meist frühzeitig nach ITP-Diagnose im Rahmen eines Off-label-Use eingesetzt
  • Fortgeschrittene systemische Mastozytose: Französische Real-World-Studie bestätigt klinische Studiendaten zur Wirksamkeit von Midostaurin
  • CML-Management weitgehend leitliniengerecht, aber verbesserungsfähig – Ergebnisse einer Querschnittsbefragung bei britischen Hämatologen
  • Britische Real-World-Studie: Kardiovaskuläres Risikomanagement bei MPN-Patienten in der Primärversorgung nicht optimal
  • Myelofibrose: Früher Einsatz von Ruxolitinib unabhängig vom Ausmaß der Knochenmarkfibrose