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Gesundheitspolitik von JOURNALMED.DE
05. Oktober 2017

Zukunft regionale Versorgung – Versorgungsforschung im Zentrum

Die Versorgungsforschung liefert Daten und Evidenz für innovative und sektorenübergreifende regionale Versorgungskonzepte. Solche Konzepte werden dringend gebraucht, um die Gesundheitsversorgung Deutschlands auch in ländlichen Gebieten in hoher Qualität zu erhalten und langfristig sicherzustellen. Zu diesem Schluss kamen Versorgungsforscher auf einem Pressegespräch zur Eröffnung des 16. Deutschen Kongresses für Versorgungsforschung (DKVF) in Berlin.
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Die Experten forderten die Entwicklung von übergreifenden Versorgungszielen und Versorgungsforschung als Grundlage für eine rationale und effektive Steuerung des Gesundheitswesens in Deutschland. Die Experten zeigten sich dankbar für mehrere Förderprogramme in jüngerer Zeit. Gezielte Fördermaßnahmen seien weiterhin nötig, um den steigenden Bedarf an qualitativ hochwertiger Versorgungsforschung zu decken und den wissenschaftlichen Nachwuchs in diesem Bereich zu stärken.
 
Das Gesundheitswesen in Deutschland steht vor großen Herausforderungen ‒ die Deutschen werden immer älter, gleichzeitig sinkt die Zahl von Fachkräften in der Krankenversorgung. Wie eine gute regionale Versorgung funktionieren kann, dafür gibt es mittlerweile Beispiele. So entwickeln und untersuchen Versorgungsforscher derzeit Lösungen für die ambulante Versorgung von DemenzpatientInnen in ihrer häuslichen Umgebung (DelpHi-MV Studie). „Befragungen der PatientInnen und ihrer Angehörigen ergaben, dass in über 80% der Fälle ein unerfüllter Versorgungsbedarf besteht“, erläuterte Prof. Dr. Wolfgang Hoffmann, Kongresspräsident des DKVF 2017. Delegationsmodelle, bei denen der betreuende Hausarzt oder die Hausärztin einen Teil der Aufgaben an eine speziell qualifizierte Fachkraft, die Dementia Care ManagerIn, abgibt, erweisen sich in diesem Umfeld als wirksam. Darüber hinaus sei eine leistungsfähige IT-Infrastruktur die Voraussetzung für eine gute regionale Versorgung.
 
„Die Versorgungsforschung ist ein wichtiger Partner für die Politik, sowohl bei der Ermittlung der Versorgungsbedarfe als auch bei der Evaluation und Planung der Versorgung. Ziel sollte es sein, die Versorgungsmodelle in die Praxis zu überführen“, sagte auch Harry Glawe, Minister für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit in Mecklenburg-Vorpommern und ergänzte: „In Mecklenburg-Vorpommern sind wir dabei neue Wege zu gehen, um die medizinische Versorgung im Flächenland bestmöglich umzusetzen.“ Auf dem DKVF 2017 werden einige der innovativen, in Mecklenburg-Vorpommern entwickelten Versorgungsmodelle vorgestellt.
 
Ein grundlegender Aspekt der regionalen Versorgung ist die Qualität und Sicherheit medizinischer Leistungen. „Die Gesundheitspolitik setzt immer stärker auf qualitätsorientierte Vergütungsformen, während die Einrichtungen der medizinischen Versorgung versuchen, ihre Qualität zu optimieren und mit den neuen Steuerungsinstrumenten zurechtzukommen“, erklärte Prof. Dr. Max Geraedts, Versorgungsforscher an der Universität Marburg. Geraedts: „Leider fehlt den in Deutschland eingeführten Maßnahmen zur Qualitäts- und Patientensicherheitsförderung ein konzeptioneller Rahmen und viele der Maßnahmen wurden noch nicht ausreichend im Hinblick auf ihre Effektivität und Effizienz beforscht.“ Zum Kongress veröffentlicht die Arbeitsgruppe Qualitäts- und Patientensicherheitsforschung im Deutschen Netzwerk Versorgungsforschung ein Memorandum, das die Methoden dieses Forschungszweigs und ihre korrekte Verwendung zusammenfasst.
 
Wie aber lassen sich konzeptionelle Defizite bei der Steuerung unseres Gesundheitswesens vermeiden? Das Deutsche Netzwerk Versorgungsforschung e.V. (DNVF) greift diese Frage in einem aktuellen Positionspapier auf. „Wir empfehlen darin als ersten Schritt die Entwicklung von Versorgungszielen zu drängenden Gesundheitsproblemen. Daraus ergeben sich konkrete Fragen an die Versorgungsforschung, die bearbeitet werden müssen“, sagte Prof. Dr. Edmund Neugebauer. Bei der Diskussion von Versorgungszielen, von Forschungsergebnissen und den sich hieraus abzuleitenden praktischen Konsequenzen sollten alle relevanten Akteure aus Wissenschaft, Versorgungspraxis, Politik und natürlich die Patienten beteiligt sein. Gebraucht werden außerdem Initiativen, die geeignet sind, die Qualität der Versorgungsforschung in Deutschland langfristig sicherzustellen, so Neugebauer. Dazu gehörten u.a. die Bereitstellung von Projektfördermitteln, z.B. durch eine Verstetigung des Innovationsfonds, sowie eine nachhaltige Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses in der ganzen Breite der Versorgungsforschung.
 
Der 16. Deutsche Kongress für Versorgungsforschung (DKVF) 2017

Der DKVF 2017 findet vom 04. bis 06. Oktober 2017 in Berlin statt. Unter dem Motto „Zukunft regionale Versorgung“ kommen Ärzte, Wissenschaftler und Vertreter aus Krankenkassen, Verbänden sowie der Gesundheitspolitik zusammen, um über die jüngsten Entwicklungen in der Versorgungsforschung zu diskutieren. Kongresspräsident und wissenschaftliche Leitung des Kongresses: Prof. Wolfgang Hoffmann, MPH, Universitätsmedizin Greifswald und Hauptgeschäftsführer des Deutschen Netzwerkes Versorgungsforschung e.V.

Mehr Informationen unter www.dkvf2017.de und www.netzwerk-versorgungsforschung.de

Quelle: Deutsches Netzwerk Versorgungsforschung e.V.


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