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Gesundheitspolitik von JOURNALMED.DE

15. Mai 2014 World Health Summit: "Zehn Minuten Bewegung täglich senken das Sterberisiko"

Prof. Dr. Detlev Ganten ist Facharzt für Pharmakologie und Molekulare Medizin und einer der weltweit führenden Experten für Bluthochdruck. Außerdem ist der Medizinforscher Präsident des World Health Summit (WHS), der jedes Jahr Fachleute aus aller Welt nach Berlin holt, um Lösungen für die Probleme globaler Gesundheitsversorgung zu finden. Der 6. WHS findet vom 19. - 22. Oktober 2014 im Auswärtigen Amt
statt.

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1. Herr Professor Ganten, Bluthochdruck ist die größte Gefahr für die Gesundheit, der größte Killer weltweit, zugleich aber ein massiv erforschtes Feld in der Medizin - warum sterben dann immer noch Millionen Menschen jedes Jahr an den Folgen von Bluthochdruck?

Die meisten messen leider viel zu selten ihren Blutdruck. Dabei ist das kinderleicht und geht sogar schneller als Fieber messen. Ein Blutdruck-Messgerät gehört in jeden Haushalt und jeder sollte seinen Blutdruck kennen. Wenn er zu hoch ist, das heißt der obere Wert liegt über 140 mmHG und der untere Wert über 90, sollte man auf jeden Fall zum Arzt gehen. Zu hoher Blutdruck belastet die Blutgefäße und die Adern platzen, häufig zum Beispiel im Gehirn. An Hirnschlag sterben viele Menschen. Dabei könnte man das in vielen Fällen vermeiden.

2. Was macht Bluthochdruck zu einem so großen Rätsel für Mediziner?

Wir wissen in über 80% der Fälle nicht, weshalb der Blutdruck ansteigt, wir sprechen dann von "primärer Hypertonie". Das liegt daran, dass das ganze System so kompliziert ist: Die Niere reguliert das Blutvolumen in den Gefäßen. Die wiederum werden durch Nerven und Hormone weit oder eng gestellt, denn Blutgefäße sind dehnbar. Das Herz pumpt das Blut dann entsprechend schneller oder langsamer durch die Arterien. Gesteuert wird das Ganze von Gehirn und Nerven. Und bei Stress gesellen sich noch Hirnanhangsdrüse und Nebenniere dazu. Es ist ein äußerst kompliziertes Zusammenspiel, das aus den Fugen geraten kann. Warum, wissen wir tatsächlich immer noch nicht genau.

3. Ist denn Bluthochdruck eindeutig auf Lebenswandel und Verhaltensweise zurückzuführen?

In vielen Fällen eindeutig ja! Jedes Kilo Übergewicht lässt den Blutdruck um 1mmHG ansteigen. Bei 20 Kg mehr auf den Rippen geht der Blutdruck also von 90 auf 110, das ist zu viel! Das bedeutet, Ernährung und Bewegung sind die zentralen Faktoren, den Blutdruck zu beeinflussen. Ein weiterer wichtiger Risikofaktor ist übrigens Dauerstress.

4. Was also sollen wir tun? Die WHO zum Beispiel empfiehlt jedem Erwachsenen, sich zweieinhalb Stunden in der Woche zu bewegen.

Ein sehr guter Ratschlag. Es muss allerdings noch nicht mal so viel sein und auch gar nicht unbedingt Sport. Jeder Schritt und jede Minute Bewegung helfen. In einer Studie wurde nachgewiesen, dass zehn Minuten Bewegung am Tag das Sterberisiko schon um fast 10% senken, bei 30 Minuten sind es sogar rund 20%. Das lohnt sich doch! Spazierengehen ist ja zudem eine angenehme Tätigkeit.

5. Sie plädieren dafür, regelmäßig Blutdruck zu messen - das Überwachen unserer Körperfunktionen ist ja gerade sehr in Mode: Apps kontrollieren Puls, Cholesterin, Kalorienverbrennung, sogar den Schlaf. Kann einen diese Selbstvermessung nicht geradezu krank machen?

Computer und Apps machen nicht gesund! Manchmal machen sie sogar krank und neurotisch, insbesondere wenn man gestresst und verrückt wird vor lauter Messerei und Angst vor den vielen Daten bekommt, die man nicht versteht und die sich beständig ändern. Ich finde es aber gut, wenn man gesundheitsbewußt die leicht messbaren Werte kennt und sich von einem Arzt dabei beraten lässt. Auch ich messe meinen Blutdruck und meinen Puls beim Joggen.

6. Sie sind ja nicht nur Experte für Hypertonie sondern als Präsident und Gründer des World Health Summit auch für Weltgesundheit: Ist Bluthochdruck eine reine Zivilisationskrankheit oder in allen Teilen der Welt gleichermaßen zu beobachten?

Ursprünglich hatten die Bevölkerungen in Südamerika, Afrika und Asien keinen Bluthochdruck, aber wir exportieren unsere Lebensweise und die industriell gefertigte Nahrung in diese Länder und verursachen damit Übergewicht, Diabetes und Bluthochdruck. Das sind die neuen Plagen der sogenannten Zivilisation. Auch darauf will der Welt Hypertonie Tag aufmerksam machen. In so wohlhabenden Ländern wie Deutschland müssen wir uns auch um die Gesundheit in den weniger privilegierten Regionen dieser Welt kümmern. Das machen wir auf dem Weltgesundheitsgipfel. Wir haben eine große Verantwortung.

Vom 19. - 22. Oktober 2014 findet der sechste World Health Summit im Auswärtigen Amt in Berlin statt. Er steht traditionell unter der Schirmherrschaft von Bundeskanzlerin Merkel und Frankreichs Staatspräsident Hollande.
Weitere Informationen zu Themen, Sprechern und Tickets:
http://phplist.charite.de/lists/lt.php?id=Z0gADkQABh8OA1E
 

Quelle: World Health Summit


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