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Keytruda Pantumor
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Gesundheitspolitik von JOURNALMED.DE
06. Oktober 2017
Seite 1/2

Weltweite "One size fits all"-Fortbildung ist schwierig

Die interprofessionelle Fort- und Weiterbildung von multidisziplinären medizinischen Teams ist wesentlich. Sie trägt zur Kompetenz- und Leistungssteigerung bei und kommt letztlich den Patienten zugute. Darüber waren sich alle Teilnehmer der sechsten Cologne Consensus Conference einig. Die Veranstaltung fand vom 14. bis 15.9.2017 in den Räumen der Bezirksstelle der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein in Köln statt.
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Volle Übereinstimmung bestand darin gleich, dass interprofessionelles Training immer dann nötig ist, wenn es um die reibungslose, schnelle Zusammenarbeit von verschiedenen medizinischen Professionen geht. Obgleich die interprofessionelle Fortbildung von Ärzten und medizinischem Fachpersonal in manchen Ländern weiterverbreitet ist als in Deutschland, ist eine Übertragung der auf dem Kongress vorgestellten Fortbildungsmodelle von einem Land zum anderen schwierig, aber nicht unmöglich. Die internationalen Gesundheitssysteme und ihre Berufsstrukturen sind aber derart unterschiedlich reguliert, dass gemeinsame „one-size-fits all“-Fortbildungsmodelle für alle Berufsgruppen oder gar deren weltweite Akkreditierung derzeit als problematisch erscheinen.

Selbstverständlich ist auch in Deutschland interprofessionelles Agieren zwischen Ärzten und anderem medizinischen Fachpersonal weitverbreitet. „Interprofessionelle Fortbildung oder gemeinsames Lernen ist immer sinnvoll in allen medizinischen Situationen, in denen zusammengearbeitet wird, beispielsweise in der Notfallversorgung, Kommunikation oder Deeskalation“, sagte Prof. Dr. med. Reinhard Griebenow, Vorstandsvorsitzenden der European Cardiology Section Foundation (ECSF) in seiner Eröffnungsrede. „Immer dann, wenn es schnell und simultan gehen muss wie bei einer Reanimation oder im Rettungswagen, ist es völlig klar, dass die Abläufe nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch geübt werden müssen.“ Je dringlicher die Situation sei, desto praktischer müsse die interprofessionelle Fortbildung die jeweiligen Berufsgruppen zusammenbringen. Aber das setze nach Ansicht von Griebenow auch voraus, dass eine genaue Definition vereinbart wird, an welcher Stelle gemeinsame Inhalte und Aktivitäten stattfinden. Wichtig sei auch, dass die jeweilige professionelle Identität gewahrt bleibt. „Aber interprofessionelle Fortbildung muss den ethischen Prinzipien folgen, wie sie die WHO oder der Weltärztebund (WMA) fordert. Die Basis muss die evidenzbasierte Medizin bilden.“ Zur Qualitätssicherung könnten die Akkreditierer wie die ECSF oder EBAC ins Spiel kommen und Standards setzen. EBAC akkreditiert jedoch derzeit keine Interprofessionelle Continuing Education (IPCE), darauf wies Dr. Robert Schäfer, Vorsitzender der European Board for Accreditation in Cardiology (EBAC) hin. Ihm sei keine europäische Partnerakkreditierungsstelle bekannt, die auf europäischer Ebene beispielsweise gemeinsame IPCE für Krankenpflegekräfte oder Pharmazeuten akkreditiert. Natürlich könnte EBAC die Lücke füllen, aber “EBAC bietet Akkreditierung für Ärzte durch Ärzte“, sagte Dr. Robert Schäfer. Andere Modelle könnten daher vielleicht als Einmischung in die Fortbildung anderer Gesundheitsberufe missverstanden werden. „Dennoch müssen wir hier intensiv nach einer Lösung suchen, denn die aktuelle Situation ist für Fortbildungsanbieter, die teilweise mühsam nach einer Möglichkeit zur Zertifizierung interprofessioneller Fortbildung suchen müssen, sehr unbefriedigend und schadet damit auch dem Ruf der Akkreditierer“, so Schäfer.

Interprofessionelle Fortbildung im Medizin-Studium geschätzt: Gründung einer Fakultät?

Der Kongress machte deutlich: International und auch in Deutschland werden die Vorteile der interprofessionellen Fort- und Weiterbildung besonders bei den Medizinstudierenden gesehen, teilweise auch schon in der vorklinischen Zeit. In Deutschland sieht der kürzlich verabschiedete Masterplan 2020 für die Reformierung des Medizinstudiums bereits interprofessionelle Ausbildungsinhalte vor. „In welcher Form interprofessionelle Kurse und Veranstaltungen im Medizin-Studium angeboten werden und welche Berufsgruppen integriert werden, steht derzeit noch nicht fest und muss ausgearbeitet werden“, führte Griebenow aus. Interprofessionalität in der Ausbildung von Gesundheitsberufen sei essenziell, aber die Abläufe müssten praxisorientiert für die jeweilige gemeinsame Interaktion gestaltet sein. Ein bloßes Nebeneinandersitzen im Seminar von angehenden Ärzten und anderen Berufsgruppen des Gesundheitswesens erscheine nicht sinnvoll, so Griebenow. Die Einrichtung einer Fakultät für interprofessionelles Lernen in der Medizin wie sie beispielsweise in England existiert, sei erstrebenswert, damit ein guter Lernerfolg erzielt wird. Das wurde durch den Vortrag von Prof. Dr. Susanne Lindquist, Direktorin der Norwich Medical School Centre for Interprofessional Practice in England deutlich.

Große internationale Unterschiede beim Gesundheitswesen und ihren Berufsausbildungssystemen

Die Vorträge aus dem Ausland waren sehr erkenntnisreich, machten aber auch deutlich: So unterschiedlich weltweit die Gesundheitssysteme sind, so unterschiedlich sind die verschiedenen medizinische Berufe und Ausbildungswege in anderen Ländern strukturiert. So sind beispielsweise in den USA, Kanada, Niederlanden und Großbritannien viele medizinische Fachberufe akademisiert, da hier das duale Ausbildungssystem wenig verbreitet ist. Die Gesetze in diesen Ländern erlauben studierten, teils promovierten Medizinberufsangehörigen weitreichendere, eigenverantwortliche medizinische Handlungsmöglichkeiten als in Deutschland. Das deutsche Recht sieht aber vor, dass bestimmte medizinische Maßnahmen nur approbierten Ärzten vorbehalten oder lediglich unter Aufsicht delegierbar sind. Verglichen mit dem Ausland wird dementsprechend die interprofessionelle Fortbildung für Ärzte, Apotheker, Physician Assistants (Arztassistenten), Optometristen, Gesundheits- und Krankenpfleger, Hebammen und viele andere medizinisch-soziale Fachberufe ganz anders gehandhabt. „Für den niederländischen Physician Assistant mit Masterabschluss gibt es natürlich eine Fortbildungsverpflichtung. Aber in Deutschland werden der Physician Assistant und seine Aufgaben anders definiert, wie der Vortrag von Prof. Heistermann von der Fliedner University of Applied Sciences, Düsseldorf, deutlich machte. „Daraus leitet sich auch eine andere Fortbildung ab“, entgegnet Griebenow. Studierte Physician Assistants übernehmen in Deutschland ausschließlich ärztlich delegierbare Aufgaben. Sie gehören zwar per Definition einem medizinischen Fachberuf an, sie haben einen Bachelor-Abschluss, aber es gibt keine gesetzliche Berufsordnung oder einen geschützten Berufstitel.
 
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