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Gesundheitspolitik von JOURNALMED.DE
01. September 2016

"Weißbuch Gelenkersatz" analysiert Entwicklung der Eingriffszahlen

Stabile Fallzahlen, hohe Indikationstreue, lange Standzeiten, weniger Infektionen: Die Behandlungsqualität von Hüft- und Kniegelenkersatz-Operationen hat in Deutschland ein hohes Niveau erreicht. Erstmalig hat das IGES-Institut im jetzt vorgelegten "Weißbuch Gelenkersatz" Zahlen zur Versorgungssituation veröffentlicht. "Betrachtet man die Entwicklung der Eingriffszahlen und der von den Operateuren gestellten Indikationen, zeigt sich, dass in Deutschland keineswegs zu viel operiert wird", so BVMed-Geschäftsführer und Vorstandsmitglied Joachim M. Schmitt.

Im Jahr 2014 haben 370.000 Patienten ein neues Hüft- oder Kniegelenk erhalten. Das sind nicht mehr als 2009, denn die Operationszahlen sind stabil. Auch die Komplikationen bei Ersteingriffen sind rückläufig. Sie kommen beim Hüft- und Kniegelenkersatz nur bei 2,7 bzw. 1,9% der Operationen vor. "Die Zahlen zeigen, dass unsere Operateure indikationsgerecht operieren, die Frühkomplikationsrate gesenkt werden konnte und die Implantate länger halten", fasst Prof. Dr. Heiko Reichel, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), die Ergebnisse zusammen. Die Indikation zum Gelenkersatz wird heute anhand des Röntgenbefundes, des Schmerzgrades, der Bewegungseinschränkungen und des damit verbundenen Verlustes an Lebensqualität gestellt. Grundsätzlich, so Reichel, gelte es, erst konservativ zu behandeln und so spät als möglich an Gelenkersatz zu denken. Laut Reichel greifen die Maßnahmen zur Qualitätssicherung. Speziell das Zertifizierungssystem EndoCert und das Endoprothesenregister würden sich hier in Zukunft noch sehr positiv auswirken.

Die endoprothetische Hüft- oder Knieoperation ist eine wirksame Therapie für Patienten mit erheblicher, dauerhaft eingeschränkter Funktionalität des Gelenkes aufgrund von Destruktion und Schmerzen, die anders nicht mehr behandelbar sind, sowie für die Behandlung gelenknaher Frakturen. Die verschiedenen Gelenkersatzverfahren sollen eine gute Funktionalität, Belastbarkeit und Lebensqualität wiederherstellen.

Stabile OP-Häufigkeiten in der Hauptpatientengruppe

Rund 40% der endoprothetischen Hüft- oder Knieersteingriffe fallen in die Altersgruppe 70 bis 79 Jahre. Frauen sind insgesamt häufiger betroffen als Männer. Sowohl für die Hüfte als auch für das Knie haben die OP-Häufigkeiten bei den über 70-Jährigen seit 2007 nicht zugenommen. Jährlich erhalten ein Prozent der über 70-Jährigen ein neues Hüftgelenk und rund 0,7% einen Kniegelenkersatz.

Künftig sei allerdings nach Einschätzung der am Weißbuch beteiligten Experten wieder mit einem Anstieg an Hüft- bzw. Kniegelenk-Endoprothesen zu rechnen. Dies sei insbesondere in der demografischen Entwicklung und der damit verbundenen Zunahme degenerativer Gelenkerkrankungen in der Bevölkerung begründet. Um diese Herausforderung bewältigen zu können, seien die weitere Verbesserung der Prozessqualität und zusätzliche sektorenübergreifende, patientengruppenorientierte Versorgungskonzepte unerlässlich.

Zum Weißbuch

Das "Weißbuch Gelenkersatz", das vom IGES-Institut im Auftrag des BVMed verfasst wurde, fasst erstmals alle wissenschaftlichen Daten zum Hüft- und Kniegelenkersatz in Deutschland zusammen und liefert begleitende Experteneinschätzungen. Es kann unter www.bvmed.de/factsheet-gelenkersatz kostenfrei heruntergeladen werden.

Quelle: BVMed - Bundesverband Medizintechnologie


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