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Gesundheitspolitik von JOURNALMED.DE
20. Dezember 2012

Weg für mehr Ärzte gegen den Medizinermangel soll frei werden

Zehntausende Ärzte stehen vor dem Ruhestand. Vor allem auf dem Land reißen Lücken auf. Paradoxerweise können Ärzte dort heute vielfach gar nicht neu zugelassen werden. Nun soll eine neue Planung her.

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Gegen den drohenden Ärztemangel auf dem Land soll eine neue Planung für das Netz niedergelassener Mediziner helfen. Das höchste Gremium im deutschen Gesundheitswesen, der Gemeinsame Bundesausschuss, will dafür heute (Donnerstag) eine entsprechende Richtlinie ändern. Damit soll die Zulassung vor allem von mehr Hausärzten in Mangelregionen ermöglicht werden. Alarm schlugen unmittelbar vor der Sitzung die Psychotherapeuten: Sie fürchten, dass in ihrem Bereich neue Probleme entstehen.

  Im Anschluss an die Sitzung des Gremiums von Krankenkassen, Ärzten und Kliniken soll die Ärzte-Planung der Öffentlichkeit vorgestellt werden (15.00 Uhr). Bereits Anfang September hatte der Bundesausschuss in einem ersten Schritt einen sofortigen Zulassungsstopp für bestimmte Arztgruppen verhängt. Sie betrifft hoch spezialisierte Ärzte wie Strahlentherapeuten, die heute weitgehend ohne Beschränkung Praxen etwa in den Städten aufmachen können. Im Gegenzug sollen neue Niederlassungsmöglichkeiten etwa für Hausärzte geschaffen werden.

  Anders als bei Spezialärzten gibt es bei Haus- und Kinderärzten heute nur wenige Zulassungsmöglichkeiten, obwohl sie in vielen ländlichen Gebieten gesucht werden. Grund: Die Planungsregionen für Arztsitze - die 372 Kreise und kreisfreien Städte - gelten als zu groß. Künftig sollen für die Haus- und Kinderärzte die Planungsbezirke bei Bedarf in bis zu 879 Mittelbereiche geteilt werden. Nach Angaben der Kassenärztlichen Bundesvereinigung gehen über 40 000 Haus- und Fachärzte binnen fünf Jahren in den Ruhestand.

  Die Bundespsychotherapeutenkammer zeigte sich alarmiert. "Über 6000 psychotherapeutische Praxen sind bedroht", sagte Präsident Rainer Richter der Deutschen Presse-Agentur. "Es gibt heute knapp 21 600 psychotherapeutische Praxen», erläuterte Richter. 1300 Sitze sollten nun voraussichtlich neu geschaffen werden. Der Fehler sei allerdings, dass das nicht auf Basis der aktuellen Zahl, sondern eines Stichtags 1999 berechnet werde. Damals habe es nur 13 800 Sitze für Psychotherapeuten gegeben - so dass die Planung faktisch auf deutlich weniger Praxen hinauslaufe als derzeit existierten.

"Wenn mit überholten Zahlen gearbeitet wird, ist Deutschland auf dem Papier flächendeckend überversorgt", kritisierte Richter. "Dabei sollte die Planung laut Gesetz anhand sachgerechter Kriterien erfolgen, nicht anhand irgendwelcher Stichtage. Wir sind sehr unzufrieden."

  Auch viele Psychotherapeuten seien kurz vor dem Ruhestand. "Ein Viertel unserer Mitglieder ist über 60 Jahre alt und 60 Prozent sind über 50 Jahre."

  Die Therapeutenkammer halte 50 bis 60 Psychotherapeuten pro 100 000 Einwohner in Großstädten für angemessen. Der Bundesausschuss gehe von einem Wert von nur 32,5 aus. "Wir sind nicht gegen den Abbau von Überversorgung", versicherte Richter. "Die mag es in einigen Städten durchaus geben." Aber das müsse anhand vernünftiger Kriterien beurteilt werden. Bereits heute hätten Patienten eine Wartezeiten von durchschnittlich 12,5 Wochen auf einen Therapieplatz in Deutschland.


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