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Gesundheitspolitik von JOURNALMED.DE

22. Mai 2014 Viele neue Medikamente ohne starken Mehrwert für Patienten

In neue Arzneimittel werden viele Hoffnungen gesetzt. Patienten und Ärzte versprechen sich bessere Hilfe, die Hersteller auch neue Gewinnchancen. Doch nicht immer werden die Hoffnungen auch erfüllt. Nur knapp jedes fünfte neue Arzneimittel hat laut offizieller Prüfung einen starken Mehrwert für die Patienten gegenüber bereits gängigen Arzneimitteln. Von 73 Präparaten, die bisher nach den Anfang 2011 eingeführten Regeln bewertet wurden, erkannten die Prüfer bei 14 einen beträchtlichen Zusatznutzen. Das geht aus einer Bilanz des zuständigen höchsten Gremiums im Gesundheitswesen hervor, des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA). Sie lag der Nachrichtenagentur dpa in Berlin vor.

Bei 23 Medikamenten sahen die Prüfer zudem einen geringen, bei 6 einen nicht bestimmbaren Mehrwert. Somit helfen knapp zwei von drei neuen Präparaten den Patienten mehr als zuvor gängige Mittel. Es handelt sich unter anderem um Medikamente gegen Diabetes, Bluthochdruck oder Krebs.

Die Vorgaben für die Prüfungen kamen von der schwarz-gelben Arzneireform AMNOG. Nur was wirklich mehr bringt, soll auch mehr kosten dürfen. Die Bewertungen des Bundesausschusses sind Basis für die Verhandlungen zwischen Krankenkassen-Spitzenverband und Herstellern über den Erstattungspreis für die Kassen. Die Pharmaindustrie hatte immer wieder kritisiert, das AMNOG gefährde Innovationen.

Gar keinen Zusatznutzen sahen die Prüfer bei 27 Mitteln. Dies ist die Basis dafür, dass die Medikamente bald bestehenden Höchstgrenzen bei der Erstattung unterworfen werden. Direkt ohne weitere Bewertung solchen Höchstgrenzen unterworfen wurden zudem 3 Mittel.

Die vfa-Hauptgeschäftsführerin Birgit Fischer entgegnete, dass an der Funktionsfähigkeit dieses "Filters" berechtigte Zweifel bestünden. Denn mit dem Kassen-Spitzenverband seien im Bundesausschuss bereits jene bei der Bewertung beteiligt, die anschließend die Preise nach der Höhe des Nutzens verhandeln, sagte sie der dpa. "Bei der Nutzenbewertung wird der Filter nicht im Interesse des medizinischen Fortschritts für Patienten eingesetzt, sondern wird instrumentalisiert, um niedrige Preise zu erzielen." Mehr Objektivität gäbe es, wenn bei den Entscheidungen im Bundesausschuss auch Vertreter aus der Wissenschaft beteiligt würden, also etwa der Zulassungsbehörden oder betroffener medizinischer Fachgesellschaften.

Die Prüfungen durch das AMNOG erfolgen erst nach der Zulassung. Hierbei werden neue Mittel zunächst nach Sicherheit, Wirksamkeit und Qualität beurteilt. Bei den Bewertungen des Bundesausschusses geht es hingegen um die Beurteilung des Mehrwerts gegenüber bisherigen Vergleichstherapien mit dem Ziel, hohe Preise für nicht innovative Mittel zu verhindern. Hecken wies die Forderung des vfa zurück.

Ob die Prüfverfahren bleiben, wie sie sind, hat Brisanz für die Zukunft. Laut Hecken kommen viele Arzneimittel bald neu auf den Markt, die dann den Verfahren unterworfen werden. "Viele neuen Wirkstoffe stehen kurz vor der Marktreife", sagte er. "Gleichzeitig sind die Gewinnerwartungen der pharmazeutischen Industrie hoch."


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