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Gesundheitspolitik von JOURNALMED.DE
07. Juni 2016

Versorgungsatlas: Deutsche werden in der Zukunft mehr ärztliche Arbeitszeit benötigen

Die deutsche Bevölkerung wird älter und konzentriert sich zunehmend in Städten. Was das für die medizinische Versorgung bedeutet, haben Wissenschaftler vom Versorgungsatlas erstmals auf der Basis einer neu entwickelten Modellrechnung für die rund 400 Kreise und kreisfreien Städte in Deutschland ermittelt. Der Index zeigt, mit welcher zusätzlichen zeitlichen Beanspruchung der niedergelassenen Ärzte aufgrund des demografisches Wandels in den nächsten 20 Jahren zu rechnen ist.

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Urologen, Augenärzte, Fachinternisten und Hausärzte führen die Liste jener Facharztgruppen an, die in den kommenden Jahren bis 2020 und bis 2035 zeitlich stärker von Patienten beansprucht werden dürften als im Vergleichsjahr 2012. Im Bundesdurchschnitt wird die Beanspruchung der Urologen um 23% steigen, jene der Augenärzte um 20 und die der Fachinternisten um 15%. Für Hausärzte erwarten die Wissenschaftler vom Versorgungsatlas eine zusätzliche Beanspruchung von durchschnittlich 9 Prozent. "Unsere Modellrechnung ist eine Möglichkeit, die zusätzliche Beanspruchung von Vertragsärzten abzuschätzen, die sich aufgrund der demografischen Entwicklung im Vergleich zu heute ergibt", erklärt Dr. Mandy Schulz, die Erstautorin der Studie "Zukünftige relative Beanspruchung von Vertragsärzten - Eine Projektion nach Fachgruppen für den Zeitraum 2020 bis 2035".

Die Projektion zeigt eine erhöhte Beanspruchung von Facharztgruppen, die hauptsächlich an der Behandlung älterer Menschen beteiligt sind. Ebenso resultiert daraus eine im Vergleich zu heute verminderte künftige Beanspruchung von Kinderärzten und Frauenärzten. "In jedem Fall führt der neue Index vor Augen, dass heutige Vorstellungen davon, welche Regionen über- oder unterversorgt sind, mit Blick auf die nahe Zukunft auf den Prüfstand gehören. Das gilt besonders dann, wenn zusätzlich berücksichtigt wird, dass der medizinische Fortschritt immer mehr ambulante Behandlungen möglich und immer weniger Krankenhausbehandlung notwendig macht", kommentiert Dr. Dominik von Stillfried, Geschäftsführer des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung, die Studie.

Die Ursachen der Unterschiede

Der demografische Wandel in Deutschland vollzieht sich nicht einheitlich. Die wirtschaftlich starken Zuwanderungsregionen locken vor allem Jüngere an. Der Anstieg des Durchschnittsalters fällt dort geringer aus und wird ein paar Jahre in die Zukunft verschoben. Auf der anderen Seite stehen Abwanderungsregionen, die durch eine unterdurchschnittliche Wirtschaftskraft gekennzeichnet sind und zum Teil erheblich an Bevölkerung verlieren werden.

In den Zuwanderungsregionen wird der Bedarf an vertragsärztlichen Leistungen vor allem aufgrund der steigenden Einwohnerzahlen generell steigen. Setzt dann die demografische Alterung dieser Bürger ein, wachsen die Ansprüche an die ärztliche Versorgung erneut. Dies gilt etwa für den Großraum München, den Großraum Berlin, sowie Regionen um Hamburg, Bonn, Frankfurt und Trier. Auch Regionen in West-Niedersachsen sowie in Teilen Baden-Württembergs (z.B. Freiburg, Konstanz und Ravensburg) werden davon betroffen sein.

In Abwanderungsregionen steigt der Altersdurchschnitt der Bevölkerung nach heutigen Vorausberechnungen stark an, da die jüngeren Menschen wegziehen. "Die Älteren in diesen Regionen werden mehr Arztzeit je Patient benötigen", sagt Dr. Jörg Bätzing-Feigenbaum, Leiter des Versorgungsatlas. Nur wenn die Bevölkerungszahlen sehr stark sinken, was Experten insbesondere in Teilen der neuen Bundesländer erwarten, kann in einigen Regionen trotzdem der Bedarf an Arztzeit in der ambulanten Versorgung insgesamt zurück gehen.

Quelle: Zentralinstitut für die Kassenärztliche Versorgung in Deutschland


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