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Gesundheitspolitik von JOURNALMED.DE
17. Juli 2013

Verband: Suchttherapiezentren von Schließung bedroht

Vor einem Verlust von Therapieplätzen in Deutschland hat der Bundesverband für stationäre Suchthilfe gewarnt. "Kaum eine Sucht-Rehaklinik schreibt derzeit schwarze Zahlen", sagte Geschäftsführer Andreas Koch im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa. Der Verband mit Sitz in Kassel vertritt rund 160 von knapp 300 Rehabilitationseinrichtungen für Alkoholkranke, Internet-, Spiel- oder Drogensüchtige. Derzeit gibt es nach Angaben des Verbandes bundesweit etwa 14.000 stationäre Therapieplätze.

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Warum stehen so viele Reha-Einrichtungen vor dem Aus?

Die Ausgaben für die Reha und damit auch die Suchttherapie sind seit 1996 bei der Rentenversicherung gedeckelt mit leichten Aufschlägen. Über die Zeit ist der Bedarf aber gestiegen, und wegen des demografischen Wandels gibt es bis 2025 einen gewaltigen Reha-Bedarf. Die Rentenversicherung hat das Geld und würde gern mehr ausgeben, darf es aber wegen des Reha-Deckels nicht.

Warum ist die Suchthilfe bei der Rentenversicherung angesiedelt?


Die Rentenversicherung investiert das Geld mit dem Ziel, die Suchtkranken zurück in die Arbeitswelt zu bringen. Das ist sinnvoll, weil damit auch neue Beitragszahler entstehen.

Viele andere rufen ebenfalls nach mehr Geld. Warum sollte ausgerechnet die Suchthilfe mehr bekommen?

Der Nutzen der Rehabilitation ist enorm. Es geht um die Wiederherstellung von Lebensqualität und die Wiedereingliederung ins Erwerbsleben. Wir sorgen auch dafür, dass wir nicht zu wenige Fachkräfte haben. Nach einer Studie der Prognos AG bringt ein Euro, der in die Sucht-Reha investiert wurde, fünf Euro für die Volkswirtschaft. Außerdem sind bei Suchtkranken auch Angehörige, Familien und Kinder mitbetroffen. Man könnte mit vergleichsweise wenig Geld enormen Nutzen stiften. Wir können nachweisen, dass gerade die Sucht-Reha einen Beitrag leisten kann, Leute wieder ins Arbeitsleben zu bringen oder dort zu halten.

Wie viel Geld bräuchten Sie denn?


Wir wollen, dass es bedarfsgerecht mehr wird. Eine Anhebung des Reha-Deckels um fünf bis zehn Prozent, etwa 200 bis 300 Millionen Euro, würde uns etwas Luft verschaffen. Man bedenke: Das sind keine zusätzlichen Zuschüsse aus dem Bundeshaushalt. Die Rentenversicherung hat das Geld.

Was geschieht, wenn nichts passiert?


Durch die Bundestagswahl entsteht eine Verzögerung. So könnte die Deckelung frühestens in ein bis zwei Jahren aufgehoben werden. Bis dahin sind viele Sucht-Reha-Maßnahmen vielleicht nicht mehr möglich, denn immer mehr werden die Sucht-Rehakliniken schon jetzt durch andere Bereiche quersubventioniert. Aktuell denken fünf Kliniken darüber nach zu schließen.


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