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Gesundheitspolitik von JOURNALMED.DE
10. März 2021

Urologen: Pandemie zeigt Prioritäten der Politik

Hygienekosten, Impfprioritäten und Schutzschirme – für die nordrheinischen Urologen der Uro-GmbH Nordrhein zeigt sich nach einem Jahr unter Pandemiebedingungen die Ungleichbehandlung von Kliniken und ambulanten Praxen durch die Politik deutlich. Sie malen zugleich ein Zukunftsszenario, dass bei gleichbleibendem politischem Kurs in einem Land mit überalterter Bevölkerung und ebenso überaltertem medizinischen Personal schon in 5 bis 10 Jahren gewaltige Probleme für die medizinische Versorgung auf heutigem Niveau verursacht. Dies würde zwangsläufig irgendwann zur Verstaatlichung der ambulanten Medizin führen, die jetzt schon als Bürgerversicherung von einigen politischen Akteuren verklausuliert wird.
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Schon zu Beginn der Pandemie zeigte sich laut Dr. Stephan-Odenthal, Geschäftsführer der Uro-GmbH Nordrhein und Landesvorsitzender des Berufsverbandes der Urologen, die unterschiedliche Priorisierung von Klinken und Praxen durch die Politik. Planbare Behandlungen wurden ambulant wie stationär verschoben, um Ressourcen für eine Infektionswelle frei zu halten. Ab Ende April unterstützte die Politik richtigerweise unter anderem den Aufbau von Intensiv-/Beatmungs-Kapazitäten in den Kliniken mit 50.000 €/ Beatmungsbett und glich verschobene Elektiv-Operationen in den Kliniken mit bis zu 350€/Tag aus. Auch im ambulanten Bereich wurde ein „Schutzschirm“ eingerichtet. In Nordrhein gab es im Frühjahr 2020 eine Umsatzgarantie von 90% im Vergleich zum gleichen Quartal des Vorjahres für Leistungen aus dem Regelleistungsvolumen und extrabudgetäre Leistungen. Allerdings sollte sie mit anderen Finanzhilfen – im Unterschied zu anderen Wirtschaftsbetrieben – verrechnet werden. Jüngst wurde eine Fortsetzung des Schutzschirms zunächst nur für Leistungen des Regelleistungsvolumens garantiert. Extrabudgetäre Leistungen sollen jedoch aus den Rückstellungen der regionalen KVen bezahlt werden. Unter dem Strich bedeutet dies, dass die niedergelassenen Ärzte Ihren „Schutzschirm“ selber im Sinne eines innerärztlichen Solidaritätsfonds zahlen. Gleichzeitig stiegen die Preise für einfachste Hygieneschutzmittel um das 3 bis 5-fache an und mussten von den Praxen auf eigene Kosten beschafft werden. „Doch Forderungen an die Kassen, nun die seit Jahren steigenden Hygienekosten auszugleichen, werden ausgerechnet in der Pandemie weiter hartnäckig ignoriert“, verdeutlicht Dr. Stephan-Odenthal.

Im Herbst mit der Impfstoffzulassung setzt sich die Ungleichbehandlung weiter fort: Bei wesentlich zu knappen Impfstoffmengen wurde richtigerweise eine Priorisierung festgelegt: Zuerst Menschen mit dem höchsten Risiko für einen schweren Verlauf der COVID19-Erkrankung, dann sollten vor allem diejenigen geschützt werden, die jeden Tag mit infizierten und potentiell infizierten Patienten umgehen. „Nun sind die Hochbetagten in den Seniorenheimen durchgeimpft, die Mehrzahl der 80-jährigen in Deutschland hat mindestens einen Impftermin und Mitarbeiter in Kliniken werden geimpft“, zählt Dr. Stephan-Odenthal auf. „Ärztinnen und Ärzte in der Praxis allerdings werden in der neuesten politisch erlassenen Impfverordnung erst in der 2. Kategorie priorisiert.“ Dabei sei das Infektionsrisiko in der Praxis genauso hoch wie in der Klinikambulanz. Unter logischen Gesichtspunkten sogar bei einem Zahnarzt, HNO-Arzt oder Lungenfacharzt in der Praxis deutlich höher. Auch in urologischen Praxen ist mit der notwendigen körperlichen Untersuchung und bei invasiven Maßnahmen ein Selbstschutz durch Maskentragen nur bedingt möglich. Zudem versorgen viele Urologinnen und Urologen regelmäßig Altenheime und haben damit ein ähnlich hohes Risiko wie Pflegekräfte. Die verantwortlichen Politiker jedoch schweigen.

Ein Jahr unter Pandemiebedingungen zeige für die Uro-GmbH Nordrhein deutlich, was sich schon seit Jahren abzeichnet: Obwohl die Arztpraxen in Deutschland den bei weitem größten Anteil der medizinischen Versorgung leisten, gibt es eine klare politische Priorisierung zum Vorteil der Kliniken. Man gewinne gar den Eindruck, dass die Praxen der Politik bis hin zum Schutz der Gesundheit der dort Tätigen egal seien. Für die Zukunft der medizinischen Versorgung in Deutschland sei das aufgrund der Altersstruktur fatal. Die Folgen sind schon heute aus den Zahlen zur Bevölkerungsentwicklung mathematisch berechenbar und trotzdem lege die Politik offensichtlich keinen Wert auf ambulante Medizin durch selbständige Ärztinnen und Ärzte. Die logische Konsequenz: Desinteresse an ambulanter Medizin, Aushöhlung der Selbstverwaltung und damit keine langfristige Sicherstellung der medizinischen Versorgung. Diese müssten dann die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen. „Dass dann alles besser und vor allem billiger wird, kann bezweifelt werden. Für Ärztinnen und Ärzte werden jedoch als Angestellte des Staates oder der Kassen sichere Zeiten anbrechen. Die Nachfrage nach Ärztinnen und Ärzte wird groß sein, die Gehaltsforderungen werden durchsetzbar sein, geregelte Arbeitszeit, kompensierter Krankheitsausfall, Urlaubsgeld, kein betriebswirtschaftliches Risiko und keine Organisationsverantwortung mehr. Die Gesundheitspolitiker sollten sich im Superwahljahr die Folgen ihrer bisher falschen Politik noch einmal genau überlegen“, schließt Dr. Stephan-Odenthal.

Quelle: Uro GmbH Nordrhein


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