Sonntag, 18. April 2021
Navigation öffnen
Anzeige:
Vectibix
Gesundheitspolitik von JOURNALMED.DE
10. Februar 2015

Universität Rostock:"Altern im Beruf – (k)eine Option?"

Soll Arbeit im Alter zur Regel werden? „Deutschland braucht mehr Fachkräfte“, sagt Prof. Dr. Thusnelda Tivig, Leiterin des Departments „Altern des Individuums und der Gesellschaft“ der Interdisziplinären Fakultät der Universität Rostock in der Veranstaltung Denkwerkstatt Demografie des Rostocker Zentrums zur Erforschung des demografischen Wandels. Für die Volkswirtin ist es unumstritten, dass „die Arbeitskraft älterer Menschen eine Kompensationsmöglichkeit für sinkende Nachwuchszahlen darstellt, auf die wir nicht verzichten können.“

"Altern im Beruf - (k)eine Option?" Die herkömmliche Vorstellung sei, so Tivig, "dass der längere Verbleib im Beruf von den Arbeitsbedingungen abhängt, allen voran der Belastung im Job". Das vielerwähnte Beispiel des Dachdeckers scheine das bestens zu veranschaulichen."Neuere Untersuchungen zeigen jedoch, dass die Vorstellung irreführend ist", kommentiert die Forscherin.

"Anders als erwartet, erweisen sich auch Berufe mit hoher physischer und psychischer Belastung als für Ältere gut geeignet. Unsere Studien belegen das für Gesundheits- und Pflegeberufe, wie Krankenschwester oder Helfer in der Krankenpflege." Der Verbleib in diesen Berufen im Alter 55 ist überdurchschnittlich, die Abgangsrate im Alter 60-64 Jahre ist in den letzten Jahren stark gesunken. Bankfachleute und Buchhalter hingegen, deren Belastung im Beruf als niedrig eingestuft wird, verbleiben im Alter 55 nur unterdurchschnittlich lange im Beruf und weisen eine weit höhere Abgangsrate aus dem Beruf vor dem gesetzlichen Renteneintrittsalter auf. Mehr noch: In die hoch belastenden Gesundheits- und Pflegeberufe gibt es auch im Alter über 45 Jahre noch Nettozuwanderung, in den Beruf der Bankfachleute hingegen nicht.

Eine mögliche Erklärung für die kontraintuitiven Ergebnisse könnte im Falle der Gesundheits- und Pflegeberufe die hohe Teilzeitquote sein. Sie liegt in diesen von Frauen dominierten Berufen bei 40 bis 50%. "Physische und psychische Belastungen lassen sich bei Teilzeitarbeit besser verkraften und die kumulierte Belastung über den gesamten Erwerbsverlauf fällt niedriger aus", skizziert die Wissenschaftlerin. Sie empfiehlt daher, die Belastung in einem Beruf nicht nur zu einem bestimmten Zeitpunkt zu erfassen, sondern über den gesamten Berufsverlauf zu bewerten. Weiterhin dürfe nicht vergessen werden, dass auch der technisch-organisatorische Fortschritt Belastungen reduzieren kann.



Viele Unternehmen in Deutschland nehmen schon heute einen Fachkräftemangel wahr. Nicht nur Ingenieure und Informatiker sind knapp. Auch für die duale Berufsausbildung gibt es nicht mehr genügend Nachwuchs. In immer mehr Betrieben bleiben Lehrstellen unbesetzt. Deshalb wird die Arbeitskraft der Älteren immer wichtiger. Der demografische Wandel, über den Deutschland seit Jahrzehnten debattiert, ist kein Zukunftsthema. Er findet schon seit Jahrzehnten statt und seine Folgen haben den Arbeitsmarkt längst erreicht. Dennoch verließen viele Ältere nach wie vor den Beruf vor Erreichen des Renteneintrittsalters. Als einen entscheidenden Faktor dafür sieht die Rostocker Forscherin die Rentengesetzgebung. Die Abgangsraten der 60-64-Jährigen seien nach Einführung von Frühverrentungsabschlägen entweder drastisch gesunken oder nach einigen Schwankungen im Trend sinkend verlaufen. Die abschlagsfreie Rente mit 63 bewirke nun genau das Gegenteil. Braucht Deutschland also einen Mentalitätswandel? "Ja", meint Tivig, "unbedingt. Und seine Herausbildung sollte durch verlässliche Politikmaßnahmen nicht gebremst, sondern unterstützt werden." 


Quelle: Universität Rostock


Anzeige:
Blenrep
Blenrep
Das könnte Sie auch interessieren
Seltene Krebsarten – Stiefkind der Krebsforschung?
Seltene+Krebsarten+%E2%80%93+Stiefkind+der+Krebsforschung%3F
© Darren Baker / Fotolia.com

Eine seltene Krebsart bringt nicht nur Patienten, sondern auch Ärzte an ihre Grenzen. Dabei sind seltene Krebsarten gar nicht so selten wie die Bezeichnung vermuten lässt. Rund 100.000 Menschen erkranken in Deutschland jedes Jahr an einer solchen Krebserkrankung. Im aktuellen Monatsthema stellt das ONKO-Internetportal die wichtigsten seltenen Krebsarten, die damit verbundenen Herausforderungen bei der Therapie sowie Initiativen...

Armutsfalle Krebs: Sozialberatung muss verbessert werden
Armutsfalle+Krebs%3A+Sozialberatung+muss+verbessert+werden
© WavebreakmediaMicro / Fotolia.com

Am 8. März ist Weltfrauentag. Seit mehr als 100 Jahren prangern Frauen in aller Welt an diesem Tag Missstände an und streiten für ihre Rechte. Die Frauenselbsthilfe nach Krebs, kurz FSH, und die Stiftung Deutsche Krebshilfe verleihen an diesem Tag den Frauen, die an Krebs erkrankt sind, eine Stimme. Denn immer noch gibt es in der Versorgung der Betroffenen Defizite. So wird eine Tumorerkrankung nach wie vor häufig zur...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Universität Rostock:"Altern im Beruf – (k)eine Option?""

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH - Geschäftsbereich rs media widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.