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Gesundheitspolitik von JOURNALMED.DE
20. März 2018

Tuberkulose ist auf der politischen Agenda

Die Tuberkulose gehört mit 1,7 Millionen Todesfällen zu den zehn häufigsten Todesursachen weltweit. „Auch wenn die Erkrankungszahlen in Deutschland im vergangenen Jahr erstmals seit einigen Jahren wieder leicht gesunken sind, müssen wir die Anstrengungen in der Tuberkulosekontrolle verstärken“, sagt Lothar H. Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts. „Ein Rückgang der Erkrankungszahlen von jährlich 10% ist erforderlich, um die internationalen Eliminationsziele zu erfüllen“, betont Wieler.
In Deutschland stehen moderne und effektive Maßnahmen zur Verfügung, um Tuberkulose rasch zu diagnostizieren, zu heilen und so Folgeinfektionen zu vermeiden. Dies gelingt aber nur, wenn es niedrigschwellige Angebote für Erkrankte gibt und Ärzte bei Symptomen wie länger bestehendem Husten, Nachtschweiß, Fieber und Gewichtsabnahme auch an Tuberkulose denken. Wichtige Grundlage für die optimale Patientenversorgung sind die von den Fachgesellschaften 2017 veröffentlichten Leitlinien für Erwachsenen- und Kindertuberkulose.

Dem Robert Koch-Institut wurden nach vorläufigen Daten für 2017 insgesamt 5.486 Tuberkulose-Fälle übermittelt, nach 5.949 im Jahr 2016 und 5.834 in 2015 (Datenstand 1.3.2018). Eine ausführliche Auswertung für 2016 enthält der Ende vergangenen Jahres veröffentlichte jährliche Bericht zur Epidemiologie der Tuberkulose. Die aktuelle Situation und Herausforderungen, national wie international, sind Schwerpunktthema in der aktuellen Ausgabe 11/2018 des Epidemiologischen Bulletins.

Neben bestmöglicher Diagnostik und Patientenversorgung ist für eine erfolgreiche Tuberkulosekontrolle auch ein ausreichend ausgestatteter Öffentlicher Gesundheitsdienst entscheidend. Eine aktive Fallsuche ist essentiell, um Erkrankungsfälle und Neuinfektionen zu finden und eine Verbreitung zu vermeiden. Das Gesundheitsamt ermittelt enge Kontaktpersonen von Patienten mit infektiöser Lungentuberkulose und veranlasst bei Bedarf eine weitergehende Untersuchung oder präventive Therapie.

Hier kann der Einsatz der Gesamtgenomsequenzierung entscheidend dazu beitragen, infektionsepidemiologische Zusammenhänge frühzeitig zu erkennen und Übertragungswege aufzuklären. „Gerade für Länder mit vergleichsweise wenigen Tuberkulose-Erkrankungen wie Deutschland gewinnt der Einsatz molekularer Methoden zur frühen Erkennung von Infektionsketten und resistenten Erregern zunehmend an Bedeutung“, sagt Lothar H. Wieler.

Austausch und Vernetzung, insbesondere auf der Tagung „Tuberkulose aktuell“, ermöglichen es, vorhandene Expertise besser zu nutzen und die Tuberkulosekontrolle weiterzuentwickeln. Die Tagung in Berlin wird wieder vom Bundesministerium für Gesundheit unterstützt. Veranstalter sind das Forschungszentrum Borstel, das Deutsche Zentralkomitee zur Bekämpfung der Tuberkulose und das Robert Koch-Institut.

Die Tuberkuloseüberwachung und -kontrolle ist nicht nur eine Priorität des Robert Koch-Instituts, sondern steht derzeit zu Recht so hoch wie nie auf der internationalen politischen Agenda. Nach einem Ministertreffen in Moskau Ende vergangenen Jahres wird die Tuberkulose im Herbst 2018 erstmals Thema in der Generalversammlung der Vereinten Nationen sein. Am 20. März 2018 findet am RKI eine gemeinsame Veranstaltung von WHO-Regionalbüro Europa und BMG für Botschafter sowie staatliche und nicht-staatliche Organisationen statt.

Weitere Informationen: https://www.rki.de/tuberkulose

Quelle: Robert Koch-Institut


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