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Gesundheitspolitik von JOURNALMED.DE
11. Februar 2014

Transplantationsergebnisse: DGU kritisiert oberflächliche Betrachtung wissenschaftlicher Studie

Aufgrund der aktuellen Kritik an den Transplantationsergebnissen in Deutschland sieht sich die Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) veranlasst, den Sachverhalt zu differenzieren. Der STERN berichtet in seiner Ausgabe vom 30.1.2014 über die Ergebnisse der "Collaborative Transplant Study" (CTS) unter der Leitung von Prof. Gerhard Opelz in Heidelberg, in der seit Jahrzehnten die Daten zu Transplantationen und deren Ergebnissen weltweit von 483 Zentren jedes Jahr dokumentiert und eingegeben werden. Diese Studie zeigt, dass die Organfunktionsraten auf längere Sicht gesehen in Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Ländern schlechter sind.

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"Es ist fatal, diese Tatsache ohne kritische Analyse zu bewerten", sagt DGU-Generalsekretär Prof. Dr. Oliver Hakenberg. Im STERN wird Studienleiter Opelz damit zitiert, dass es nicht "an den Fertigkeiten der Chirurgen" läge. Angesprochen werden auch die Allokationskriterien (Zuteilungskriterien) als mögliche Ursache, denn bei vital notwendigen Organen (Herz, Leber, Lunge) gilt in Deutschland das Prinzip, dass die Dringlichkeit nach dem Gesundheitszustand des Empfängers bewertet wird: je kränker, desto eher wird ein Organ zugeteilt. Hier verfahren manche Länder anders und nehmen die langfristige Erfolgsaussicht für die Organfunktion als Zuteilungskriterium, was sich naturgemäß auf eben diese langfristigen Organfunktionsraten auswirkt.

Für die zahlenmäßig bedeutsamste Organtransplantation, die der Niere, gelten andere Bedingungen: Hier zählt allein die Wartezeit an der Dialyse, von wenigen Ausnahmen, z.B. Kindern, abgesehen. Aber der relative Mangel an Spenderorganen hat im EUROTRANSPLANT Verbund dazu geführt, dass man die früher bestehende Altersgrenze für die Entnahme von Organen hat wegfallen lassen. Für die Niere bedeute dies, dass auch Organe hochbetagter hirntoter Menschen entnommen und transplantiert werden. Dieses euphemistisch "European Senior Program" genannte Allokationsverfahren legt zwar fest, dass Organe von über 65-jährigen Spendern nur an Empfänger, die ebenfalls über 65 Jahre alt sind, transplantiert werden können. Aber es hat dazu geführt, dass immer mehr alte und entsprechend funktionell auch gealterte Organe transplantiert werden. Zwar sind die Überlebensraten der Empfänger im "European Senior Program" nicht schlechter als in der Gruppe der sonstigen Erwachsenen, aber die langfristigen Funktionsraten dieser gealterten Organe sind es eben nicht.

"Deutschland hat im EUROTRANSPLANT Verbund den höchsten Anteil an Organen aus dem "European Senior Program", und dieser Umstand ist der wesentliche Grund für schlechtere langfristige Organfunktionsraten", sagt DGU-Generalsekretär Prof. Hakenberg. Andere europäische Länder wie Frankreich und die Schweiz transplantieren ohnehin nur Organe aus dem eigenen Land, was ebenfalls bei kürzeren Transportzeiten die Ergebnisse verbessert gegenüber den Ländern im EUROTRANSPLANT Verbund. Die CTS Studie vergleicht Ergebnisse weltweit und die Zentren nehmen freiwillig teil, auch mehrere aus Deutschland. Prof. Hakenberg: "Das Bild, das sich dort ergibt, lässt keine wirklichen Rückschlüsse auf Ursachen im EUROTRANSPLANT Raum zu."

Nach den Organspendeskandalen der letzten zwei Jahre ist das Vertrauen der Bevölkerung in die deutsche Transplantationsmedizin erschüttert worden. "Dies sollte nicht durch oberflächliche Betrachtung wissenschaftlicher Studien verstärkt werden. Die deutsche Transplantationsmedizin arbeitet gegenwärtig unter sehr schwierigen Bedingungen. Wer die Transplantationsmedizin kritisiert, ändert seine Meinung spätestens an dem Tag, an dem er selbst ein fremdes Organ braucht", so Prof. Hakenberg.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V.


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