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Gesundheitspolitik von JOURNALMED.DE
10. Juni 2016

Suchterkrankungen: Rolle von Angehörigen und Partnern

Der aktuelle Drogen- und Suchtbericht zeigt: Abhängigkeit ist kein Randphänomen. Die Erkrankung kann jeden treffen - und auch das Umfeld schwer belasten. Denn wenn ein Mensch süchtig wird, leiden Angehörige und Partner oft besonders. Für sie ist es hilfreich, im Ernstfall bestimmte Verhaltensweisen zu beachten - und auch an sich selbst zu denken.

Die Zahlen sind alarmierend: Laut Bundesministerium für Gesundheit sind in Deutschland über 1,8 Millionen Menschen alkoholabhängig, rund 600.000 sind süchtig nach illegalen Drogen. Hinzu kommen rund 2,3 Millionen Medikamentenabhängige. Die Größenordnung macht deutlich, dass Sucht kein gesellschaftliches Randphänomen ist, sondern in ihrer Mitte entsteht. Der Preis, den wir dafür zahlen, ist hoch: Allein die volkswirtschaftlichen Kosten durch Alkohol belaufen sich auf 26,7 Milliarden Euro pro Jahr, bei Medikamenten sind es rund 14 Milliarden Euro.

Hinter den Zahlen verbergen sich Millionen Einzelschicksale

Sucht ist teuer. Doch ihre Folgen lassen sich nicht allein in Geld beziffern: Hinter den Zahlen verbergen sich Millionen von Einzelschicksalen. Während Abhängige in ihrer Sucht gefangen sind, ruinieren sie ihre Gesundheit, vernachlässigen Job, Freizeit und Familie. Dabei schaden sie nicht nur sich selbst, sondern auch ihrem Umfeld.

"Wenn ein Mensch suchtkrank wird, leiden Angehörige und insbesondere Partner oft noch stärker als der Betroffene", erklärt Christoph Middendorf, medizinischer Geschäftsführer der Oberbergkliniken. Die Verhaltensmuster sind dabei häufig die gleichen: Um die Beziehung oder Familie zu schützen, deckt der gesunde Partner den kranken, entschuldigt ihn und übernimmt seine Aufgaben. Gleichzeitig entwickelt er einen zunehmenden Kontrollzwang und versucht - etwa durch das Verstecken des Suchtmittels - das Suchtverhalten des Betroffenen zu beeinflussen. "Zwar ist ein solches Verhalten menschlich verständlich", sagt Middendorf, "doch bleibt es in der Regel erfolglos und führt zu Frustration, Ärger und psychischer Belastung. Der Partner fühlt sich für die Abhängigkeit mitverantwortlich, schämt sich und vernachlässigt sein eigenes Leben. Er ist von der Sucht des anderen komplett eingenommen. Diesen Zustand nennt man Co-Abhängigkeit."

Leere Drohungen bestärken Suchtkranke

Wie also reagieren, wenn die wichtigste Person im Leben plötzlich suchtkrank ist? "Botschaften à la "Du trinkst zu viel!" sollte der gesunde Partner versuchen zu vermeiden", so Middendorf. Besser sei es, dem Betroffenen einen Spiegel vorzuhalten: "Mit Fragen und Hinweisen wie "Meinst du nicht auch, dass du zu viel trinkst?" oder "Könnte es sein, dass du ein Problem hast?", bringt man den Betroffenen in eine Position, in der er die Angelegenheit von sich aus thematisieren kann." Wichtig sei es außerdem, dem Partner klare Konsequenzen aufzuzeigen - und sich im Zweifelsfall auch daran zu halten: "Leere Drohungen bestärken den Suchtkranken nur in der Annahme, dass sein Verhalten keine Folgen hat. Der Betroffene muss zur Einsicht gelangen, dass es so nicht weitergehen kann", führt Middendorf aus. Zudem sei es wichtig, das eigene Leben nicht zu vernachlässigen und im Zweifelsfall soziale Aktivitäten ohne den Betroffenen zu planen.

Sollten Angehörige trotz aller Ratschläge das Gefühl haben, nicht alleine mit der Situation fertig zu werden, finden auch sie professionelle Hilfe. "Spätestens wenn man sich in seinem Alltag beeinträchtigt fühlt, nur noch um den Partner kreist, vielleicht sogar Symptome einer Depression oder Angststörung zeigt, sollte man handeln", so Christoph Middendorf. "Sich an Angehörigengruppen oder Suchtberatungsstellen zu wenden, kann nie der falsche Weg sein. Denn wenn beide Partner abhängig sind, ist der Weg zurück in ein unbeschwertes Leben umso schwieriger."

Quelle: Oberbergkliniken


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