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Gesundheitspolitik von JOURNALMED.DE
15. Dezember 2020
Seite 1/2

Die heikle Suche nach dem Ursprung des Coronavirus

Wo kam das Coronavirus her? Die Suche nach den Ursprüngen wird in Peking als Suche nach dem Schuldigen gefürchtet. Die Politisierung verheißt nichts Gutes für eine WHO-Expertengruppe, die nach China reisen soll.
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Ein Jahr nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie versucht die chinesische Propaganda, die Geschichte neu zu schreiben. Angesichts von mehr als 1,5 Millionen Toten weltweit will sich China in einem politisch aufgeheizten Klima nicht als Schuldiger anprangern lassen. "Auch wenn China als erster das Coronavirus berichtet hat, bedeutet das nicht zwangsläufig, dass das Virus auch aus China stammt", gibt Außenamtssprecher Zhao Lijian die Richtung vor. China wird dabei eher als mögliches Opfer dargestellt. Von Fledermäusen und Wildtierhandel als Ursprung ist keine Rede mehr.

Vielmehr verweisen Staatsmedien auf unbestätigte Berichte über mögliche Sars-CoV-2-Infektionen in anderen Ländern schon vor der Entdeckung der ersten Fälle Anfang Dezember 2019 in der zentralchinesischen Metropole Wuhan. Auch wurden Spuren des Virus auf einer Schweinshaxe aus Deutschland und anderen importierten Tiefkühlwaren gefunden. Wobei strittig ist, ob diese Spuren für eine Ansteckung ausreichen. Trotzdem schreibt das Parteiorgan "Volkszeitung" unter Hinweis auf "alle verfügbaren Beweise", dass die Tiefkühlketten schuld sein könnten: "Covid-19 begann nicht in Wuhan."

"Es ist wirklich schwierig, dass es so politisiert ist", sagt Fabian Leendertz vom Robert Koch-Institut (RKI). Der Epidemiologe soll mit einer Expertengruppe im Auftrag der Weltgesundheitsorganisation (WHO) den Ursprüngen des Virus nachgehen. Auch ist eine Reise nach China vorgesehen. "Wann es losgeht, steht noch überhaupt nicht fest", sagt Leendertz, der Infektionskrankheiten erforscht, die gleichermaßen bei Menschen und Tieren vorkommen. Gegenwärtig tauschen sich die Experten über die Ferne erstmal mit Kollegen in China aus.

"Wir gehen davon aus, dass wir da anfangen, wo die solidesten Beweise vorliegen - und das ist immer noch dieser Markt und Wuhan selbst", sagt Leendertz. "Wir alle wissen, dass es wahrscheinlich nicht da angefangen hat." Denn nicht alle der ersten Infektionen wurden auf den Huanan-Markt in Wuhan zurückgeführt. Doch im Bereich der Wildtierstände wurden besonders viele Spuren des Coronavirus gefunden. "Es gibt den starken Verdacht, dass die Epidemie mit dem Wildtierhandel zusammenhängt", schrieb Ende Januar Chinas Staatsagentur Xinhua. Kurz darauf verbot die Regierung das oft schmutzige Geschäft mit wilden Tieren, die in China als Delikatessen verzehrt werden.

Von dem Markt wollen sich die WHO-Experten in der Zeit zurückarbeiten. "Und dann gucken wir, wo uns die Spur hinführt. Ob es in China bleibt, oder ob es nach außerhalb Chinas führt", sagt Leendertz. "Das ist ein ganz offener Ansatz." Er spielt die Erwartungen aber herunter. "Wir werden jetzt nicht irgendwie nach China fliegen, da unsere Superhelden-Anzüge anziehen, ein paar Fledermäuse einfangen und anfangen, den Markt abzustreichen und durch Krankenhäuser zu flitzen", sagt Leendertz. "Das ist natürlich ganz anders." Es gehe mehr darum, mit den chinesischen Kollegen zu schauen, welche Spuren noch verfolgt werden sollten. "Das wird das Maximum sein."

Der Forscher ist aber zuversichtlich, dass der Ursprung des Virus "irgendwann" gefunden wird. "Es wird wahrscheinlich doch der ursprüngliche Wirt, also eine Fledermaus, sein", sagt Leendertz. Dann müsse man schauen, welche Art es sei, wo diese vorkomme und ob ein anderes Tier als Zwischenwirt involviert gewesen sei. "Die nächsten Verwandten des Virus, die aber nicht der Ursprung des Virus sind, sind bei Fledermäusen gefunden worden, und zwar im südlichen China." Wegen der milden Symptome werde es hingegen "schwierig bis unmöglich sein", die erste Infektion, also "Patient Null", zu identifizieren.
 
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