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Keytruda Pantumor
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Gesundheitspolitik von JOURNALMED.DE
16. Juli 2015

Stellungnahme und Empfehlung der GBM zur Weiterentwicklung des Medizinstudiums in Deutschland

Die Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie (GBM e.V.) hat eine Stellungnahme zum Papier des Wissenschaftsrates (WR) verfasst, in dem letzterer auf Basis einer Bestandsaufnahme der vor dem WS 2012/2013 etablierten Modelstudiengänge in Deutschland Empfehlungen zur Weiterentwicklung des Medizinstudiums veröffentlicht hat.

Die Empfehlungen des Wissenschaftsrates:

Der Wissenschaftsrat fordert in seinem Papier, dass in Zukunft im Medizinstudium
- Wissen, spezifische Fertigkeiten und Fähigkeiten sowie ethische Grundhaltungen vermittelt werden sollen,
- von Beginn an die Bedeutung und Anwendung theoretischer Grundlagen für die ärztliche Praxis herausgestellt werden sollen,
- der Erwerb wissenschaftlicher Kompetenzen für jeden Studierenden obligatorisch werden soll,
- die Zusammenarbeit mit anderen Gesundheitsfachberufen bereits durch eine interprofessionale Ausbildung antrainiert werden soll.

Der WR schlägt dazu konkret vor, die bundeseinheitliche M1-Prüfung nach dem 6. Fachsemester durchzuführen und um einen weiteren Prüfungsteil (klinisch-praktisch strukturiert) zu ergänzen. Jeder Studierende soll vor dieser M1-Prüfung eine 4-wöchige Projektarbeit und danach eine mindestens 12-wöchige Forschungsarbeit absolvieren. Dabei sei das vorgeschlagene Strukturmodell für das Medizinstudium bezüglich des Curricularnormwertes (CNW) und damit der Kosten für die Länder grundsätzlich neutral auszurichten. Um dies zu erreichen, seien die Prüfungsinhalte und Unterrichtsstunden (also das zu vermittelnde Wissen, die Fertigkeiten und Fähigkeiten) um 20-25% zu kürzen.

Die Stellungnahme der GBM:

Die GBM begrüßt ausdrücklich die geforderte Aufrechterhaltung der bisherigen hohen Qualität der medizinischen Ausbildung in Deutschland und teilt uneingeschränkt die Auffassung des WR, dass nur ein wissenschaftlich ausgerichtetes Studium sicherstellen kann, dass zukünftige Ärztinnen und Ärzte zu evidenzbasierter Diagnose und Behandlung von Patienten in der Lage sind. Die Mitarbeiter der Einrichtungen der Grundlagenmedizin sind mit ihrer Fokussierung auf Forschung und Lehre bestens ausgebildet, um wissenschaftliches Denken und Handeln zu vermitteln.

Die GBM sieht das vorgeschlagene Strukturmodell für das künftige Medizinstudium jedoch sehr kritisch. Sie empfiehlt, auch in Zukunft ein echtes Fundament aus (klinisch medizinisch orientierter) naturwissenschaftlicher Lehre beizubehalten. Eine vertikale Integration der klinischen Medizin bereits in den ersten zwei Semestern ist zu früh. Natürlich bleibt unbestritten, dass die nachhaltige Vermittlung fachspezifischer Inhalte besser gelingt, wenn frühzeitig auf die Bedeutung und Anwendung dieser Inhalte und Fähigkeiten/Fertigkeiten in der ärztlichen Praxis verwiesen wird. Dies ist bereits heute gängige Praxis in den naturwissenschaftlichen Grundlagenfächern und wird bereits durch die derzeit gültige Approbationsordnung vorgeschrieben (z.B. Seminare mit klinischem Bezug). Auch die GBM sieht hier durchaus noch Verbesserungsbedarf und unterstützt den Informations- und Erfahrungsaustausch zwischen den verschiedenen Medizinischen Fakultäten. So werden die durchgeführten Praktika in der Biochemie immer stärker an klinisch relevanten Themen ausgerichtet und bereiten eigenständiges wissenschaftliches Arbeiten vor.

Das Medizinstudium ist bereits jetzt einer der Studiengänge, der von Studierenden ein Maximum an Präsenz und Selbststudium verlangt. Durch das Pflegepraktikum und die Staatsexamina sind auch die Freiräume in der Vorlesungsfreien Zeit stark eingeschränkt. Eine Reduktion der Pflicht-Lehrveranstaltungsstunden um 25% zugunsten von Wahlfächern und Forschungspraktika ist wegen der zu erwartenden stark schwankenden Nachfrage einzelner Angebote wenig effizient und zieht massive kapazitätsrechtliche Konsequenzen nach sich.

Prüfungen sind ein integraler Teil der Lehre und können von dieser weder inhaltlich noch zeitlich beliebig getrennt werden. Die GBM begrüßt ausdrücklich die Forderung des WR, eine bundeseinheitliche Zwischenprüfung für alle Standorte erneut verpflichtend einzuführen und Lehr- und Prüfungsformate aufeinander abzustimmen. Die Integration zweier weiterer Semester und entsprechender Lehrinhalte und die Ergänzung um einen dritten Prüfungsteil, macht jedoch aus dieser Zwischenprüfung das neue "Hammerexamen" für die Studierenden. Es scheint aus Sicht der GBM unwahrscheinlich, dass die Studierenden vor dieser neuen M1-Prüfung nach dem 6. Semester ausreichend Zeit haben werden, Lerninhalte aus naturwissenschaftlichen Grundlagenfächern (Chemie, Biologie, Physik) und den darauf aufbauenden vorklinischen Fächern (Anatomie, Biochemie und Physiologie) noch adäquat rekapitulieren zu können. Auch hält sie die Prüfung von "ethischen Haltungen" für nicht justiziabel.

Die GBM schlägt daher folgendes zeitliche Vorgehen bei der Weiterentwicklung des Medizinstudiums in Deutschland vor:

1. Entwicklung von empirisch validierten Instrumenten zu ergebnisorientierten Evaluation der Modell- und Regelstudiengänge und der darin erprobten neuen und herkömmlichen Lehr- und Lernmethoden, sowie Prüfungsformaten.
Erst danach
2. Ergebnisoffene Evaluation mit den zuvor entwickelten Instrumenten.
Erst danach
3. Einholung von Vorschlägen und Überprüfung der Machbarkeit von obligatorischen Projekt- und Forschungsarbeiten innerhalb des Studiums und ihrer Verknüpfung mit der medizinischen Promotion (Dr. med.).
4. Integration von positiv evaluierten Elementen aus Modell- und Regelstudiengängen zu einem neuen Studienmodell für das künftige Medizinstudium, dabei
a) Überprüfung der kapazitätsrechtlichen Machbarkeit der vorgesehenen Studienorganisation.
b) Beibehalt einer bundeseinheitlichen Zwischenprüfung nach 4 Semestern zu den naturwissenschaftlichen Grundlagen. Evtl. Ergänzung um eine praktisch-strukturierte bundeseinheitliche Prüfung zu den theoretisch medizinischen Fächern nach dem 6. Fachsemester.
c) Verschiebung von Lerninhalten in die Weiterbildung, z.B. Details zur Abrechnung und zur Kommunikation mit anderen Gesundheitsberufen.

Es gibt nichts, das nicht noch verbessert werden könnte, so auch das Medizinstudium. Gerade hier sollte aber mit Bedacht, resourcenschonend und nur auf einer soliden empirischen Grundlage vorgegangen werden. Wir möchten uns von Seiten der GBM dafür einsetzen, dass der Stellenwert von naturwissenschaftlichen Grundlagen des Medizinstudiums bei den laufenden Reformbestrebungen nicht reduziert wird. Wir arbeiten dabei eng mit den anderen Fachgesellschaften zusammen, die für die naturwissenschaftlich-vorklinische Lehre zuständig sind.

Weitere Informationen beim GBM-Arbeitskreis "Biochemie in der Medizin":
http://www.gbm-online.de/arbeitskreise.html

Quelle: GBM e.V.


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