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Gesundheitspolitik von JOURNALMED.DE
19. September 2016

Startschuss für klinisches Krebsregister in Niedersachsen

Der Niedersächsische Landtag beschloss am 14. September 2016 die Übertragung von Aufgaben der klinischen Krebsregistrierung in Niedersachsen (Gesetz über die Übertragung von Aufgaben der klinischen Krebsregistrierung in Niedersachsen) auf die Ärztekammer Niedersachsen (ÄKN) und Zahnärztekammer Niedersachsen (ZKN). Mit diesem Gesetz schafft das Land die Voraussetzungen für die Umsetzung des am 9. April 2013 bundesweit in Kraft getretenen Krebsfrüherkennungs- und -registergesetzes (KFRG). Rechtsgrundlage hierfür ist § 65c des Fünften Buches Sozialgesetzbuch (SGB V). Um die klinische Krebsregistrierung umzusetzen, wollen die ÄKN und die ZKN zum 1. Januar 2017 einen gemeinsamen Zweckverband gründen.

"Wir begrüßen die Entscheidung des niedersächsischen Landtags", erklärt Dr. med. Martina Wenker, Präsidentin der ÄKN. "Im Kampf gegen den Krebs sind wir einen großen Schritt weitergekommen, indem der Gesetzgeber die Aufgaben der klinischen Krebsregistrierung in die Verantwortung der beiden Kammern legt." Bereits seit 2015 besteht bei der ÄKN eine Projektgruppe, die mit dem Aufbau des Klinischen Krebsregisters befasst ist. "Uns ist besonders wichtig, dass das medizinische Gesamtkonzept von allen niedersächsischen Ärztinnen und Ärzten mitgetragen wird und es am Ende allen niedersächsischen Patientinnen und Patienten zugutekommt", betont die Präsidentin.

Klinische Krebsregister können ohne die aktive Mitarbeit überzeugter, meldender Ärztinnen, Ärzte und Einrichtungen ihre Aufgabe kaum erfüllen. Henner Bunke, D.M.D. Univ. of Florida, Präsident der ZKN, hebt hervor: "Wir werden angesichts der zukünftigen Meldepflicht auf effiziente Meldewege achten."

Als Teil des vom Bundesministerium für Gesundheit 2008 initiierten Nationalen Krebsplans enthält § 65c SGBV die Vorgaben, nach denen die Krebsfrüherkennung, die onkologischen Versorgungsstrukturen, die Qualitätssicherung und die effiziente Behandlung gestärkt und weiterentwickelt werden sollen. Dafür muss eine bundesweite, flächendeckende klinische Krebsregistrierung etabliert werden. Klinische Krebsregister sollen zu einem erheblichen Teil aus Beiträgen der Krankenversicherungs- und Beihilfeträger finanziert werden. Dazu wurden von dem GKV-Spitzenverband umfangreiche Förderkriterien erarbeitet.

Die Prognose für Niedersachsen zur Erfüllung eben dieser Förderkriterien wird in dem jüngsten Prognos-Gutachten vom 18. August 2016 zum Umsetzungsstand des KFRG im Auftrag des GKV-Spitzenverbands sehr kritisch gesehen. Niedersachsen schneidet hier zum Zeitpunkt der Prüfung schlechter ab als andere Bundesländer. "Im nächsten Schritt sollte das eigentliche Ausführungsgesetz, das Gesetz über das Klinische Krebsregister Niedersachsen (GKKN), zügig in den Landtag eingebracht und alsbald verabschiedet werden. Dies ist die wesentliche Voraussetzung dafür, die Förderkriterien bis zum 31. Dezember 2017 erfüllen zu können", so Projektleiter Philipp Krajewski.

Im Gegensatz zu allen anderen Bundesländern regelt Niedersachsen die Aufgabenübertragung durch ein parlamentarisches Verfahren. Die Projektgruppe steht daher vor der Herausforderung, in kürzester Zeit die Organisation verlässlich aufzubauen, die Kommunikation mit den zukünftigen Meldern aufzunehmen, die für die Registrierung erforderliche Software zu testen und das notwendige Personal einzustellen. "Wir stellen erfreulicherweise eine hohe Kooperationsbereitschaft innerhalb der bestehenden krebsregistrierenden Community fest. Neben der Vermeidung von Doppeldokumentationen und -strukturen steht eine bedienerfreundliche Melder-Ergonomie im Mittelpunkt der technischen Umsetzung, die den Chancen der Digitalisierung im Gesundheitswesen Rechnung trägt", erklärt Krajewski. "Noch wichtiger ist jedoch ein nutzenstiftendes Auswertungskonzept dergewonnenen Daten, um so zu einer relevanten Qualitätsverbesserung in der onkologischen Versorgung in Niedersachsen beitragen zu können."

Quelle: Ärztekammer Niedersachsen


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