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Gesundheitspolitik von JOURNALMED.DE
18. Februar 2014

Sexueller Missbrauch an Kindern im Internet nimmt zu

Immer früher kommen Kinder mit dem Internet in Berührung. Viele Kinder haben auf ihrer Wunschliste ein iPhone, Smartphone oder Tablet stehen, und das bereits mit zehn Jahren. Die Zahl der immer jünger werdenden Nutzer steigt täglich an. Sie wollen immer und überall erreichbar sein. Für die Eltern ist es unmöglich nachzuvollziehen, mit wem die Kinder jeden Tag in der virtuellen Welt Kontakt austauschen und pflegen. Die meisten Eltern kennen sich auch zu wenig mit Kinderschutzsoftware aus, um ihrem Kind den benötigten Schutz zu geben, so Schmitz.

So war es auch bei der zwölfjährigen Melanie (Name geändert) aus der Region Köln. Über das Internet kam sie mit einem Mann in Kontakt, der sie über einen längeren Zeitraum sexuell missbrauchte - alles vor dem Computer im Kinderzimmer. "Durch die neuen technischen Möglichkeiten haben solche Fälle in den letzten Jahren stark zugenommen", sagt Ralf Schmitz, ehemaliger Polizeibeamter. Er und sein Expertenteam helfen seit 20 Jahren, Kinder zu schützen und Eltern über die neuen Gefahren aufzuklären. Melanie hatte bereits mit acht Jahren ihren Kindercomputer bekommen und den pädophilen Mann in einem bei Kindern und Jugendlichen beliebten sozialen Netzwerk kennengelernt. Sie begann, sich mit ihm per Kurznachrichten zu unterhalten.

Dem Täter gelang es, sie so zu beeinflussen, dass ihn das Mädchen über die Webcam dabei zusehen ließ, wie sie sich auszog und sexuelle Handlungen an sich vornahm. Auf Drängen des Mannes wurden diese immer extremer. "In der Regel versuchen die Pädophilen es bei vielen verschiedenen Kindern, denn das Netz ist ja voll davon, und geben sich dabei als Gleichaltrige aus", sagt Ralf Schmitz. Die Täter bauen zunächst durch Komplimente ein Vertrauensverhältnis auf, erschleichen sich also das Vertrauen des Opfers, und üben später dann Druck auf das Kind aus. Es solle niemandem davon erzählen, wird gedroht.

Melanies Eltern fiel irgendwann auf, dass sich ihre Tochter seltsam benahm und dass sie sehr viel Zeit im Internet verbrachte. Sie verabredete sich nicht mehr mit ihren Freunden, kapselte sich von den Eltern ab und verweigerte die gemeinsamen Mahlzeiten. Die Mutter vermutete zunächst Probleme in der Schule. Das Gespräch mit der Schulleitung verlief aber ergebnislos. Daraufhin überprüfte der Vater den Computer seiner Tochter und fand im Internetverlauf und in den Internetprotokollen sehr viel Bildmaterial, was die Straftat dokumentierte. Die Eltern schalteten die Polizei ein, die den Täter ermittelte und festnahm. Der Täter, der Melanie missbraucht hatte, wurde im vergangenen November zu zwei Jahren und zwei Monaten Haft verurteilt.

Leider weiß der Präventionsexperte Schmitz aus seiner jahrelangen beruflichen Erfahrung, dass dies kein Einzelfall ist, sondern dass jeden Tag viele tausend Pädophile versuchen, im Netz Kinder zu kontaktieren. Dass Kinder über das Internet sexuell missbraucht werden, wird leider die nächsten Jahre noch zunehmen, so Schmitz. Die Technik macht es möglich und immer einfacher."In der Regel knüpfen diese Internet-Pädophilen auch nicht nur Kontakt zu einem Mädchen, sondern zu ganz vielen in den verschiedenen Chaträumen, in der Hoffnung, bestimmt irgendeine rumzubekommen. Es ist wie eine Droge, wenn die Täter erst einmal daran geleckt haben, machen die meisten immer weiter, so lange bis sie erwischt werden", weiß Schmitz zu berichten. Deshalb hat Herr Schmitz mit seinen Experten einen "E-Videocoaching Kurs: Safer family" entwickelt, um Kindern und Eltern frühzeitig zu helfen. Das Programm wird ab Mai unter www.sicher-stark.de erhältlich sein.
Dass der Fall Melanie kein Einzelfall ist, zeigen die neuen Fallstatistiken.

Vor zehn Jahren hat es höchstens einen Fall im Jahr gegeben. Heute wird jeden Tag auf einer Polizeidienststelle in Deutschland ein "Internetmissbrauch an Kindern" angezeigt. Die Kinder denken oft, dass ihnen keiner hilft oder zuhört, und gerade Jungs trauen sich nicht, um Hilfe zu bitten, das könnte ja als Schwäche ausgelegt werden. "Viele erkennen den Übergriff gar nicht", sagt Schmitz und so auch einige Fachkollegen, die in Beratungsstellen in Deutschland arbeiten. Sie sind zunächst die erste Anlaufstelle für Kinder, die Opfer sexueller Gewalt geworden sind.

Wichtig ist vor allem, dass Eltern ihre Kinder stark machen und offen und selbstbewusst erziehen. Je selbstbewusster und gefestigter ein Kind ist, desto eher lernt es auch, Nein zu sagen, und das auch im Internet. Die Eltern sollten den PC ihrer Kinder kontrollieren und regelmäßig überwachen, was ihre Kinder im Internet machen, denn es ist keine Seltenheit, dass Schadsoftware den Kinder-PC bereits erreicht hat und dass das Kind auch unbemerkt von Pädophilen im Kinderzimmer beobachtet werden kann.

"Der letzte Fall, in dem ein Mann in NRW über 200 Kindercams gehackt hat und diese alle auf seinem Rechner hatte, ist noch gar nicht so lange her", weiß Herr Schmitz zu berichten. "In einem Fall war der Junge erst neun Jahre alt. Da habe ich mich auch gefragt: Was hat ein Neunjähriger bei Facebook zu suchen?"Deshalb fordert Schmitz auch ein Facebook für Kinder mit der neusten Sicherheitstechnik, denn möglich wäre das. "Kinder können leider den Missbrauch oft nicht richtig einschätzen. Deswegen ist es wichtig, dass sie aufgeklärt werden. Wenn ein Kind keine Worte für seine Genitalien hat, kann es nicht sagen, wenn etwas schiefläuft." Hier sollte noch viel mehr Aufklärung bereits in der Grundschule stattfinden. Prävention ist besser als Therapie.

Quelle: Bundespressestelle Sicher-Stark


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