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Gesundheitspolitik von JOURNALMED.DE
26. September 2012

Saarländer bekommen am meisten Antibiotika

Einfache Infektionen soll man nicht mit der Antibiotika-Keule bekämpfen - doch neue Zahlen deuten darauf hin: Immer noch gibt es in vielen Regionen einen recht sorglosen Umgang mit diesen Mitteln.

Die Patienten im Saarland, in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen bekommen weit häufiger Antibiotika als Versicherte in anderen Ländern. Das geht nach Ansicht von Experten auch darauf zurück, dass Ärzte hier leichter zum Rezeptblock greifen und Patienten die Mittel stärker einfordern - entgegen Aufrufen zu einem sparsamen Umgang.

37 Prozent der gesetzlich Versicherten im Saarland haben 2010 mindestens einmal ein Antibiotika-Rezept erhalten, wie eine am Mittwoch veröffentlichte Studie des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (ZI) in Berlin zeigt. In den Regionen Rheinland-Pfalz, Westfalen-Lippe und Nordrhein waren es mehr als 33 Prozent. In Brandenburg, Sachsen, Schleswig-Holstein und Berlin verordnen Ärzte diese Mittel am seltensten (25 bis 29 Prozent). Die anderen Länder liegen dazwischen.

Aufmerken lassen die Daten, weil Experten seit längerem zu einer insgesamt behutsamen Antibiotika-Gabe raten. Laut Bundesgesundheitsministerium erkranken jährlich bis zu 600 000 Patienten an Klinikinfektionen, bis zu 15 000 sterben daran. Zu den Ursachen zählen wegen übermäßigem Antibiotika-Einsatz resistent gewordene Erreger. «Untersuchungen zeigen, dass bis zu 50 Prozent der durchgeführten Antibiotika-Therapien inadäquat sind», so ein einschlägiger Regierungsbericht.

Das ZI geht davon aus, dass Ärzte nicht nur wegen mehr oder weniger Infektionen mehr oder weniger Antibiotika verordnen. «Wir vermuten, dass die Erwartungen der Patienten und die Einstellung der Ärzte zu einer Antibiotika-Therapie wesentliche Einflussfaktoren sind», sagte ZI-Geschäftsführer Dominik von Stillfried.

Insgesamt erhielten rund 22 Millionen Patienten zuletzt im Jahr ein entsprechendes Rezept - 31,5 Prozent der Kassenpatienten. Senioren und Kinder bekommen am meisten dieser Mittel. Sie leiden am häufigsten unter Harnwegs- beziehungsweise Atemwegsinfektionen.

Dass die Ärzte in Ostdeutschland hier zurückhaltender sind, liegt laut ZI wohl auch daran, dass schon in der DDR versucht wurde, die Mittel nur einzusetzen, wenn sie wirken - also nur bei bakteriellen Infektionen, nicht bei Virus-Erkrankungen.


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