Mittwoch, 16. Juni 2021
Navigation öffnen
Anzeige:
Keytruda Pantumor
Keytruda Pantumor
Gesundheitspolitik von JOURNALMED.DE
20. Januar 2017

Erste "Rote Liste" gefährdeter Lebensräume in Europa

Rote Listen von Tier- und Pflanzenarten haben sich im Naturschutz sehr bewährt. Wie es um die Gefährdung ganzer Lebensräume durch den Menschen bestellt ist, stand bislang jedoch viel weniger im Fokus der Wissenschaft. Ein internationales ForscherInnenteam unter Beteiligung von Franz Essl und David Paternoster vom Department für Botanik und Biodiversitätsforschung der Universität Wien veröffentlicht nun erstmals eine Europäische Rote Liste, in der die Gefährdungssituation von 490 Lebensräumen in 35 Ländern Europas bewertet wurde. Die Ergebnisse sind ernüchternd: Mehr als ein Drittel aller Lebensräume in Europa sind gefährdet.
Anzeige:
Akynzeo
 
Trotz aller Schutzmaßnahmen führen intensive Landnutzung, Verbauung, Klimawandel und übermäßige Düngung weltweit zu einem voranschreitenden Verlust der biologischen Vielfalt. Dies belegen die immer länger werdenden Roten Listen gefährdeter Pflanzen- und Tierarten eindeutig, auch in Österreich. "Wie es um die Gefährdungssituation ganzer Lebensräume und der in ihnen vorkommenden Artengemeinschaften bestellt ist, ist jedoch viel schlechter erforscht", erklärt Franz Essl von der Universität Wien als Mitautor der Studie. Solche Lebensräume wie etwa Moore, artenreiche Magerwiesen, naturnahe Laubwälder und Gebirgslebensräume bieten einer jeweils angepassten Artengemeinschaft die geeigneten Lebensbedingungen, und sie stellen das ökologische Rückgrat der biologischen Vielfalt dar.

Für die erste Rote Liste gefährdeter Lebensräume in Europa haben 300 ForscherInnen Daten zur Gefährdung von 490 Lebensräumen gesammelt und bewertet. "Erstmals ist nun schwarz auf weiß belegt, wie es um Gefährdung von Lebensräumen in Europa bestellt ist, und wo der größte Handlungsbedarf liegt", fasst David Paternoster, ebenfalls Mitautor der Studie zusammen.

Und das Fazit der WissenschafterInnen ist dramatisch: Mehr als ein Drittel aller Lebensräume sind in Europa gefährdet. Besonders dramatisch ist die Gefährdung von Wiesentypen sowie von Seen-, Fluss- und Küstenlebensräumen, von denen jeweils jeder zweite Lebensraumtyp gefährdet ist. Am größten ist jedoch die Gefährdung von Mooren, von denen drei Viertel auf der Roten Liste als bedroht angeführt sind.

"In Österreich ist dabei die Gefährdungssituation der Lebensräume im Vergleich zum übrigen Europa keineswegs besser", erläutert Franz Essl. Im Gegenteil, außerhalb der Alpen und in dicht besiedelten Alpentälern führt der intensive Nutzungsdruck zu einer starken Gefährdung vieler Lebensräume.

Die Konsequenzen aus dieser Studie sind laut den AutorInnen eindeutig: Der Schutz von Lebensräumen ist in Europa zu verstärken. "Das europäische Schutznetzwerk Natura 2000 muss strikter umgesetzt werden, um den weiteren Rückgang artenreicher Lebensräume zu verhindern", erklärt Franz Essl. Darüber hinaus sollte jedoch auch außerhalb von Schutzgebieten der Naturschutz gestärkt werden, indem die Landwirtschaftspolitik noch stärker als bisher Naturschutzaufgaben berücksichtigt und der ungehemmte Flächenverbrauch gebremst wird.


Wissenschaftlicher Kontakt
Mag. Dr. Franz Essl
Department für Botanik und Biodiversitätsforschung
Universität Wien
1030 Wien, Rennweg 14/1
M +43-676-6091638
franz.essl@univie.ac.at

Quelle: Universität Wien

Literatur:

Studie "Rote Liste gefährdeter Lebensräume Europas":
Jansen J et al. (2016) European Red List of Habitats. http://ec.europa.eu/environment/nature/knowledge/redlist_en.htm


Anzeige:
Verzenios Webinar
 
Das könnte Sie auch interessieren
Urologen starten Themenwoche Hodenkrebs vom 27. bis 31. März 2017
Urologen+starten+Themenwoche+Hodenkrebs+vom+27.+bis+31.+M%C3%A4rz+2017
© Paolese / Fotolia.com

Deutschlands Urologen gehen neue Wege in der Öffentlichkeitsarbeit: Mit der Einführung der „Urologischen Themenwochen“ baut die Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) ihr Engagement in der medizinischen Aufklärung der Bevölkerung erneut aus: Den Anfang macht die Urologische Themenwoche Hodenkrebs vom 27. bis 31. März 2017. Mit zielgruppengerecht aufbereiteten Informationen wollen Urologinnen...

Wegweiser „Leben mit Krebs in Hessen“ hilft Betroffenen
Wegweiser+%E2%80%9ELeben+mit+Krebs+in+Hessen%E2%80%9C+hilft+Betroffenen
© Fotolia / fotomek

In Deutschland leiden aktuell 1,4 Millionen Menschen an Krebs und die Zahl der Neuerkrankungen steigt. In Hessen treten jährlich mehr als 35.000 neue Krebserkrankungen auf. Ermutigend ist, dass nach neuesten Studien die Rate der Langzeitüberlebenden ansteigt. Manche Krebsarten sind heute heilbar, andere können als chronische Erkrankung eingestuft werden. Auch die Chancen, mit einer fortgeschrittenen Krebserkrankung länger...

Berufliche Reha ist mehr als Wiedereingliederung nach dem Hamburger Modell
Berufliche+Reha+ist+mehr+als+Wiedereingliederung+nach+dem+Hamburger+Modell
© Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum


Etwa zwei Drittel aller Berufstätigen, die an Krebs erkrankt sind, kehren zurück in das Arbeitsleben. Für viele ist die Motivation hoch, denn wer arbeitet, erobert sich ein Stück Normalität zurück. Doch der Wiedereinstieg sollte behutsam erfolgen und an die individuelle Belastbarkeit der Patientinnen und Patienten angepasst werden. Nach längerer Arbeitsunfähigkeit bieten die Leistungen der...

Brustkrebs: Informationen helfen gegen Ängste
Brustkrebs%3A+Informationen+helfen+gegen+%C3%84ngste
© Sebastian Kaulitzki / Fotolia.com

Aktuelle Studien belegen: Patientinnen mit der Diagnose Brustkrebs profitieren von  guter Gesundheitsinformation und Aufklärung. Ängste und Sorgen nehmen ab, die Lebensqualität steigt. Der Krebsinformationsdienst (KID) des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) informiert Betroffene und Angehörige seit 30 Jahren rund um das Thema Krebs. Bei 50 Prozent aller Anfragen zu Tumorlokalisationen steht das Thema Brustkrebs...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Erste "Rote Liste" gefährdeter Lebensräume in Europa"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH - Geschäftsbereich rs media widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EHA 2021
  • SCD: Neues digitales Schmerztagebuch zur tagesaktuellen Erfassung von VOCs wird in Beobachtungsstudie geprüft
  • Fortgeschrittene systemische Mastozytose: Französische Real-World-Studie bestätigt klinische Studiendaten zur Wirksamkeit von Midostaurin
  • CML-Management weitgehend leitliniengerecht, aber verbesserungsfähig – Ergebnisse einer Querschnittsbefragung bei britischen Hämatologen
  • Myelofibrose: Früher Einsatz von Ruxolitinib unabhängig vom Ausmaß der Knochenmarkfibrose
  • Hochrisiko-MDS und AML: Sabatolimab + Decitabin/Azacitidin zeigt in Phase-I-Studie anhaltende Remissionen bei guter Verträglichkeit
  • PNH: Neuer oraler Faktor-B-Inhibitor Iptacopan zeigt in Phase-II-Studie Wirksamkeit in der Erstlinie