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Gesundheitspolitik von JOURNALMED.DE

26. November 2020 Zi untersucht Tools zum digitalen Monitoring ambulanter Infektpatienten

„Wie kann ich meine Infektpatienten effektiv und zeitsparend in deren häuslichem Umfeld betreuen?“ Vor dieser Frage stehen in diesen Tagen viele Arztpraxen, die in der COVID-19-Pandemie Infektpatienten von den übrigen Patienten strikt trennen. Digitale Monitoring-Systeme können hier helfen: Patientinnen und Patienten dokumentieren regelmäßig ihre Symptome, das behandelnde ärztliche Personal erhält einen schnellen Überblick, um in Einzelfällen rasch weitere Entscheidungen treffen zu können. Welches System gegenüber der sonst üblichen telefonischen Betreuung aber wirklich Zeit spart und die Behandlung effektiv unterstützt, ist bisher nicht bekannt.
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Vor diesem Hintergrund hat das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) Ende Oktober 2020 eine wissenschaftliche Studie zum digitalen Monitoring von Infektpatienten in der ambulanten Versorgung gestartet. Über eine Wettbewerbsbekanntmachung im EU-Amtsblatt hat das Zi digitale Lösungen zum Remote Patient Monitoring (RPM) gesucht, die ein vorgegebenes Anforderungsprofil erfüllen. Dabei ist die Wahl auf zwei Systeme gefallen: Das Zi wird in der Studie Medopad und SaniQ Infekt sowohl miteinander als auch mit der bisher praktizierten Versorgung von Infektpatienten vergleichen. Beide Anwendungen sind bereits am Markt etabliert und werden den an der Studie teilnehmenden Praxen inklusive Schulung frei zur Verfügung gestellt.
 
Insgesamt werden bis zu 120 teilnahmebereite Praxen für die Studie gesucht. „Natürlich wissen wir, dass die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte in der Hochphase der COVID-19-Pandemie besonders gefordert sind. Aber genau hier setzen RPM-Lösungen ja an: Sie tragen dazu bei, dass Arztpraxen künftig bei der Betreuung von Infektpatienten zeitlich entlastet werden. Zur Minimierung von Ansteckungsrisiken können die Patientinnen und Patienten in ihrer gewohnten häuslichen Umgebung versorgt werden. Was wir den niedergelassenen Ärzten mit der Studie an die Hand geben wollen, ist eine wissenschaftlich belegte Empfehlung, was sich im Alltag als effektiv und effizient erwiesen hat. Am Ende sollten die Anforderungen belegt sein, die ein effektives RPM-Verfahren erfüllen muss. Auf dieser Grundlage wäre eine breitere Nutzung denkbar. Wir laden interessierte Praxen ein, sich an dieser etwa achtwöchigen Studie zu beteiligen und freuen uns über weitere Anmeldungen“, sagte der Zi-Vorstandsvorsitzende Dr. Dominik von Stillfried.
 
Zum Remote Patient Monitoring (RPM)

RPM‐Tools sind nach dem Verständnis des Zi digitale Werkzeuge, die ein effizientes und sichereres Patientenmanagement im Rahmen einer Fernbehandlung unterstützen. Sie sollen es dem behandelnden Arzt ermöglichen, die bei Akuterkrankungen gebotene höhere Informationsdichte relevanter Parameter und Informationen in kürzerer Zeit zu erfassen und zu befunden, als es bei einem Praxisbesuch des Patienten oder reinem Anruf des Arztes möglich wäre. Sie ermöglichen zudem eine kontinuierliche Erfassung von Parametern, wie etwa der Körpertemperatur und machen die zeitliche Entwicklung im Zustand des Patienten sichtbar. RPM‐Tools sollen ferner dem Patienten ein Feedback geben, dass übermittelte Informationen durch das Praxisteam gesichtet wurden, sodass er sich sicher betreut fühlen kann. RPM‐Tools ersetzen somit keine Arzt‐Patienten‐Kontakte, sondern dienen der Unterstützung der ärztlichen Behandlung.
 
Die vom Zi ausgewählten digitalen RPM-Anwendungen im Überblick

Huma Therapeutics Limited (Anwendung: Medopad; https://huma.com/rpm/de)
Die Patientinnen und Patienten bekommen vom Leistungserbringer einen Code für eine iOS oder Android App, ebenso ein Pulsoximeter. In der App füllt der User dann einen Fragebogen aus, der unter anderem Vorerkrankungen, Symptome, Medikamente, Blutgruppe und Krankheitsverlauf abfragt. Ebenfalls kann die Zustimmung gegeben werden, Daten mit Leistungserbringern zu teilen. Die Anwendenden werden informiert, wenn ein Leistungserbringer die Vitalparameter eingesehen hat. Der behandelnde Arzt hat über ein Dashboard Zugang zu den Informationen aller Patientinnen und Patienten. Er kann sich mit ihnen über einen Videoanruf verständigen und den Status ändern, etwa wenn die behandelte Person wieder genesen ist.
 
Qurasoft GmbH (Anwendung: SaniQ Infekt; https://saniq.org/saniq-infekt/)
SaniQ Infekt unterstützt Patientinnen und Patienten mit einer Smartphone-basierten Home-Monitoring-Lösung von Erkrankungsbeginn bis Genesung. Neben der strukturierten Erfassung von Symptomen und Beschwerden ermöglicht die eingebundene Sensorik eine umfassende Erfassung der Vital- und Bewegungsdaten. Die Messwerte (u. a. Puls, Atemfrequenz, Sauerstoffsättigung, Temperatur) können analog oder mit über Bluetooth angebundenen Messgeräten erfasst und übertragen werden.
 
Ebenfalls ausgewählt wurde die Anwendung Patient.Plus der vitabook GmbH, die jedoch vor Beginn der Studie Insolvenz angemeldet hat und daher nicht einbezogen werden konnte.

Quelle: Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in der Bundesrepublik Deutschland (Zi)


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