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Gesundheitspolitik von JOURNALMED.DE
30. Mai 2017

Jeder siebte Deutsche stirbt vorzeitig am Rauchen

„Bei der Tabakkontrolle liegen wir auf einem der letzten Plätze in Europa“, bedauert Prof. Dr. Heino Stöver vom Institut für Suchtforschung der Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS). In absoluten Zahlen ausgedrückt: Deutschland liegt mit 16,3 Millionen Raucherinnen und Rauchern unter den Top Ten der Staaten mit den meisten Raucherinnen und Rauchern. Hierzulande stirbt der Studie von John Britton zufolge jeder Siebte am Rauchen – damit liegt die Bundesrepublik sogar über dem weltweiten Durchschnitt (1). Zwar ist seit dem Jahr 1990 in Deutschland die Verbreitung des Rauchens leicht zurückgegangen, allerdings deutlich weniger als im Durchschnitt aller Länder weltweit.
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Die Zahl der Rauchenden ging in Deutschland bei den Männern in den vergangenen 25 Jahren im Schnitt um 0,9% pro Jahr zurück, bei den Frauen lediglich um 0,3%. Deutschland ist ein Tabakhochkonsumland: Eine Prävalenz von 25-28% abhängigen Raucherinnen und Rauchern wird nur noch in wenigen Ländern Europas (z.B. Österreich und Griechenland) übertroffen.
 
„Bei den Zigarettenautomaten sind wir Weltmeister: 330.000 Automaten gibt es sonst nirgendwo“, betont Stöver. „Ihre stillschweigende Botschaft lautet meiner Meinung nach, dass Tabakkonsum zum Alltag und zum Stadtbild gehört. Deshalb fordere ich, alle Automaten abzuschaffen. Die Registrierung per Bankkarte oder Personalausweis als volljährige Person war zwar ein richtiger Schritt zum Schutz der Jugendlichen, kann aber leicht umgangen werden und geht mir nicht weit genug.“
 
110.000 tabakbedingte Todesfälle gibt es in Deutschland pro Jahr, das heißt 300 Menschen sterben pro Tag vorzeitig an den Folgen des Rauchens. „Folgeschäden des Rauchens sind hierzulande die häufigste Todesursache“, erklärt Stöver. Die tabakbedingten Schäden wie Arzt-, Therapie- und Krankenhauskosten, Arbeitsausfälle sowie Nichtraucherschädigungen werden auf ca. 21 Milliarden Euro pro Jahr veranschlagt. „Die Tabakpolitik setzt in Deutschland einseitig auf Abstinenz während schadensminimierende Strategien für diejenigen Raucher/-innen, die noch nicht aufhören können oder wollen, tabuisiert werden. Rauchreduktionsprogramme und E-Zigaretten sollte hier bedeutendere Rollen einnehmen, wie es in anderen Ländern – etwa in England – bereits erfolgt ist“, fordert Stöver. „Zudem wird in Deutschland vergleichsweise wenig für eine effektive Tabakprävention getan. Deutschland ist das einzige Land in Europa, das noch uneingeschränkt Tabakaußenwerbung erlaubt, das darf nicht sein. Tabakkontrollpolitik muss endlich wirksame Maßnahmen gegen das Rauchen ergreifen und konsequent Gesundheitsinteressen über wirtschaftliche Interessen der Tabakindustrie stellen. Auch Verluste durch Steuereinnahmen dürfen hier keine Rolle spielen“, mahnt Stöver an.

Quelle: Frankfurt University of Applied Sciences

Literatur:

(1) John Britton: Death, disease and tobacco. In: The Lancet, Volume 389, No. 10082, p1861–1862, 13 May 2017


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