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Gesundheitspolitik von JOURNALMED.DE
02. Mai 2017
Seite 1/2

Rabattverträge: „Aus Fehlern muss man jetzt lernen“

Der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie e.V. (BPI) fordert die Krankenkassen auf, ihren Beitrag zur Erhöhung der Liefersicherheit und Vermeidung von Lieferengpässen zu leisten. „Dass ausgerechnet die AOK Baden-Württemberg, die federführend für die AOKen Rabattverträge koordiniert und der Vorreiter bei Rabattverträgen ist, jetzt Forderungen zu weiteren Sanktionen aufstellt, ist absurd. Christopher Hermann sollte jetzt seine Hausaufgaben machen, statt planwirtschaftliche Maßnahmen wie eine vollständige Überwachung von Liefermengen versorgungskritischer Arzneimittel in der gesamten Lieferkette vom Hersteller über den Großhandel bis zu Apotheke zu fordern. Planwirtschaft hat noch nie funktioniert: Wir brauchen einen funktionierenden Markt.“, so Dr. Norbert Gerbsch, stv. Hauptgeschäftsführer des BPI.
Noch vor fünf Jahren feiert AOK-Chef Christopher Hermann sich und seine Rabattverträge als „Mittel einer effizienten Arzneimitteltherapie“. Jetzt folgt die Katerstimmung: Denn was die Krankenkassen durch Rabattverträge an Geld einsparen, bezahlen deren Versicherte mit höheren Risiken der Versorgungssicherheit. „Wir haben davor gewarnt, dass der Preisdruck eine Marktkonzentration provoziert. Immer mehr kleine und mittlere Unternehmen hat diese Kassen-Politik in den vergangenen Jahren  aus diesem Markt gedrängt. Andere haben ihr Produktportfolio reduzieren müssen“, so Dr. Norbert Gerbsch. Der BPI fordert seit langem eine grundlegende Reform der Rabattvertragspraxis zwischen Krankenkassen und Pharmaunternehmen. Gerbsch: „Das Risiko für Lieferengpässe wäre geringer, wenn es grundsätzlich erst Ausschreibungen für Arzneimittel geben darf, wenn mindestens vier Anbieter im Markt sind und zudem die Krankenkassen an mindestens drei Anbieter Zuschläge erteilen müssen, von denen mindestens einer den Standort seiner Produktionsstätte in der EU nachweisen muss.“
 
Das Risiko für Lieferengpässe steigt dagegen, wenn Krankenkassen sich aus Kostengründen nur an einen Hersteller binden. Kann dieser aus technischen Gründen nämlich einmal nicht oder nicht rechtzeitig liefern, bekommt der Patient in der Apotheke nicht mehr sein gewohntes Arzneimittel ausgehändigt. Kritisch wird es, wenn nicht mehr genügend Anbieter da sind, die einen Wirkstoff herstellen. Dann kann es sogar zu einem Versorgungsengpass kommen. Unberührt davon haben die Kassen bei den Verhandlungen die Sparschrauben auch in den letzten Jahren ordentlich angezogen: So erhielten sie bereits in 2016 mehr als 3,6 Milliarden Euro an Rabatten auf ihre Arzneimittelausgaben. Das waren rund 14% höhere Einsparungen als noch im Vorjahr. „Und nun wundert sich Herr Hermann darüber, dass die Anfälligkeit für Lieferengpässe steigt, fordert Reservehaltung und Mengenüberwachung  und Sanktionen, statt zu seine Hausaufaufgaben zu machen und zu mehr Anbietervielfalt beizutragen“, so Gerbsch.
 
Der Gesetzgeber hat erkannt, dass Handlungsbedarf besteht – und reagiert: Mit dem Arzneimittelversorgungsstärkungsgesetz ist zumindest die Ausschreibungspolitik der Krankenkassen für Impfstoffe gestoppt worden. Den Vorschlag der Industrie im Pharmadialog, Rabattvertragsausschreibungen jenseits der Impfstoffe verpflichtend an mindestens drei Bieter zur vergeben, hat die Politik leider nicht aufgegriffen. Hier besteht Handlungsbedarf.
 
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