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26. Mai 2014 Punkten mit Praxis - So bestehen BWL-Studenten gegen die Konkurrenz

Ein BWL-Studium galt lange als sicherer Weg in eine gut dotierte Führungsposition. Doch die Zeiten sind vorbei. Heute müssen Betriebswirte oft die Ochsentour durch die Hierarchieebenen machen. Ein langes Studium ist dafür keine zwingende Voraussetzung. Die einen träumen von einem Job mit dickem Gehalt und Dienstwagen. Andere wollen einfach etwas Solides studieren und landen eher zufällig bei Betriebswirtschaftslehre (BWL). Sicher ist nur: Für kein anderes Fach sind so viele Studierende eingeschrieben. Doch vermutlich werden auch in kaum einem anderen Studiengang so viele Hoffnungen enttäuscht. Der Arbeitsmarkt für BWLer ist längst nicht mehr so rosig, wie er es vor einigen Jahren war. Um Chancen auf einen spannenden und lukrativen Arbeitsplatz zu haben, müssen Absolventen aus der Masse herausstechen.

Die Zahl der Blauäugigen sei in der Betriebswirtschaft nach wie vor relativ hoch, sagt Claudia Frieling, Karrierecoach aus Münster. "Die haben ihr Studium eher nach Schema F durchgezogen, wollen dann ins Marketing, weil sie halt Werbung irgendwie spannend finden - und der Arbeitgeber soll am besten noch ein bekannter Weltkonzern sein", sagt sie. Das gelinge fast nie. Wer sich ein realistisches Bild von seinem Berufsfeld macht, der merkt schnell: Die Masse der Jobs gibt es nicht bei Weltkonzernen mit klingenden Namen, sondern bei völlig unbekannten Mittelständlern. Und Betriebswirte sind nicht mehr zwangsläufig die Manager in den oberen Etagen. Die meisten unbesetzten Jobs gab es zuletzt im Einzelhandel, sagt Ralf Beckmann, Arbeitsmarktexperte bei der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg. Besonders hoch war die Nachfrage nach Betriebswirten im Verkauf - etwa als Leiter einer Einzelhandelsfiliale.

Generell ist Betriebswirtschaft erstmal nur ein Sammelbegriff für ganz viele verschiedene Tätigkeiten, betont Beckmann. Es gibt Jobs im Vertrieb, in der Logistik, im Finanz- und Rechnungswesen, im Export, im Kundenservice, in der Statistik oder bei der Marktforschung.

Um in der Vielfalt den richtigen Job zu finden, müssen Studenten wissen, was zu den eigenen Interessen und Stärken passe, erklärt Frieling. Wer kreativ ist, sei vielleicht im Marketing gut aufgehoben; wer keine Angst vor ellenlangen Excel-Tabellen hat, könne ein guter Controller werden; wer gern mit Menschen umgeht, sei häufig in der Personalabteilung richtig. Die Entscheidung für einen dieser Bereiche sollten Studierende nicht zu lange vor sich herschieben. "Wer im Studium keine Schwerpunkte setzt, wird es später schwer haben", warnt Frieling.

Nach dem Studienabschluss dürfen Absolventen nicht zu viel erwarten. Statt mit einem gut dotierten Job und großer Verantwortung beginnt der Arbeitsalltag für die meisten ganz unglamourös. "Man ist am Anfang nicht gleich eine Führungskraft, sondern eher ein besserer Verwaltungsangestellter", sagt Joachim Sauer, Präsident des Bundesverbands der Personalmanager in Berlin. Das durchschnittliche Gehalt liege bei etwa 40.000 Euro im Jahr. "Das ist oft nicht das, was sich Berufseinsteiger erhoffen."

Gerade in großen Unternehmen müssten sich junge Betriebswirte erstmal weit unten in der Hierarchie einordnen. "Die inhaltlichen Anforderungen sind gerade in großen Konzernen am Anfang viel geringer als das Niveau, das Studenten von der Uni gewohnt sind", sagt Sauer. "Da kann ich vielleicht vor meinen Freunden prahlen, wenn ich den Namen meines Arbeitgebers nenne - aber in Wirklichkeit sitze ich nur als Lehrling im Backoffice und weiß, dass ich unterfordert bin."

Die wirklich spannenden und lehrreichen Jobs für Neulinge schlummern deshalb oft im Verborgenen: Bei mittelgroßen, relativ unbekannten Firmen. "In mittelständischen Betrieben wird man von Anfang an mit größeren Herausforderungen konfrontiert, hat kürzere Entscheidungswege und kann selbst Verantwortung übernehmen", ist sich der Personalmanager sicher. Dabei lernten Berufseinsteiger automatisch mehr.

Und noch eine Entwicklung sehen Experten. Während früher schnurgerade Biografien mit hohen Uni-Abschlüssen gefragt waren, schauten die Personalentscheider heute eher auf Lebenserfahrung, ergänzt Sauer. "Wir brauchen Leute, die nicht nur die nackten Zahlen sehen. Wer über Entlassungen nachdenkt, muss auch die Wirkung dieser Entscheidung in den Medien und die Konflikte mit der Belegschaft mitbedenken können."

Gerade in Zeiten der immer stärker verschulten Studiengänge werde Praxiserfahrung zu einem unschätzbaren Wettbewerbsvorteil auf dem Arbeitsmarkt. Immer mehr Firmen setzten deshalb gar nicht auf die theoretisch sehr gut ausgebildeten Master-Absolventen. Ein Bachelor-Absolvent, der noch ein Trainee-Programm im Unternehmen durchlaufe, sei den Personalentscheidern oft lieber, sagt Sauer.

Das beobachtet auch Arbeitsmarktexperte Beckmann. Absolventen von Fachhochschulen seien ebenfalls sehr gerne gesehen. Auch eine Berufsausbildung vor dem Studium - etwa bei einer Bank oder einem Steuerberater - sei bei der Jobsuche ein Pluspunkt.

Letztlich sei Durchhaltevermögen gefragt, erklärt Sauer. "Wir haben wahrlich keinen Mangel an Betriebswirten", sagt er. Entscheidend sei deshalb, ein eigenes Profil zu entwickeln und keine Scheu davor zu haben, sich allmählich von unten noch oben hochzuarbeiten.


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