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Gesundheitspolitik von JOURNALMED.DE
06. September 2012

Orthonet-NRW: „Die GKV verhält sich perfide“

Orthopäden aus Nordrhein laufen Sturm: Nicht nur, dass die Krankenkassen auf erneut gestiegenen Milliardenüberschüssen aus den Versichertengeldern sitzen, laut orthonet-NRW – ein Zusammenschluss niedergelassener Orthopäden aus Nordrhein – sinke das Niveau der Argumente seitens der Krankenkassen immer tiefer. Die Orthopäden fordern GKV und Bundesgesundheitsministerium auf, die Beiträge an die Patienten zurückzugeben, und zwar in Form von qualitativer medizinischer Vorsorgung.

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Hintergrund: Laut Bundesgesundheitsministerium haben die Krankenkassen 12,8 Milliarden Euro zum Ende des ersten Halbjahres als Polster angespart, plus neun Milliarden im Gesundheitsfonds. Damit belaufen sich die Reserven der gesetzlichen Krankenversicherung auf unglaubliche 21,8 Milliarden Euro. Patienten profitieren davon aber wieder einmal nicht. Im Gegenteil, die ambulante Versorgung der Patienten wird aktuell durch die Krankenkassen bewusst qualitativ erheblich gesenkt. Während das Bundesgesundheitsministerium zumindest für das Abschaffen der Praxisgebühren plädiert, sehen die Ärzte des orthonet-NRW dringenden Handlungsbedarf, dieses Geld in die Qualität der medizinischen Versorgung zu investieren. „Wenn den Kassen, die derzeit Überschüsse von fast 22 Milliarden Euro horten, die ambulante, also operationsvermeidende, konservative orthopädische Schmerztherapie nur noch 7 Euro im Monat wert ist, braucht es nicht viel Phantasie, um sich auszumalen, wie viel qualifizierte Therapie da noch leistbar ist,“ zieht Dr. Wolfgang Mertens Vorstandsmitglied des orthonet NRW ein Beispiel aus der Orthopädie zurate. „Das passt nicht zusammen und läuft den Interessen der Versicherten völlig zuwider, obwohl scheinheilig genau das Gegenteil suggeriert wird. Denn im gleichen Atemzug fordern die gesetzlichen Krankenkassen, der konservativen Behandlung von Bandscheibenvorfällen den Vorzug vor operativen Eingriffen zu geben, das ist einfach nur zynisch und in der Vorgehensweise perfide.“

Und für die Ärzte kommt es noch dicker. Als Leistungserbringer geraten sie immer wieder ins Kreuzfeuer. So hat sich sowohl in der Rhetorik der GKV als auch der zuständigen Minister der Begriff Honorar völlig gewandelt: So stellen sie gerne dar, das Honorar sei das Einkommen des Arztes. So klingt die jetzige Steigerung der Honorare von 0,9% aus dem Munde der Kassen für die Öffentlichkeit dann wie eine Einkommenssteigerung der Ärzte. „In der Realität verpuffen diese aber schon allein durch den Inflationsausgleich“, betont Dr. Ramin Nazemi, Essener Orthopäde. „Schließlich sind Honorare lediglich das, was Kassen für die gesamte Diagnostik und Therapie eines Patienten bezahlen. Sie sollen neben den Personalkosten auch feste Kosten, wie Miete, Verbrauchsmaterialien sowie die Wartung oder gar Anschaffung neuer Geräte decken.“ Für Nazemi seien die erheblichen Rücklagen der GKV überhaupt nur durch Einsparungen in der Therapie und dem Konjunkturanstieg möglich geworden und nicht durch positive Leistungen der GKV. „Wer diesem Gedankengang folgt, kann nur zu dem Schluss gelangen, dass die Überschüsse durch eine bewusste Absenkung der Qualität ambulanter Behandlungen erzielt wurden.“ Seiner Meinung nach würde die GKV sogar mit Wahlleistungen rechnen und planen. „Im Endeffekt bezahlt der Patient dann brav seine Kassenbeiträge, um die Verwaltung zu finanzieren. Und seine Therapie zahlt er trotzdem noch selbst.“

Quelle:


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