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Gesundheitspolitik von JOURNALMED.DE
14. Dezember 2015

Online-Beratung als Herausforderung für angehende Ärzte

Der Umgang mit Patienten im Internet stellt eine neue Herausforderung für Ärzte dar. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-WissenschaftsCampus Tübingen "Bildung in Informationsumwelten" erforschen, wie angehende Mediziner bereits in ihrem Studium auf die Schwierigkeiten der online-basierten Kommunikation mit Patientinnen und Patienten vorbereitet werden können.

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Was an Fragen zur Gesundheit früher nur durch den Gang zum Arzt geklärt werden konnte, wird heute vielfach im Internet diskutiert. Beispielsweise nutzen immer mehr Menschen medizinische Expertenforen im Internet, in denen sie sich von Ärzten beraten lassen können. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-WissenschaftsCampus Tübingen "Bildung in Informationsumwelten" haben in Kooperation mit der Universitäts-Frauenklinik ein Online-Forum entwickelt, das sowohl als Lern- als auch Untersuchungsumgebung genutzt wird. Medizinstudierende des neunten Fachsemesters haben im Rahmen einer Lehrveranstaltung im Bereich der Gynäkologie in diesem Online-Forum Patientenanfragen beantwortet. Mit der Studie wurde untersucht, wie die Formulierung der Anfragen von Patienten das Antwortverhalten angehender Mediziner beeinflusst.

Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen, dass Medizinstudierende auf emotionale Patientenanfragen emotionaler antworten als auf wissenschaftlich formulierte Anfragen. Generell nutzen Medizinstudierende aber unabhängig von der Wissenschaftlichkeit der Anfrage viele wissenschaftliche Begriffe. Außerdem zeigt die Studie, welche Rolle das persönliche Gesundheitsverständnis der Medizinstudierenden in Bezug auf ihre Antworten spielt. Studierende, denen wissenschaftliche Erkenntnis, standardisierte Tests und Leitlinien besonders wichtig sind, d.h. die eine stark schulmedizinische Auffassung von Medizin vertreten, gaben wissenschaftlichere Antworten und reagierten weniger emotional zugewandt. Sie bemühten sich außerdem weniger um den Beziehungsaufbau zu den Patienten. Zusammenfassend zeigt die Studie, dass auf Seiten der Medizinstudierenden online-basierte Patientenkommunikation bereits im Studium geübt werden kann und dies angesichts der gestiegenen Relevanz auch geschult werden sollte. Die Ergebnisse dieser Studie legen nahe, dass Forenantworten von medizinischen Experten meist wissenschaftlich geprägt sind. Wer aber emotionale Unterstützung oder Lebensrat sucht, sollte seine Ängste explizit formulieren - sonst wird die Antwort in Online-Foren auf der Faktenebene bleiben.

Die internet-basierte Kommunikation stellt eine neue Herausforderung für Ärzte dar, auf die sie bereits im Studium vorbereitet werden sollen. Patienten erwarten sich von einer Online-Beratung ähnliche Aspekte wie von einer persönlichen Sprechstunde, nämlich emotionale Unterstützung und eine verständliche Vermittlung von Fachinformationen. Ein Online-Expertenforum stellt jedoch eine stark reduzierte Kommunikationssituation dar. Es besteht dort keine Möglichkeit, nonverbale Äußerungen wie Gesichtsausdruck, Körperhaltung oder andere körperliche Gegebenheiten von Patienten zu erkennen und zu interpretieren. Der Formulierung der Anfrage eines Patienten und der jeweiligen Antwort kommt daher eine besondere Bedeutung zu.

Die Studie entstand im Rahmen des Leibniz-WissenschaftsCampus Tübingen "Bildung in Informationsumwelten" in einer Zusammenarbeit des Leibniz-Instituts für Wissensmedien mit dem Kompetenzzentrum für Hochschuldidaktik in Medizin Baden-Württemberg und der Universitäts-Frauenklinik Tübingen.

Quelle: Leibniz-Institut für Wissensmedien


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