Dienstag, 18. Mai 2021
Navigation öffnen
Anzeige:
Vectibix
Gesundheitspolitik von JOURNALMED.DE
04. November 2015

OECD: Deutschland hat in Europa mit das teuerste Gesundheitswesen

Eine gute Gesundheitsversorgung kostet Geld. Das schlägt sich unter anderem in steigenden Versicherungsbeiträgen nieder. Bei der Effizienz gibt es im deutschen System aber noch Luft nach oben.

Anzeige:
Revolade
Revolade
 

Deutschland hat nach einem OECD-Bericht mit das teuerste Gesundheitssystem in Europa, ist aber nicht in allen Bereichen unter den Spitzenreitern. Dies geht aus dem Bericht "Gesundheit auf einen Blick" der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hervor, der am Mittwoch vorgestellt wurde. Die Gesundheitsausgaben lagen danach 2013 bei 11% des Bruttoinlandsproduktes (BIP) und damit deutlich über dem Durchschnitt innerhalb OECD von 8,9% vom BIP.

Der OECD-Bericht bemängelt unter anderem eine hohe Zahl vermeidbarer Krankenhausfälle. Dies sei unter anderem darauf zurückzuführen, dass sich die Zahl der Krankenhausbetten trotz Rückgang immer noch auf einem hohen Niveau befinde und damit auch zu Eingriffen Anreize geben könne, die nicht zwingend seien, so die Argumentation der OECD.

Nach Darstellung der Organisation sind deutsche Ärzte im Durchschnitt relativ alt. 2013 seien 42% 55 Jahre und älter gewesen. Ausländische Ärzte würden zur Deckung des Personalbedarfs immer wichtiger. Von 2000 bis 2014 stieg deren Zahl von knapp 10 000 auf 32 000, was einem Anteil von 8,8% entspricht. Durch die Alterung der Bevölkerung werde das Gesundheits- und Pflegesystem insgesamt vor besondere Herausforderungen gestellt.

Anders als der Eindruck hierzulande müssen die Patienten in Deutschland im OECD-Vergleich nur geringe Wartezeiten bei der Gesundheitsversorgung in Kauf nehmen. Die finanzielle Eigenleistung der Patienten sei relativ gering und die Wahlmöglichkeiten der Patienten dagegen recht gut.

Nach dem OECD-Bericht sind die Arzneimittelausgaben in Deutschland höher als in den allermeisten anderen europäischen Staaten. Und auch im OECD-Vergleich liegt Deutschland mit 678 US-Dollar (rund 620 Euro) pro Einwohner 30% über dem Durchschnitt. "In Europa toppt das nur Griechenland", hieß es.

Im vergangenen Jahr stiegen hier die Ausgaben nach einer Phase der Stagnation (2009-2013) um etwa 7%. Die allgemeinen Pro-Kopf-Gesundheitsausgaben wuchsen von 2009 bis 2013 im Schnitt dagegen nur um zwei Prozent jährlich, 2014 nach vorläufigen Schätzungen um 2,5%.

Dass die Arzneimittelkosten so stark nach oben gegangen seien, begründe sich zum Teil mit erhöhten Ausgaben für sehr teure Medikamente wie Hepatitis C-Präparate. Darüber hinaus sei der Rabatt, den Hersteller Krankenkassen für patentgeschützte Arzneimittel gewähren müssen, Anfang 2014 gesunken.

Die Deutschen nähmen verhältnismäßig viele Medikamente ein. "Ihr Verbrauch von Blutdruck senkenden Mitteln zum Beispiel ist höher als in allen anderen OECD-Ländern und liegt beim Dreifachen der in Österreich konsumierten Menge."

Auch würden hierzulande Antidiabetika wesentlich häufiger verschrieben als im OECD-Schnitt. Zwischen 2000 und 2013 habe sich der Verbrauch fast verdoppelt. Die Zunahme hänge auch mit der Alterung der Gesellschaft und dem Anstieg der Zahl Übergewichtiger zusammen.

Noch stärker gestiegen ist der Verbrauch von Antidepressiva. Hier liegt Deutschland zwar mit 53 Tagesdosen je 1000 Einwohner etwas unter dem Schnitt der Industrieländer (58 Tagesdosen). 2000 lag der Verbrauch hierzulande aber erst bei 21 Tagesdosen.
 


Anzeige:
Keytruda Lunge
Keytruda Lunge
Das könnte Sie auch interessieren
Experte klärt in Videos laienverständlich über AML auf
Experte+kl%C3%A4rt+in+Videos+laienverst%C3%A4ndlich+%C3%BCber+AML+auf
© littlebelli / Fotolia.com

Die Akute Myeloische Leukämie (AML) ist eine sehr komplexe und aggressive Erkrankung, häufig mit einer ungünstigen Prognose. Oft bleiben nach dem ersten Schock für die Patienten viele Fragen im Arzt-Patientengespräch ungestellt oder die Betroffenen können nicht alle Informationen aufnehmen und verarbeiten. Auf der Patientenwebsite www.krebsratgeber.de von Janssen können Betroffene gezielt Antworten rund um...

Schmerzmittel Methadon ist kein Krebsheilmittel - keine falschen Hoffnungen wecken
Schmerzmittel+Methadon+ist+kein+Krebsheilmittel+-+keine+falschen+Hoffnungen+wecken
@ efmukel / Fotolia.com

Das Opioid Methadon sollte nicht zur Tumortherapie eingesetzt werden. Die derzeit vorliegenden Daten aus Labor- und Tierversuchen sowie einer Studie mit 27 Krebspatienten reichen nicht aus, um eine Behandlung zu rechtfertigen. Einige Medienberichte wecken dennoch bei an Leukämie oder Hirntumor erkrankten Patienten die falsche Hoffnung auf Heilung. Methadon ist zur Behandlung starker Schmerzen zugelassen und ein etabliertes Medikament in...

Junge Krebspatienten: Ausbildung und Familie, aber auch Angst und Schmerzen
Junge+Krebspatienten%3A+Ausbildung+und+Familie%2C+aber+auch+Angst+und+Schmerzen
© pathdoc / Fotolia.com

„Ich hatte große Träume für mein Leben, jetzt denke ich oft viel, viel kurzfristiger“, sagt die 25-jährige Studentin Mia*, die vor anderthalb Jahren an Krebs erkrankte. Nach der Diagnose musste sie ihr Studium unterbrechen, ihre Familienplanung in Frage stellen und auch mit ihrem Freundeskreis einen neuen Umgang finden. Sie ist eine von rund 15.000 jungen Menschen, die jährlich im Alter von 18 bis 39 Jahren...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"OECD: Deutschland hat in Europa mit das teuerste Gesundheitswesen"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH - Geschäftsbereich rs media widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.