Samstag, 15. Mai 2021
Navigation öffnen
Anzeige:
Imfinzi NSCLC
Imfinzi NSCLC
Gesundheitspolitik von JOURNALMED.DE
13. November 2013

Nutzenbewertung von Medikamenten erfordert mehr Einbeziehung der Expertise von Fachgesellschaf

Diabetes mellitus ist mit sechs Millionen Diagnostizierten und vermutlich zwei Millionen weiteren Betroffenen mit bislang unerkanntem Diabetes in Deutschland eine Volkskrankheit. Die Therapie der chronischen Stoffwechselerkrankung ist aufwändig und teuer. Im Rahmen des AMNOG bewertet der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) den Nutzen neu zugelassener Arzneimittel zu einem frühen Zeitpunkt. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) sieht den aktuellen Prozess der Frühbewertung kritisch. Sie fordert, mehr Expertise der Fachgesellschaften einzubringen, damit langfristig chronisch Kranken keine innovativen Therapieoptionen vorenthalten werden. Dies ist eines der Themen der 7. Diabetes Herbsttagung der DDG, die vom 15. bis 16. November 2013 im ICC Berlin stattfindet.

Anzeige:
Digital Gesamt 2021
Digital Gesamt 2021
 

Seit das Gesetz zur Neuordnung des Arzneimittelmarktes (AMNOG) im November 2010 beschlossen wurde, prüft der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) neu zugelassene Medikamente innerhalb von drei Monaten nach Markteinführung hinsichtlich ihres Zusatznutzens gegenüber einer zweckmäßigen Vergleichstherapie. Wird kein Zusatznutzen nachgewiesen und ist der Arzneimittelhersteller nicht bereit, den Preis für das neue Medikament zu senken, ist das Präparat gegebenenfalls bereits ein Jahr nach Markteinführung nicht mehr verfügbar.
 
Hier setzt die Kritik der DDG an. Die Fachgesellschaft stellt das Verfahren, die Wertigkeit eines Medikaments nur anhand eines Zusatznutzens und im Rahmen eines kurzen Einsatzeitraums zu bewerten, in Frage. "Bei Metformin aus der Gruppe der Biguanide hat sich erst nach jahrelanger Anwendung gezeigt, wie viele Zusatzeffekte es außer der Beeinflussung des Blutzuckers hat. Ein Medikament muss erst eine gewisse Zeit im klinischen Einsatz sein, bevor man seinen Wert definitiv beurteilen kann", sagt Prof. Dr. med. Klaus-Dieter Palitzsch, Tagungspräsident der 7. Diabetes Herbsttagung, DDG-Vorstandsmitglied und Chefarzt der Klinik für Endokrinologie, Diabetologie, Angiologie und Innere Medizin, Notfallzentrum am Klinikum Neuperlach, Städt. Klinikum München GmbH. Die frühe Nutzenbewertung verhindere, Erfahrungen mit Medikamenten in Bezug auf ihre Wirksamkeit, Arzneimittelsicherheit und Verträglichkeit zu sammeln.
 
Außerdem unterscheide sich der Einsatz eines Medikaments im Praxis- und Klinikalltag von dem Einsatz in Arzneimittelstudien, gibt Palitzsch zu bedenken. "Hier werden keine streng ausgewählten Probanden behandelt, sondern Patienten, die Begleiterkrankungen haben, weitere Medikamente einnehmen müssen und völlig unterschiedliche Lebensgewohnheiten haben." Kritisch sieht der Tagungspräsident auch die derzeitige Praxis, im Rahmen der Bewertung Studien miteinander zu vergleichen. "Wenn man die Vorgaben für die Durchführung von klinischen Studien und deren Wandel im Laufe der Zeit betrachtet, so ist ein Vergleich definierter Ergebnisse sehr schwer."
 
Darüber hinaus sind Vertreter von Fachgesellschaften im G-BA nicht vorgesehen beziehungsweise vertreten, womit ihre Expertise auch nicht in den Bewertungsprozess einbezogen werden kann. Damit aber chronisch Kranken langfristig keine wichtigen Therapieoptionen vorenthalten werden, müssten Fachgesellschaften wie die DDG sich kontinuierlich in die wissenschaftliche und inhaltliche Diskussion der Nutzenbewertung im Rahmen des AMNOG-Prozesses einbringen. Dies sei möglich, indem Vertreter in beratende Kommissionen wie die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft entsendet würden so Prof. Palitzsch.
 
Terminhinweise:
Symposium "Diabetologie trifft Diabetestherapie I"
Termin: Freitag, 15. November 2013, 08.30 bis 10.30 Uhr
Ort: Saal 2 im ICC Berlin
 
Symposium "Diabetologie trifft Diabetestherapie II"
Termin: Freitag, 15. November 2013, 13.15 bis 15.15 Uhr
Ort: Saal 2 im ICC Berlin

Quelle: DDG


Das könnte Sie auch interessieren
Frauenselbsthilfe Krebs unterstützt Menschen mit Krebs auch während der Corona-Krise
Frauenselbsthilfe+Krebs+unterst%C3%BCtzt+Menschen+mit+Krebs+auch+w%C3%A4hrend+der+Corona-Krise
©Photographee.eu - stock.adobe.com

Die Diagnose Krebs ist für die meisten Menschen ein schwerer Schock. In Corona-Zeiten kommt nun auch noch die Angst hinzu, dass die medizinische Versorgung nicht so gut sein könnte, wie sie es in normalen Zeiten in Deutschland ist. Gerade in dieser Situation brauchen die Betroffenen starke Partner an ihrer Seite. Zu diesen zählt Deutschlands größte und älteste Krebs-Selbsthilfe-Organisation, die...

Mit individuell zugeschnittenen Behandlungen länger überleben
Mit+individuell+zugeschnittenen+Behandlungen+l%C3%A4nger+%C3%BCberleben
© Sebastian Kaulitzki / Fotolia.com

Lange Zeit galt die Diagnose Lungenkrebs als sicheres Todesurteil. Dank neuer Diagnostik und personalisierter Behandlungsmethoden haben sich die Aussichten für Betroffene in den letzte fünf Jahren dramatisch verbessert, wie Experten auf dem Kongress der European Respiratory Society (ERS) in Mailand erklärten. Wichtig sei, stets einen Lungenfacharzt in die Behandlung mit einzubeziehen, betont die Deutsche Gesellschaft für...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Nutzenbewertung von Medikamenten erfordert mehr Einbeziehung der Expertise von Fachgesellschaf"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH - Geschäftsbereich rs media widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.