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Gesundheitspolitik von JOURNALMED.DE
30. März 2017

Erstes Netzwerk zur Angehörigen-Betreuung von Organspendern nimmt Arbeit auf

Angehörige von Organspendern haben jetzt erstmals auch in Deutschland die Möglichkeit, sich vor oder nach ihrer Entscheidung zur Organentnahme vom „Netzwerk Spenderfamilien“ beraten zu lassen. Der neue Verein hat im Rahmen des 134. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) seine Arbeit aufgenommen, der vom 21. bis 24. März 2017 in München stattfand. Als Anschubfinanzierung dienen Spenden in Höhe von 10.000 Euro, die bei einem Benefizlauf anlässlich des Chirurgenkongresses eingenommen wurden.
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DGCH-Präsident Professor Dr. med. Tim Pohlemann übergab den Spendenscheck am vergangenen Freitag offiziell an Netzwerk-Initiatorin und Bundesvorsitzende Lebertransplantierte Deutschland e. V., Jutta Riemer, und Marita Donauer, Spenderangehörige und Mitglied des Gründungsteams. Das Netzwerk bietet ab sofort allen Interessierten seine Unterstützung an.
 
Angehörige von Organspendern hatten bisher in Deutschland keine politische Stimme. „Das gab es bisher nur in der Schweiz, obwohl ein solcher Bedarf ganz klar auch bei uns existiert“, erklärte Professor Dr. med. Tim Pohlemann. Mit der Gründung des „Netzwerks Spenderfamilien“ solle sich dies nun ändern. „Es ist sehr wichtig, mit allen Beteiligten im Dialog zu bleiben, um das Vertrauen in die Organspende zu stärken“, so Pohlemann. Angehörige, die darüber entscheiden sollen, befänden sich oft in einer schwierigen Ausnahmesituation.
 
Marita Donauer, Mitglied des Netzwerk-Gründungsteams, kennt diese Situation aus persönlicher Erfahrung. Vor elf Jahren erlag ihr Bruder unerwartet einem Gehirnaneurysma, die Mediziner stellten den Hirntod fest. „Ich kannte den Willen meines Bruders bezüglich einer Organspende nicht“, sagt Donauer. „Ich musste eine Entscheidung für ihn treffen, mit der auch ich selbst gut weiterleben konnte.“ Marita Donauer gab schließlich sieben Organe des verstorbenen Bruders zur Transplantation frei. „Davon sind sechs Empfänger heute noch am Leben, und es ist immer wieder sehr bewegend, dankbare Organempfänger zu treffen“, berichtet die 53-jährige Rheinland-Pfälzerin. „Es war die richtige Entscheidung.“ Geholfen habe ihr dabei das Gespräch mit Organempfängern, vermittelt durch die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO).
 
Das „Netzwerk Spenderfamilien“ steht für das Ja zur Organspende, für sachlich korrekte Information, gegenseitiges Verständnis zwischen Organempfängern und Spenderfamilien sowie Hilfen in der Situationsverarbeitung. Darüber hinaus will die Organisation einen flächendeckenden, würdevoll-professionellen Umgang mit den Angehörigen vor, während und nach einer Organspende ermöglichen und die Anerkennung der Organspender und deren Familien fördern. Allen, die vor der Entscheidung einer Organspende stehen, steht das Netzwerk auf Anfrage für Gespräche zur Verfügung. „Wir wollen den Angehörigen helfen, die Situation dauerhaft gut zu bewältigen, auch bei einem Nein“, betont Marita Donauer. Interessierte können das Netzwerk über die Organisation „Lebertransplantierte Deutschland e.V.“ kontaktieren (www.lebertransplantation.eu), dort ist die Vertretung der Spenderfamilien als eigenständige Gruppe angegliedert.
 
Der Chirurgenkongress fand vom 21. bis 24. März 2017 unter dem Motto „Verantwortung, Vertrauen, Sicherheit“ in München statt. Der Benefizlauf wird alljährlich zum Kongress unter dem Namen „Organspendelauf“ abgehalten – abwechselnd in Berlin und München. „Wir wollen darauf aufmerksam machen, dass Organspenden Leben retten können“, so Pohlemann. Derzeit warten bundesweit über 10.000 Patienten auf eine lebenswichtige Organtransplantation, täglich versterben drei Patienten auf der Warteliste. In diesem Jahr führten die Laufstrecken über 4,8 und 9,6 sowie 4 x 1,2 Kilometer entlang am Messesee vor dem Internationalen Congress Center München (ICM) und durch den Riemer Park. Insgesamt 177 Läufer nahmen teil, darunter Chirurgen, Studierende und Münchner. Das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege unterstützte den Lauf finanziell.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Chirurgie (DGCH)


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