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Gesundheitspolitik von JOURNALMED.DE
04. September 2012

Lücken in der Protestfront – warum nicht alle Ärzte streiken werden

Ärztestreik – die Ankündigungen freier Ärzteverbände hören sich an, als sollten die fast 89.000 Praxen und Versorgungszentren von den bayerischen Alpen bis zur Ostsee bald dicht machen. Dass viele Ärzte Wut im Bauch haben, daran dürfte nach den Verlautbarungen der vergangenen Tage wenig Zweifel bestehen. Eine Befragung zumindest in den Facharztverbänden über Praxisschließungen läuft – erste Gruppen sollen bereits zu 80% für Proteste gestimmt haben. Und doch: Wirklich flächendeckend wird es die Patienten wohl kaum treffen.

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Am Dienstagmittag schaltete zum Beispiel die Ärzteorganisation Hartmannbund auf ihrer Homepage ein Feld zum Anklicken frei: «Würden Sie sich an Praxisschließungen beteiligen?» Schon die ersten Rückläufer zeigten: Die Ärzte sind zu Kampfmaßnahmen bereit, sollten die Kassen nicht doch noch einlenken.

«Selbst im schlimmsten Fall wird es zwar Unannehmlichkeiten für die Patienten geben, aber es wird nicht dazu führen, dass sie nicht mehr versorgt werden», erläutert der Sprecher der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Ronald Stahl. So würden die Ärzte voraussichtlich nur noch das leisten, für was sie in den vorgegebenen Praxisbudgets auch bezahlt werden – und sonst nur noch Notfälle behandeln. Patienten dürften in den kommenden Wochen also vor allem noch später als heute schon Termine beim Facharzt bekommen.

Doch nicht alle Ärzte sind protestbegeistert. Denn wer keine Patienten drannimmt, verdient auch weniger. Die Angestellten müssen weiter bezahlt werden, eine Streikkasse gibt es nicht. Andere Ärzte halten die Kampfrhetorik der Funktionäre auch für überzogen. Vor allem aber sind viele Ärzte von den Honorarauseinandersetzungen zwischen KBV und Kassen-Spitzenverband auch gar nicht voll betroffen.

So haben etwa rund 3.500 Hausärzte in Baden-Württemberg einen Hausarztvertrag mit der AOK – und werden nach Sonderregeln bezahlt. Statt der ungeliebten Pauschalen pro Patient und Quartal gibt es höhere feste Summen samt Zuschlägen. Ärzte und Patienten sind zufrieden.

Seit Jahren ist vor allem die Verteilung des Milliardenhonorars zwischen den Ärzten umstritten. Kein Wunder, verdienen doch Allgemeinmediziner laut KBV-Zahlen 5.018 Euro pro Monat netto, Orthopäden 6.344 Euro und etwa Psychotherapeuten nur 2.658 Euro.

Der Deutsche Hausärzteverband pocht vor allem auf eine bessere Verteilung – und bessere Bedingungen für Hausarztverträge. «Wir müssen die sprechende Medizin stärken und nicht die Apparatemedizin noch weiter nach vorne bringen», sagt der Vorsitzende Ulrich Weigeldt. Eine pauschale Erhöhung helfe wenig. Aus Sicht der Hausärzte sollen vor allem Regionen wie Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz aufholen dürfen – und die Allgemeinmedizin.

Dass die Hausärzte wegen des Streits zwischen KBV und Kassen nun in großem Stil die Türen zu halten, erwartet man in der Branche nicht. Auch wenn ihr Verband seine Solidarität gegenüber protestierenden Kollegen betont.


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