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Gesundheitspolitik von JOURNALMED.DE
26. Februar 2014

Krankenhaus-Rankings und Bewertungen kritisch hinterfragen

Die Entscheidung für ein Krankenhaus fällt nach Einschätzung von Experten im Wesentlichen durch Hören-Sagen. Zum einen spielt die Empfehlung des behandelnden Arztes eine große Rolle, zum anderen die Meinung anderer Patienten. Wer für einen planbaren Eingriff wie eine Hüft-Operation ins Krankenhaus muss, sollte immer kritisch sein, inwieweit er diesen Angaben trauen kann.

"Klicken Sie das Deutsche Krankenhausverzeichnis an, informieren Sie sich, fragen Sie Ihren Arzt, warum er Ihnen ausgerechnet diese Klinik vorschlägt", rät Bernd Metzinger, Geschäftsführer bei der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) in Berlin. "Vergleichen Sie, wo sind die Vorteile gegenüber einer anderen Klinik." Sagt der Arzt, seiner Einschätzung nach kommen die Patienten mit einer neuen Hüfte beweglicher aus dieser als aus einer anderen Klinik, könne das ein gutes Zeichen sein. Das gelte auch, wenn der Arzt aus Erfahrung wisse, dass sich das Krankenhaus zum Beispiel darum kümmert, dass der Patient nach dem Eingriff schnell in die Reha kommt.

Grundsätzlich skeptisch bei Klinikempfehlungen von Fachärzten ist der Gesundheitswissenschaftler Prof. Joachim Kugler von der Medizinischen Fakultät der TU Dresden: "Es werden oft bestimmte Krankenhäuser bevorzugt, weil es dafür Geld gibt", erklärt er. Diese sogenannten Fangprämien, die Kliniken an niedergelassene Ärzte zahlen, seien von höchstrichterlicher Seite nicht als Bestechung gewertet, sondern für zulässig erklärt worden.

"Auffällig ist es, wenn der Arzt ein weiter entfernt liegendes Krankenhaus empfiehlt", betont Kugler in diesem Zusammenhang. Allerdings sei der Patient heutzutage ohnehin nicht mehr an den Vorschlag seines Arztes gebunden, sondern könne frei entscheiden.Auch die Krankenkasse könne ihm nicht verbieten, ein anderes Krankenhaus zu wählen, solange keine zusätzlichen Kosten entstehen.

Bei Klinikbewertungsportalen im Internet ist nach Einschätzung von Prof. Hartmut Siebert vom Aktionsbündnis Patientensicherheit Skepsis ebenfalls angebracht. "Unzufriedene Patienten schreiben dort eher ihre Kommentare auf", sagt er. Beruft sich eine Klinik auf positive Patientenbewertungen, die sie selbst erhoben hat, könne es sein, dass die Teilnehmer Suggestivfragen im Sinne der Klinik beantwortet haben.

Auch Krankenhausrankings sollten Patienten nicht blind vertrauen. Sie könnten zum Beispiel nur auf Basis von Befragungen von Fachärzten erstellt sein, erläutert Siebert. Oder anhand der Anzahl der publizierten Fachbeiträge, die über die jeweilige Behandlungsqualifikationen jedoch wenig aussagen. Die Kriterien für das Ranking seien häufig intransparent.

"Bei Rankings habe ich Magenschmerzen", sagt auch Metzinger. Diese beruhten in der Regel auf den sogenannten Routinedaten einer großen Krankenkasse und sagten nichts über die Qualität eines Krankenhauses gegenüber den Patienten aller Krankenkassen aus. "Die Daten sind eigentlich für andere Zwecke erhoben worden, nämlich zur Abrechnung", erklärt er. Ähnlich sieht das Kugler: "Bei Rankings ist oft unklar, woher die Weisheit stammt, mit der sie erstellt werden." Auch würden die Datenquellen selten ganz transparent offengelegt.

Außerdem seien die Daten für Rankings nicht risikoadjustiert, ergänzt Metzinger. Das bedeutet, dass bestimmte statistische Effekte nicht herausgerechnet worden sind - das erschwert einen seriösen Vergleich. Ein Beispiel: Ein Krankenhaus, in dessen Umkreis fünf Altenheime liegen, hat eine andere Klientel als eine Fachklinik am Starnberger See. Die Patienten sind oft kränker und älter, die Todesrate ist daher wahrscheinlich höher als in der Fachklinik. Auch sind Altenheimbewohner öfter von multiresistenten MRSA-Keimen betroffen, daher werden sie in dem ersten Krankenhaus auch öfter nachgewiesen. Für einen seriösen Vergleich müssen solche Dinge herausgerechnet werden.

Kugler empfiehlt, sich lieber bei Selbsthilfegruppen zu erkundigen. Diese dürften ihre Mitglieder innerhalb des Vereins wertend beraten und hätten "im Mittel" gute Erkenntnisse, welche Kliniken bei chronischen Erkrankungen gute Adressen seien.


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