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Gesundheitspolitik von JOURNALMED.DE
06. Dezember 2013

Krankenhäuser in der Notaufnahme - Fresenius-Deal erhöht Druck

Die finanzielle Lage vieler Krankenhäuser in Deutschland verschlechtert sich zunehmend. Jede zweite Klinik schrieb 2012 Verluste, ermittelte jüngst das Deutsche Krankenhausinstitut. Ein Jahr zuvor hatte ein Drittel über rote Zahlen geklagt. Angesichts des Kostendrucks rechnen Experten vermehrt mit Übernahmen und Zusammenschlüssen auf dem milliardenschweren Krankenhausmarkt.

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"Die hohen Personalkosten, der steigende Energieverbrauch und nötige Investitionen sind für viele Krankenhäuser in öffentlicher Trägerschaft und ihre Kommunen kaum mehr zu stemmen", sagt Branchenexperte Christian Eckert von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte.

Bereits 2013 sorgte ein Milliardendeal auf dem Klinikmarkt für Wirbel: Der Medizinkonzern Fresenius kündigte den Kauf eines Großteils des fränkischen Rhön-Klinikums an. Damit hat Fresenius nach Einschätzung des Deloitte-Experten den Druck auf Wettbewerber wie die Hamburger Asklepios und die Münchner Sana Kliniken massiv erhöht. Diese müssten zwar nicht in Panik verfallen. "Es ist aber anzunehmen, dass der Wille der beiden, durch Zukäufe weiter zu wachsen, zunehmen wird", sagt Eckert.

Für gut drei Milliarden Euro will Fresenius Rhön die Mehrzahl der Krankenhäuser abkaufen und mit der eigenen Kliniktochter Helios zusammenführen. Mit einem Umsatz von knapp 5,5 Milliarden Euro entstünde die mit Abstand größte Klinikkette Deutschlands. Auf Rang zwei folgt Asklepios, danach Sana. Rhön verliert durch den Verkauf den Großteil des Umsatzes und rutscht auf Platz vier.

Für Asklepios und den Medizintechnik-Anbieter Braun ist der Deal ein herber Schlag. Asklepios fürchtet, bei der Privatisierung von Kliniken gegen Helios ins Hintertreffen zu geraten. Braun wiederum sieht seine Marktposition als Zulieferer für Kliniken in Gefahr. Die Hessen konkurrieren mit der Fresenius-Sparte Kabi.

Mittlerweile klagt Braun gegen den Verkauf und Asklepios prüft, ob sie mit vor Gericht ziehen. Wie sich der Verkauf auf den Wettbewerb auswirkt, prüft aktuell das Bundeskartellamt. Ende Februar steht die Entscheidung an. Mittlerweile ist der Eigner des Medizintechnik-Unternehmens Braun mit einem Aktienanteil von mehr als 15% größter Rhön-Einzelaktionär - vor Rhön-Gründer Eugen Münch. Auch Asklepios-Gründer Bernard Broermann und Fresenius sind an Rhön beteiligt.

In der Branche wird derweil gerätselt, wie lange sich die "neue Rhön" als eigenständiges Unternehmen halten kann. Für Boris Augurzky vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) ist der Konzern auch alleine überlebensfähig: "Mit einem Umsatz von 1 Milliarde Euro ist Rhön größer als die meisten nicht privaten Kliniken." Sebastian Krolop von der Managementberatung Accenture sieht auf Rhön-Chef Martin Siebert eine schwierige Operation zukommen: "Das deutlich kleinere neue Rhön-Klinikum steht ungewohnten strategischen Herausforderungen gegenüber und muss zeigen, ob es alleine auf eigenen Beinen erfolgreich wirtschaften kann."

Jüngst machten Gerüchte die Runde, dass Asklepios am Rest von Rhön interessiert sein könnte. Immerhin verfügt der Asklepios-Chef über eine gut gefüllte Kriegskasse. Auch Sana-Chef Michael Philippi hatte bekundet, er wolle "sehr aktiv" bei der Konsolidierung mitmischen. Im vergangenen Mai hatten die Münchner bereits 90% am Klinikum Offenbach übernommen. Hinter Sana stehen 31 private Krankenversicherer, darunter die DKV, Signal und die Allianz. Allesamt finanzstarke Unternehmen, die das haben was vielen Krankenhäusern fehlt: Geld.


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