Sonntag, 9. Mai 2021
Navigation öffnen
Anzeige:
Vectibix
Gesundheitspolitik von JOURNALMED.DE
16. Mai 2013

Klinische Versorgung krebskranker Kinder und Jugendlicher in Deutschland ist gefährdet

Die Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie (GPOH) führt vom 24. - 25. Mai 2013 ihre 81. wissenschaftliche Halbjahrestagung in Berlin durch. Schwerpunktthemen der Tagung sind aktuelle Behandlungskonzepte für krebskranke Jugendliche und junge Erwachsene, die Therapie bösartiger Erkrankungen im Säuglingsalter, aktuelle Aspekte der Stammzelltransplantation, neue molekular gezielte Therapiemöglichkeiten und die Behandlung seltener Krebserkrankungen bei Kindern. Zudem werden in freien Vorträgen neue Erkenntnisse zu Grundlagen, Diagnostik und Therapie verschiedener Krebserkrankungen vorgestellt.

Anzeige:
Kyprolis

Im Fortbildungsteil dieser Halbjahrestagung werden neue gesetzliche Regelungen wie das Gendiagnostikgesetz sowie die 16. Novelle des Arzneimittelgesetzes (AMG) und ihre Auswirkungen auf die tägliche Arbeit in der Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit Krebserkrankungen und hämatologischen Erkrankungen vorgestellt und diskutiert. Mit den beiden wissenschaftlichen Tagungen pro Jahr, die abwechselnd in Berlin (Mai) und Frankfurt/Main (November) durchgeführt werden, wird den GPOH-Mitgliedern und interessierten kinderonkologischen Kolleginnen und Kollegen die Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch und zur gezielten Fortbildung angeboten.

Anlässlich dieser Tagung weist die Vorstandsvorsitzende der GPOH, Frau Prof. Dr. Angelika Eggert, auf ein brennendes Problem hin: Die klinische Versorgung krebskranker Kinder und Jugendlicher in Deutschland ist akut gefährdet, da eine gesicherte bundeseinheitliche Finanzierung dieser sektorübergreifenden Versorgung fehlt.

Jährlich erkranken in Deutschland ca. 2000 Kinder und Jugendliche neu an Krebs. Nicht zuletzt bedingt durch die Seltenheit dieser Erkrankungen ist die Behandlung weitgehend auf ca. 70 spezialisierte Kinderkrebs-Behandlungszentren konzentriert. Die Struktur- und Prozessqualität von Kinderkrebs-Behandlungszentren ist durch eine "Vereinbarung des Gemeinsamen Bundesausschusses über Maßnahmen zur Qualitätssicherung für die stationäre Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit hämato-onkologischen Krankheiten" festgelegt und seit Jahren auf einem hohen Niveau etabliert.

Vor allem als Ergebnis bundesweit einheitlicher Diagnostik- und Therapiestandards in sogenannten „Therapieoptimierungsstudien“ hat sich die Überlebensprognose für krebskranke Kinder und Jugendliche in den vergangenen Jahrzehnten stetig verbessert und liegt aktuell bei einer exzellenten Heilungsrate von > 80%. Angesichts der Seltenheit der Erkrankungen - ein niedergelassener Kinderarzt stellt im Verlaufe seines beruflichen Lebens ein- bis dreimal die Diagnose einer bösartigen Erkrankung im Kindes- und Jugendalter - übernehmen die Kinderkrebs-Behandlungszentren im Sinne einer sektorübergreifenden Versorgungsstruktur neben der stationären Versorgung jedoch bundesweit auch die komplette teilstationäre und ambulante Betreuung sowohl in der Akutphase der Behandlung wie auch in der Nachsorge.

Die Finanzierung der vollstationären Behandlungsepisoden ist durch das G-DRG-System weitgehend gesichert, die teilstationären und ambulanten Behandlungen sind jedoch trotz der vorbildlich umgesetzen sektorübergreifenden Versorgungsstruktur deutlich unterfinanziert. Dies ist u.a. dadurch bedingt, dass das kassenärztliche Vergütungssystem keine Kalkulationsgrundlage für diese spezielle Versorgung zur Verfügung hat. Eine Querfinanzierung aus dem stationären Sektor, wie in vergangenen Jahrzehnten praktiziert, ist nach Einführung der DRG-Fallerlöse grundsätzlich nicht mehr möglich.

Die Unterfinanzierung der teilstationären und ambulanten Behandlungen und die daraus resultierenden Defizite führen bundesweit fast alle Kinderkrebs-Behandlungszentren zunehmend in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Trotz bundesweit vergleichbarem Kostenaufwand sind örtliche Regelungen, regional unterschiedliche Tagesklinikpauschalen, persönliche Ermächtigungen, Institutsermächtigungen, Finanzierungen über § 116 b, § 120 SGB-V etc. extrem unterschiedlich. Dies führt bereits heute zu regionalen Unterschieden in der medizinischen Versorgungsqualität krebskranker Kinder. Es mangelt somit an einer bundeseinheitlichen kostendeckenden Vergütungsstruktur für die Sicherstellung der Kinderkrebsbehandlung.

"Die GPOH, die Kinderkrebsstiftung, die Deutsche Leukämieforschungshilfe und der Dachverband der Elternvereine krebskranker Kinder und Jugendlicher wünschen sich zu dieser Problematik einen konstruktiven Dialog mit den Entscheidungsträgern im Gesundheitswesen", so Frau Prof. Dr. Eggert.

Quelle: Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie (GPOH)


Anzeige:
Digital Gesamt 2021
Digital Gesamt 2021
 
Das könnte Sie auch interessieren
Brustkrebs: Was Frauen über die Früherkennung wissen sollten – und welche Risikofaktoren existieren
Brustkrebs%3A+Was+Frauen+%C3%BCber+die+Fr%C3%BCherkennung+wissen+sollten+%E2%80%93+und+welche+Risikofaktoren+existieren
© serhiibobyk / Fotolia.com

Etwa jede achte Frau erkrankt hierzulande an Brustkrebs. Insgesamt betrifft dies 72.000 Neuerkrankungen pro Jahr. Obwohl Brustkrebs in erster Linie eine Erkrankung der Frau nach den Wechseljahren ist, können auch deutlich jüngere Frauen erkranken. Aber – für welche Frau macht welche Untersuchung in welchem Alter Sinn? Das Mammographie-Screening-Programm gilt für Frauen von 50 bis 69 Jahren. Was insbesondere Frauen...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Klinische Versorgung krebskranker Kinder und Jugendlicher in Deutschland ist gefährdet"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH - Geschäftsbereich rs media widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.