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Gesundheitspolitik von JOURNALMED.DE
11. Mai 2018

Kein Freifahrtschein für Fernbehandlung

Der Deutsche Ärztetag in Erfurt hat den Weg für Fernbehandlungen zwar freigemacht. Einen Freifahrtschein für jedwede Anbieter und Art der Fernbehandlung haben die Ärzte jedoch nicht ausgestellt: Fernbehandlung soll in den Händen der Ärzte bleiben und im Rahmen der bisherigen Versorgungsstrukturen angeboten werden können.
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Die Freie Ärzteschaft begrüßt diese Klarstellung: "Fernbehandlung soll nicht die Kommerzialisierung des Gesundheitswesens durch kapitalorientierte Gesellschaften verstärken und beispielsweise in Callcentern stattfinden", sagte Wieland Dietrich, Vorsitzender der Freien Ärzteschaft (FÄ) am Freitag in Erfurt. "Im Sinne der medizinischen Qualität ist das eine wichtige Einschränkung der Fernbehandlung, die der Patientensicherheit dient. Die Fernbehandlung wird in anderen Ländern als Sparmaßnahme eingesetzt – das wollen die Ärzte in Deutschland nicht."

Auf Antrag der Freien Ärzteschaft wurde auch Krankschreibungen im Rahmen ausschließlicher Fernbehandlung eine Absage erteilt. Dietrich erläutert das: "Eine Krankschreibung per Telefon oder Videokonferenz ist bei unbekannten Patienten nicht erlaubt. Im Gegensatz zum persönlichen Arzt-Patienten-Kontakt bietet die Fernbehandlung keine ausreichende Basis, um als Arzt dazu eine sachgerechte Entscheidung treffen zu können." Sehr skeptisch zeigte sich die Ärzteschaft auch gegenüber ärztlichen Verordnungen, beispielsweise von Medikamenten, Physiotherapien oder Soziotherapien, sowie Überweisungen durch ausschließliche Fernbehandlung. Ob dies künftig möglich sein soll, muss die Bundesärztekammer nun prüfen.

Diese Beschlüsse wenden sich verstärkt gegen renditeorientierte Medizin und haben klargestellt, dass die persönliche Behandlung der Patienten durch regelmäßig praktisch tätige Ärzte die Qualität der Medizin sichert. "Fernbehandlung ist", so Dietrich, "mit Einschränkungen verbunden: Körperliche Untersuchungen, wie Lunge abhören oder Bauch abtasten, sind nicht möglich, ebenso wenig Blutabnahmen und technische Untersuchungen. Auch die Kommunikation ist eingeschränkt - der überwiegende Teil der Kommunikation läuft nonverbal ab." Kritisch sieht der FÄ-Chef außerdem, wenn Ärzte künftig eventuell nur noch Fernbehandlung durchführen, da ihnen die praktische Routine abhandenkommt und sie neue Untersuchungen und Behandlungen praktisch nicht kennenlernen.

Quelle: Freie Ärzteschaft e.V.


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