Freitag, 6. August 2021
Navigation öffnen
Anzeige:
Lenvima
Lenvima
 
Gesundheitspolitik von JOURNALMED.DE

"Wundermittel" Cannabis: Israel hofft auf boomende Branche

In Israel ist der medizinische Gebrauch von Hanf schon seit 25 Jahren erlaubt. Mit der aktuellen Legalisierung in Deutschland erhoffen sich erfahrene israelische Unternehmer nun hohe Export-Erträge. In Deutschland dürfen Kranke seit diesem Monat Cannabis auf Rezept erhalten - in Israel ist die medizinische Anwendung schon seit einem Vierteljahrhundert Praxis. Das kleine Land am Mittelmeer gilt weltweit als sehr fortgeschritten in der Erforschung und dem Anbau von medizinisch nutzbarem Cannabis sowie der Herstellung von Marihuana-Produkten.
Anzeige:
Akynzeo
 
Die medizinische Nutzung von Cannabis steht auch im Mittelpunkt einer zweitägigen Konferenz, die am Montag in Tel Aviv beginnt. Forscher und Unternehmer wollen bei dem internationalen Experten-Gipfel CannaTech 2017 über Innovationen und Behandlungsmöglichkeiten auf diesem schnell wachsenden Markt sprechen.

"Wir sind überzeugt, dass Cannabis bei verschiedenen Krankheiten helfen kann", sagt Professor Arnon Afek, Vize-Leiter des israelischen Gesundheitsministeriums. Er ist zuständig für eine Reform, die die Verschreibung von medizinischem Marihuana erleichtern soll. Cannabis kann auf verschiedene Weise eingenommen werden, etwa mit einem Verdampfer für die Inhalation oder in Form von Tropfen oder Kapseln.

Rund 28.000 israelische Patienten haben nach Angaben Afeks bereits eine Genehmigung des Gesundheitsministeriums, Marihuana zur Linderung ihres Leidens zu konsumieren. Das sind viele für ein kleines Land wie Israel, das nur 8,6 Millionen Einwohner hat. Doch bisher war der Weg zu einer Genehmigung sehr steinig und führte immer über das Gesundheitsministerium. "Wir bilden jetzt Ärzte aus, damit diese Cannabis auf Rezept verschreiben können", erklärt Afek. Er rechne damit, dass die Reform bis Jahresende abgeschlossen werden könnte.

Cannabis wird in Israel schon für die Behandlung einer ganzen Reihe von Krankheiten eingesetzt, wie etwa Epilepsie, Parkinson und Morbus Crohn. Seine Wirkstoffe können auch schmerzlindernd wirken.

"Wir streben an, dass die Behandlung immer weiterer Krankheiten genehmigt wird", sagt Saul Kaye, Gründer des Accelerators iCan (Israel-Cannabis) und Veranstalter der zweitägigen Konferenz in Tel Aviv. iCan fördert Startups auf dem Gebiet der medizinischen Cannabis-Industrie.

Bisher gibt es nach Angaben von Kaye in Israel acht Anbaugebiete für Hanf in pharmazeutischer Qualität. Bisher sei die Cannabis-Industrie ein Markt von rund 150 Millionen Dollar. "Wir rechnen damit, dass dies binnen zwei Jahren auf eine Milliarde Dollar steigt", sagt Kaye. In Kanada und den USA hat sich die Behandlung per Hanf-Pflanze zum Milliarden-Markt entwickelt. Auch Deutschland sei ein vielversprechender Export-Markt, sagt Kaye. "Es ist eine boomende Industrie, und Israel hat die Nase ganz weit vorn", meint er. "Europa ist nicht der beste Ort, um Cannabis anzubauen." Deshalb empfehle er Ländern wie Deutschland, zumindest die Rohware aus Gegenden zu importieren, die klimatisch besser für den Anbau geeignet seien.

Afek sagt, er habe sich in diesem Jahr bereits mit einer deutschen Delegation getroffen. "Sie haben großes Interesse an dem medizinischen Modell des Cannabis-Gebrauchs in Israel." Bisher haben in Deutschland rund 1.000 Patienten eine Ausnahmegenehmigung für Cannabis. "In Israel sind es 28.000, obwohl die Bevölkerung in Deutschland zehnmal größer ist", sagt Afek. "Auf Deutschland hochgerechnet wären es wohl rund 280.000."

In Israel ist auch Kiffen zu nicht medizinischen Zwecken sehr verbreitet. Die Regierung hat zu Monatsbeginn beschlossen, den Konsum der Droge zu entkriminalisieren. Ersttäter sollen nicht mehr strafrechtlich verfolgt werden, sondern nur noch ein Bußgeld zahlen. Dennoch bleibt der Freizeitkonsum verboten.

Kritiker des Cannabis-Programms in Israel warnen davor, dass medizinisch verschriebenes Marihuana auch in die Hände von Freizeitkonsumenten geraten könnte. Kaye und Afek haben dazu unterschiedliche Meinungen. "Es ist so, als würde man sich von einem Freund eine Schmerztablette leihen", sagt Kaye. "Es ist lächerlich, sich darüber aufzuregen, Cannabis ist keine Einstiegsdroge."

Das sieht Afek ganz anders. "Cannabis ist eine Droge und als Arzt sage ich, dass es wie andere Medikamente auch keineswegs harmlos ist", sagt der Vize-Leiter des Gesundheitsministeriums. "Ich hoffe, dass ich selbst nie Marihuana rauchen muss - ich würde es nur tun, wenn ich sehr krank wäre."

Quelle: dpa


Anzeige:
Bevacizumab
 
Das könnte Sie auch interessieren

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

""Wundermittel" Cannabis: Israel hofft auf boomende Branche"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH - Geschäftsbereich rs media widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EHA 2021
  • SCD: Häufigere und längere VOC-bedingte Krankenhausaufenthalte nach Vorgeschichte von VOC-Hospitalisierungen – Ergebnisse einer Beobachtungsstudie
  • Real-World-Daten des ERNEST-Registers untermauern Überlebensvorteil unter Ruxolitinib bei primärer und sekundärer Myelofibrose
  • I-WISh-Studie: Ärzte sehen TPO-RAs als beste Option, um anhaltende Remissionen bei ITP-Patienten zu erzielen
  • Phase-III-Studie REACH2 bei steroidrefraktärer akuter GvHD: Hohes Ansprechen auf Ruxolitinib auch nach Crossover
  • SCD: Neues digitales Schmerztagebuch zur tagesaktuellen Erfassung von VOCs wird in Beobachtungsstudie geprüft
  • Französische Real-World-Studie: Eltrombopag meist frühzeitig nach ITP-Diagnose im Rahmen eines Off-label-Use eingesetzt
  • Fortgeschrittene systemische Mastozytose: Französische Real-World-Studie bestätigt klinische Studiendaten zur Wirksamkeit von Midostaurin
  • CML-Management weitgehend leitliniengerecht, aber verbesserungsfähig – Ergebnisse einer Querschnittsbefragung bei britischen Hämatologen
  • Britische Real-World-Studie: Kardiovaskuläres Risikomanagement bei MPN-Patienten in der Primärversorgung nicht optimal
  • Myelofibrose: Früher Einsatz von Ruxolitinib unabhängig vom Ausmaß der Knochenmarkfibrose