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Gesundheitspolitik von JOURNALMED.DE
03. August 2017

Auch hochqualifizierte Frauen haben schlechtere Berufsperspektiven

„Prepare your daughter for working life – give her less pocket money than your son”. Ein Poster mit dieser plakativen Aufschrift hängt im Büro von Prof. Dr. Kathrin Leuze in der Friedrich-Schiller-Universität Jena – und spitzt zugleich eines ihrer Forschungsgebiete zu. Dass Frauen schlechter bezahlt werden als Männer, ist längst Gegenstand gesellschaftlicher Debatten und politischer Maßnahmen. Die neu berufene Professorin für Methoden der empirischen Sozialforschung und Sozialstrukturanalyse der Universität Jena hat darüber hinaus festgestellt, dass oft bereits die geschlechtstypische Studienfach- und Berufswahl den Grundstein für eine schlechtere Bezahlung legt.
Typische Frauenfächer weniger wert
 
Prof. Leuze interessiert sich vor allem für die großen Geschlechterungleichheiten zwischen hochqualifizierten Männern und Frauen: Während Männer häufiger Ingenieurwesen, Mathematik oder Naturwissenschaften studieren, schreiben sich mehr Frauen z.B. in Geistes- und Sozialwissenschaften ein – „und wählen damit Berufsfelder, die potenziell schlechter bezahlt werden“, erklärt die Neu-Jenaerin. „Frauen sind seit jeher für Haus und Familie verantwortlich und ergreifen bis heute oft Berufe, die aus dem Privaten kommen und mit Fürsorge, Pflege oder Erziehung zusammenhängen. Noch immer sind diese Jobs gesellschaftlich weniger wert und zudem gewerkschaftlich schlechter organisiert als typische Männerdomänen“, so die 41-Jährige.

Arbeitsmarkterträge von Akademikerinnen und Akademikern beschäftigen Leuze schon lange. Zum Beispiel sind ihr im Rahmen ihrer Dissertation an der Universität Bremen, in der sie den Berufsstart in Deutschland und Großbritannien miteinander verglich, enorme Länderunterschiede aufgefallen. „Der Arbeitsmarkteinstieg von Hochschulabsolventinnen und -absolventen ist hierzulande wesentlich leichter aufgrund der klaren Strukturiertheit des Arbeitsmarkts, was z.B. typische Ausbildungs- und Akademikerberufe angeht, und die vergleichsweise geringe Zahl an Studierten“, benennt sie ein Ergebnis. Dass Frauen der Einstieg in beiden Ländern nichtsdestotrotz schwerer fällt, zeigt die Studie ebenfalls auf.
 
Abkehr von Rollenvorbildern ist soziologisch spannend
 
Ihrer Promotion, inklusive Forschungsaufenthalt an der britischen University of Stirling, folgte die Mitarbeit am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung in einem Projekt zur Untersuchung der Geldverwaltung und -verteilung in Partnerschaften. Anschließend lehrte die Bildungssoziologin, die gebürtig aus dem bayrischen Mühldorf am Inn stammt, an der Freien Universität Berlin und der Universität Hannover.

An der Friedrich-Schiller-Universität angekommen, will sie künftig vor allem weiter zu Ursachen und Auswirkungen von innerpartnerschaftlichen Ungleichheiten forschen. „Normativ gesehen müssten beide Partner die gleichen Rechte und Pflichten haben. Aber sogar wenn beide berufstätig sind, arbeiten die Männer in der Regel mehr und Frauen kümmern sich zum großen Teil um das Private, den Haushalt, Kinder – selbst wenn sie mehr verdienen als ihre Partner.“ Kathrin Leuze, selbst verheiratet und Mutter zweier kleiner Kinder, möchte insbesondere die Bedingungen einer gelungenen ausgeglichenen Verteilung von Erwerbs-, Haushalts- und Fürsorgearbeit in Partnerschaften genauer untersuchen.

Interessant sei zudem, dass Töchter beruflich oft ihren Müttern nacheifern, während Jungen in eine ähnliche Richtung wie die Väter gehen. Auch hier wird sich Leuze den Beweggründen der soziologisch spannenden Ausnahme von der Regel widmen: den Mädchen, die eben doch ausbrechen und entgegen der Norm Naturwissenschaften oder Technik studieren.

In der Lehre ist ihr vor allem wichtig, schon früh inhaltliche Anwendungsbezüge bei der empirischen Methodenausbildung herzustellen. „Sonst fragen sich Soziologiestudierende schnell, warum sie das eigentlich machen“, weiß sie aus eigener Erfahrung. Die Verbindung des methodischen Handwerkszeugs mit soziologisch relevanten Themen würde dagegen schnell verdeutlichen, um welch spannendes Forschungsfeld es sich handelt: „Im Grunde kann aus allem eine soziologische Fragestellung werden“, sagt Prof. Leuze. Daher sei es zentral, dass die Studierenden ein Gefühl für die Soziologie bekommen und lernen, eigene Forschungsfragen zu entwickeln.

Quelle: Friedrich-Schiller-Universität Jena


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