Samstag, 31. Juli 2021
Navigation öffnen
Anzeige:
Canakinumab
Canakinumab
 
Gesundheitspolitik von JOURNALMED.DE
16. November 2019
Seite 1/2

Herzinsuffizienz: Innovatives Konzept für modernste Therapie im ländlichen Raum

Die magnetresonanztomografische (MRT-)Untersuchung des Herzens ermöglicht in vielen Fällen eine frühzeitige Erkennung der Herzinsuffizienz und damit auch eine bessere Therapie. Während sich diese neue Versorgung in den großen Städten schnell etablieren wird, ist das im ländlichen Raum nicht ohne Weiteres gesichert: dort stehen moderne Herz-MRT-Geräte und spezialisierte Ärzteteams nicht zur Verfügung. Mithilfe mobiler MRT-Einheiten und der Telemedizin sollen jetzt in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern MRT-Untersuchungen des Herzens auch in ländlichen Regionen möglich gemacht werden. Das Projekt unter medizinischer Leitung des Deutschen Herzzentrums Berlin (DHZB) wird vom Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) mit über 7 Millionen Euro gefördert. Damit kann eine bessere Versorgung im ländlichen Raum umgesetzt werden.
Von einer Herzinsuffizienz spricht man, wenn die Pumpleistung des Herzens nicht mehr ausreicht, um den Blutbedarf des Körpers zu decken. Rund 1,8 Millionen Menschen leiden in Deutschland an diesem Krankheitsbild, das zu den häufigsten Todesursachen gehört und in Deutschland Kosten von jährlich über 5 Milliarden Euro verursacht.

Wird eine Herzinsuffizienz früh erkannt und gezielt behandelt, können die Lebenserwartung und -qualität der Patienten gesteigert und gleichzeitig Krankenhausaufenthalte vermieden sowie Therapiekosten gesenkt werden. Allerdings bleibt eine Herzinsuffizienz im Frühstadium häufig unerkannt, da die Krankheit in dieser Zeit oftmals symptomfrei verläuft. Eine zuverlässige Diagnose ist dann meist nur mit Hilfe der Magnetresonanztomografie (MRT) möglich.

In vielen ländlichen Regionen stehen dafür aber oft weder genügend spezialisierte Fachärzte noch die nötige technische Infrastruktur zur Verfügung.

Das Projekt

Das „Herz-Check“-Projekt sieht deshalb vor, mobile MRT-Einheiten dorthin zu bringen, wo sie in Praxen oder Kliniken nicht vorhanden sind. Das Berliner Unternehmen medneo verfügt dazu über spezielle „MRT-Mobile“, also umgebaute LKW, die den Patienten eine MRT-Untersuchung wie in einer Klinik ermöglichen. Auch die Bestimmung der Blutwerte ist möglich.

Zunächst sollen Versicherte der AOK Nordost sowie niedergelassene Haus- und Fachärzte in der Region über die Möglichkeit und die Vorteile der Früherkennung von asymptomatischer Herzinsuffizienz informiert werden. Die Idee: Über eine Website können Hausärzte das Risiko einer unentdeckten Herzinsuffizienz für ihre Patienten anhand etablierter Bewertungsverfahren unkompliziert festlegen. Das ist auch für die Patienten selbst möglich.

Stellen der Hausarzt oder der Patient selbst ein erhöhtes Risiko fest, kann online ein Termin für eine mobile MRT-Untersuchung in der Nähe des Wohnorts vereinbart werden.

Die mobilen MRT-Einheiten können an regionalen Kliniken oder ambulanten Einrichtungen wie Ärztehäusern aufgestellt werden. Vor Ort befindet sich medizintechnisches Personal, das die MRT- Untersuchung sicher und zuverlässig durchführen kann. Sie dauert nur etwa 10 Minuten.

Die Anwesenheit eines Facharztes ist dabei nicht notwendig. Denn die Untersuchungsdaten werden unter Beachtung aller Datenschutz-Vorgaben online an ein „telemedizinisches Expertenzentrum“ übermittelt und dort durch ein geschultes Fachärzteteam ausgewertet.

Ergeben MRT- und Laborbefund Handlungsbedarf, werden die Patienten je nach Schweregrad des Befundes in vordefinierte Behandlungspfade eingeteilt. Gemeinsam mit den behandelnden Ärzten vor Ort werden die notwendigen weiteren ambulanten oder stationären Maßnahmen der Therapie festgelegt. Das Team des Expertenzentrums steht über die gesamte Behandlungsdauer als Ansprechpartner für die Ärzte vor Ort zur Verfügung.

Start schon nächstes Jahr

Das „Herz-Check“-Projekt wird über einen Zeitraum von 3 Jahren gefördert. Davon entfallen etwa 6 Monate auf die Vorbereitung und 24 Monate auf die Durchführung der Untersuchungen in den mobilen MRT-Einheiten. Derzeit ist geplant, im Herbst 2020 die ersten Patienten untersuchen zu können.

Wissenschaftliche Erfolgskontrolle

Ein Jahr nach der Erstuntersuchung werden die Patienten mit auffälligem Befund im Rahmen des „Herz-Check“-Projekts erneut untersucht, so dass ihr gesundheitlicher Zustand und der Erfolg der früh einsetzenden Therapie bewertet und abgeglichen werden können. Die dabei – und bereits im gesamten Projektverlauf – gewonnen Daten werden vom Institut für Biometrie und Klinische Epidemiologie der Charité – Universitätsmedizin Berlin evaluiert. Dabei werden auch durch das Projekt erzielte Kosteneinsparungen gemessen.

Medizinischer und wirtschaftlicher Nutzen

Das mit dem Herz-Check angestrebte Patientenscreening kann gefährdete Patienten sehr früh identifizieren und sie ohne Verzögerung einer effektiven weiteren Diagnostik und Prognose verbessernden Prävention/Therapie zuführen. Langfristig wird angestrebt, die Untersuchungskosten pro Patient auf unter 300 Euro zu senken. Damit können hohe Folgekosten, die bei einer erst spät diagnostizierten Herzinsuffizienz entstehen, durch frühe Erkennung der Krankheit deutlich gesenkt oder vermieden werden.
 
Vorherige Seite

Anzeige:
Bosulif
Bosulif
Das könnte Sie auch interessieren

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Herzinsuffizienz: Innovatives Konzept für modernste Therapie im ländlichen Raum"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH - Geschäftsbereich rs media widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EHA 2021
  • SCD: Häufigere und längere VOC-bedingte Krankenhausaufenthalte nach Vorgeschichte von VOC-Hospitalisierungen – Ergebnisse einer Beobachtungsstudie
  • Real-World-Daten des ERNEST-Registers untermauern Überlebensvorteil unter Ruxolitinib bei primärer und sekundärer Myelofibrose
  • I-WISh-Studie: Ärzte sehen TPO-RAs als beste Option, um anhaltende Remissionen bei ITP-Patienten zu erzielen
  • Phase-III-Studie REACH2 bei steroidrefraktärer akuter GvHD: Hohes Ansprechen auf Ruxolitinib auch nach Crossover
  • SCD: Neues digitales Schmerztagebuch zur tagesaktuellen Erfassung von VOCs wird in Beobachtungsstudie geprüft
  • Französische Real-World-Studie: Eltrombopag meist frühzeitig nach ITP-Diagnose im Rahmen eines Off-label-Use eingesetzt
  • Fortgeschrittene systemische Mastozytose: Französische Real-World-Studie bestätigt klinische Studiendaten zur Wirksamkeit von Midostaurin
  • CML-Management weitgehend leitliniengerecht, aber verbesserungsfähig – Ergebnisse einer Querschnittsbefragung bei britischen Hämatologen
  • Britische Real-World-Studie: Kardiovaskuläres Risikomanagement bei MPN-Patienten in der Primärversorgung nicht optimal
  • Myelofibrose: Früher Einsatz von Ruxolitinib unabhängig vom Ausmaß der Knochenmarkfibrose