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28. Juni 2017 DGU-Kongress thematisiert neue Herausforderungen in der Kinderurologie

Kinder- und Jugendurologie ist ein wesentliches Teilgebiet der Urologie: Erkrankungen und Störungen des Urogenitaltraktes machen auch vor Kindern nicht halt, entsprechend werden sie bereits von der Geburt bis zum Erwachsenwerden von Urologen behandelt. Das Spektrum ist dabei breit und reicht von der operativen Rekonstruktion angeborener urogenitaler Fehlbildungen bis zur Behandlung von Harnwegsinfektion oder nächtlichem Einnässen.
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Kinderurologie bildet inhaltlich einen der Schwerpunkte des DGU-Kongresses vom 20. bis 23. September 2017 in der Messe Dresden. „Wir wollen damit zum einen unter den Kollegen auf die Zusatzqualifikation und Fortbildungen zur dauerhaften Festigung der Kinderurologie in unserem Fach hinweisen. Zum anderen ist es uns wichtig, jede Möglichkeit zur Aufklärung der Eltern zu nutzen“, so Prof. Kälble. Schon seit 2015 engagiert sich die DGU verstärkt in der Elternaufklärung. Die Fachgesellschaft hat drei leicht verständliche Broschüren zu den häufigsten kinderurologischen Erkrankungen aufgelegt, die unter www.urologenportal.de heruntergeladen oder auch in Papierform bei der DGU bestellt werden können. Wie wichtig diese Aufklärung ist, wird am Beispiel Hodenhochstand deutlich, der auch nach adäquater Behandlung ein dauerhafter Risikofaktor bleibt, an Hodenkrebs zu erkranken. Dieser Tumor ist das häufigste bösartige Karzinom bei Männern unter 40, hat aber bei früher Entdeckung sehr gute Heilungsaussichten.
 
Zu den großen Herausforderungen in der Kinderurologie, die auf dem 69. DGU-Kongress in Dresden thematisiert werden, gehört der Bedarf an „Übergangsurologen“, um dauerhaft behandlungsbedürftigen jüngeren Patienten, die mit 16 Jahren aus der Kinderurologie herausfallen, Brücken zur Urologie der Erwachsenen zu bauen. „Die Frage betrifft in erster Linie Patienten, die jung an meist angeborenen Fehlbildungen kinderurologisch behandelt worden sind. Stichworte wären Hypospadie, Ekstrophie, Harnröhrenklappen oder neurogene Blase. Manche benötigen ihr Leben lang urologische Betreuung und fallen oft in ein regelrechtes Loch, wenn sie in die Erwachsenenurologie wechseln müssen, die ihre Schwerpunkte eher in der Onkologie und der funktionellen Urologie hat“, sagt der Vorsitzende des DGU-Arbeitskreises Kinder- und Jugendurologie, Prof. Dr. Raimund Stein aus Mannheim.
 
„Für diese Patienten wäre ein Übergangs- oder Transitionsurologe wichtig, der mit allen Facetten ihrer Erkrankungen, Operationen und Behandlungskonzepte vertraut ist, um sie aus der Kinderurologie ‚abzuholen’ und weiter zu betreuen“, betont DGU-Präsident Prof. Kälble. Eine Lösung sieht Prof. Stein in dafür spezialisierten Kinderurologen. Ein erster Schritt sei mit dem gemeinsamen (Muster-)Weiterbildungsantrag von DGU und Deutscher Gesellschaft für Kinderchirurgie für die Zusatzqualifikation Kinderurologie bereits getan. Die Billigung des gemeinsamen Anforderungskatalogs durch die Ärztekammer steht noch aus. Mit der fachlichen Einbindung der Transition übernehmen die Urologen erneut eine Vorreiterrolle.
 
Ganz aktuell stehen überdies die urologischen Herausforderungen durch Flucht und Migration in Dresden im Mittelpunkt, speziell auch durch Flüchtlingskinder. „Wir sind bei diesen kleinen Patienten aus meist muslimischen Familien wieder vermehrt mit seltenen angeborenen genetischen Anomalien und Erkrankungen konfrontiert, die in Deutschland kaum noch vorgekommen sind. Jungen und Mädchen leiden unter komplexen Fehlbildungen der Genitalorgane und der Blase. Bei einer Reihe von Flüchtlingskindern werden erst jetzt im Zuge der Behandlung von Harnwegsinfektionen, Nierenfunktionsstörungen oder Steinen zum Beispiel Harntrakt-Anomalien entdeckt, die in der Heimat nicht erkannt worden sind“, sagt Prof. Dr. Wolfgang Rösch. Der Chefarzt der Kinderurologischen Klinik in St. Hedwig am Krankenhaus Barmherzige Brüder Regensburg konstatiert für seine Klinik derzeit eine Zunahme der Behandlungsfälle durch Flüchtlingskinder um bis zu 3%, bei einzelnen Erkrankungen wie etwa Harnsteinen, die bei Kindern in unseren Breiten eher selten sind, sogar eine Verdoppelung.
 
Für seine Klinik sieht Prof. Rösch im Umgang mit Flüchtlingskindern besonders zwei Herausforderungen: Zum einen sind viele, besonders aus Afghanistan stammende Patienten bereits bei der Einreise Träger multiresistenter Keime. Zum anderen sind es die Sprachprobleme. „Ohne klare Verständigung ist die Behandlung komplexer Erkrankungen und Störungen nicht möglich. Auch wenn es finanziell aufwendig ist, haben wir dieses Problem bei uns durch ein Live-Video-Dolmetscher-System gelöst, das ein Büro aus Österreich für alle Sprachen anbietet“, so Prof. Rösch, dessen Klinik für ihre außergewöhnlichen Leistungen in der Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund in diesem Jahr mit dem Bayerischen Gesundheits- und Pflegepreis ausgezeichnet wird.

Quelle: Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU)


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