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Gesundheitspolitik von JOURNALMED.DE
23. Juni 2014

Hat man noch die Kontrolle über sein Handy - oder ist es bereits umgekehrt? Crowdfunding für wissenschaftliche Auswertung

Das Smartphone ist aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken - doch wie oft und lang tummelt man sich damit in Sozialen Netzwerken, nutzt Spiele und sonstige Angebote? Hat man die Kontrolle über sein Handy - oder umgekehrt? Jun.-Prof. Alexander Markowetz vom Institut für Informatik III der Universität Bonn hat mit seinem Team und der Abteilung Differentielle und Biologische Psychologie die Android-App "Menthal" entwickelt, die Mobiltelefonnutzern das wahre Ausmaß des Konsums zeigt. "Selbsteinschätzungen der Nutzer liegen meistens daneben. Menthal liefert dagegen belastbare Daten", sagt Markowetz. Die Ergebnisse aus einer Vorstudie mit 50 Studenten sind erschreckend: Im Schnitt aktivierten die Probanden ihr Telefon tagsüber etwa alle zwölf Minuten und nutzten das Smartphone teils mehrere Stunden.

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Projekt zur Handy-Diät sucht Unterstützung

Wer eine "digitale Diät" machen möchte, findet mit Menthal die dazu passende Waage. Der Ansturm auf die kostenlose App ist enorm: "In wenigen Monaten registrierten sich rund 150.000 Nutzer - selbstverständlich anonym", berichtet der Juniorprofessor. Zunächst hoffen die Forscher, damit Nutzern direkt im Umgang mit ihren Telefonen zu helfen. Gleichzeitig erforschen sie im Rahmen einer offiziell angemeldeten Studie, wie Nutzer typischerweise mit ihren Telefonen umgehen. Mit Menthal haben sie damit eine weltweit einmalige Datenbasis geschaffen. Eines der zentralen Ziele ist beispielsweise die Entwicklung "digitaler Diäten", die helfen sollen, den Handykonsum zu reduzieren. Außerdem soll die App der nächsten Generation nach schädlichen Nutzungsmustern suchen und aktiv davor warnen.

Server sind mit der Datenerfassung überlastet

Eine solche wissenschaftliche Auswertung der Daten ist bislang nicht möglich, weil die Server des Forscherteams mit der Aufzeichnung der Nutzerdaten bereits voll ausgelastet sind. "Wenn wir darüber hinaus noch versuchen würden, die Daten wissenschaftlich auszuwerten, würden die Server zusammenbrechen", sagt Markowetz. Ohne unmittelbare finanzielle Hilfe stehe die gesellschaftlich wichtige und stark nachgefragte App vor dem Aus. "Nur mit zusätzlichen Rechnerkapazitäten können wir das Projekt aufrecht erhalten", betont der Wissenschaftler.

Für die Anschaffung weiterer Computersysteme und entsprechendem Personal braucht der Wissenschaftler dringend Mittel. "Da die Beantragung über Forschungsförderer zu lange dauern würde, setzen wir auf Crowdfunding", berichtet Markowetz. Unter www.sciencestarter.de/menthal wird dieses Projekt vorgestellt. "Jede Spende ist willkommen! Wenn entsprechend viele Menschen jeweils ein paar Euro spenden, können wir unser Ziel von 20.000 Euro erreichen", sagt der Wissenschaftler. Dies sei eine Untergrenze, der tatsächliche Finanzbedarf läge deutlich höher. Aber man wolle zumindest die unmittelbare Finanzierung sicherstellen, bis eine langfristig tragbare Lösung gefunden sei. Interessierte sollten sich beeilen, da die Spendenkampagne nur wenige Wochen läuft.

Sciencestarter ist eine Crowdfunding-Plattform zur schnellen Finanzierung von Projekten aus Wissenschaft, Forschung und Wissenschaftskommunikation durch viele einzelne Personen. Es handelt sich dabei um ein Projekt der Initiative Wissenschaft im Dialog, es wird vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft gefördert.

Quelle: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn


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