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Gesundheitspolitik von JOURNALMED.DE
02. Oktober 2014

Grüne fordern bessere Versorgung psychisch Kranker

Stress, Depressionen, Burnout - psychische Störungen verursachen tausendfaches Leid und hohe Kosten. Doch bei der Versorgung hapert es. In manchen Regionen Deutschlands gibt es kaum Psychotherapeuten. Die Grünen fordern angesichts der wachsenden Zahl psychisch Kranker in Deutschland mehr Therapieplätze. "Es ist grob fahrlässig, dass sich die Regierung dem Problem nicht konsequenter widmet", sagte die Grünen-Gesundheitsexpertin Maria Klein-Schmeink der Nachrichtenagentur dpa in Berlin. Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) müsse das Problem in seinem Referentenentwurf für bessere medizinische Versorgungsstrukturen angehen. Dieser wird für die kommenden Tage erwartet.

Fast jeder dritte Bundesbürger leidet laut übereinstimmenden Studien innerhalb eines Jahres an Depressionen oder anderen psychischen Erkrankungen. Seit 2001 hat sich die Zahl der Fehltage von Arbeitnehmern aus diesem Grund fast verdoppelt. Die Fehlzeiten sind mit im Schnitt rund 32 Tagen überdurchschnittlich lang. Psychische Erkrankungen sind zudem die Hauptursache für gesundheitsbedingte Frühverrentungen. 2013 ging nahezu jede zweite Frühverrentung auf eine psychische Erkrankung zurück - bei Frauen vor allem auf Depressionen, bei Männern auch auf Alkoholerkrankungen.

Doch immer mehr Versicherte fänden keinen Therapieplatz bei einem Therapeuten mit Kassenzulassung, so Klein-Schmeink. Das zeigten die wachsenden Ausgaben der Patienten, die sich deshalb in einer Privatpraxis behandeln lassen müssen und sich das Geld später von ihrer Kassen zurückholen. Diese Ausgaben hätten sich seit 2004 fast verzehnfacht, auf gut 15 Millionen Euro im zweiten Quartal 2013.

Klein-Schmeink warf der Regierung vor, die Versorgungslücke bei psychischen Erkrankungen weitgehend zu ignorieren. "Die Bundesregierung drückt sich konsequent darum herum, überhaupt erst einmal den Umfang der Unter- und Fehlversorgung zu ermitteln", sagte die Politikerin und verwies auf Antworten auf drei kleine Anfragen der Grünen zu dem Thema.  So schreibt die Regierung, dass sie bestimmte statistische Daten in dem Bereich nicht erheben wolle. Zuverlässige Daten zu Wartezeiten für eine Therapie gebe es zudem nicht. Klein-Schmeink warf Union und SPD vor, nicht für mehr Angebote zu sorgen, da sonst auch die Therapiekosten steigen würden.

Die Unterschiede in Deutschland sind den Antworten des Bundesgesundheitsministeriums zufolge enorm. In Heidelberg gibt es bundesweit die größte Dichte an Psychotherapeuten. In diesem Planungsbereich kommen rund 131 Psychotherapeuten auf 100 000 Einwohner. In Freiburg (Breisgau) sind es 122 Therapeuten, in Offenbach am Main 92 und in Bonn 84. Am unteren Ende der Liste steht der Bereich Riesa-Großenhain in Sachsen mit 9 Therapeuten auf 100.000 Einwohner sowie Freyung-Grafenau in Bayern mit knapp 10.  Klein-Schmeink kritisierte, dass die Koalition zwar eine Garantie auf Arzttermine bei körperlichen Leiden plane - nicht aber bei psychischen Erkrankungen.


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