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Gesundheitspolitik von JOURNALMED.DE

28. November 2020 Große Pandemiemüdigkeit

Die beim letzten Corona-Gipfel beschlossene weitere Verschärfung der Kontaktbeschränkungen könnte nach Ansicht des Arbeitspsychologen Prof. Dr. Hannes Zacher von der Universität Leipzig weitreichende negative Auswirkungen auf die Psyche vieler Menschen haben. Er habe schon beim ersten Lockdown im Frühjahr in einer Befragung festgestellt, dass sich in der Gesellschaft Verunsicherung und Existenzängste vermehrt haben und die Corona-Krise das subjektive Wohlbefinden negativ beeinflusst hat. Nun beobachte er eine „große Pandemiemüdigkeit“.
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„Die Verschärfung des Lockdowns Light trifft vor allem alleinstehende und kranke Menschen, aber auch Familien. Sie können nicht mehr spontan andere Leute treffen. Und da ist noch die anhaltende große Unsicherheit bezüglich ihrer wirtschaftlichen Lage. Das nimmt die Menschen schon mit“, sagt Zacher.

Angst um Arbeitsplatz oft schlimmer als Arbeitslosigkeit selbst

Neben den familiären Stressoren sei die Angst um den Arbeitsplatz ein wichtiger Faktor, der die physische und psychische Gesundheit negativ beeinflusse. „Das ist oft schlimmer als die Arbeitslosigkeit selbst, denn es bedeutet Unsicherheit und Kontrollverlust“, erklärt er. Politiker sprechen gerade häufig von einem langen Winter, der diese Ängste noch weiter schüre.

Zacher rät den Politikern von Bund und Ländern, nicht nur Virologen, sondern verstärkt auch Psychologen und Soziologen in die Einschätzung der Gesamtlage einzubeziehen und noch stärker als bisher die Perspektiven von Kindern und älteren Menschen zu hören. Auch die psychologischen Hilfsangebote für die besonders stark von der Pandemie Betroffenen seien unzureichend.

Licht und Schatten durch das Arbeiten im Homeoffice

Das Corona-bedingt verstärkte Arbeiten im Homeoffice betrachtet der Experte zwiespältig: Einerseits biete es dem Arbeitnehmer mehr Flexibilität und Chancen für eine effektivere Arbeitsorganisation, etwa durch virtuelle Besprechungen oder den Verzicht auf Dienstreisen. Andererseits seien Arbeitnehmer allein im Homeoffice mehr als mit Kollegen im Büro psychisch beansprucht, setzten sich selbst stark unter Druck. So falle bei den meisten Menschen die eigene Bilanz ihr Arbeit schlechter aus als die Einschätzung ihrer Chefs. Zacher empfiehlt Menschen in mobiler Arbeit daher, bewusst und stärker auf sich zu achten, Pausen einzulegen, den Kontakt zu Kollegen zu pflegen und – wenn möglich – auch Arbeitstage im Büro zu verbringen. „Es gibt da Licht und Schatten. Soviel Normalität wie möglich ist wichtig“, betont er. Das Arbeiten im Homeoffice werde auch in der postpandemischen Phase eine wichtige Rolle spielen.

Die aktive Bewältigung der Krise bringt aus psychologischer Sicht auch viel Gutes. Wer die derzeit schwierige Situation als Herausforderung sehe, könne ein „posttraumatisches Wachstum“ erleben, das letztlich "zu höherer persönlicher Zufriedenheit führen kann". „Man lernt sich selbst besser kennen, kann das eigene Leben besser strukturieren“, sagt Zacher.

Quelle: Universität Leipzig


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