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Gesundheitspolitik von JOURNALMED.DE
24. März 2017

Gesundheitliche Auswirkungen der Luftverschmutzung

Feinstaub ist zweifelsfrei schädlich. Wie groß die gesundheitsgefährdenden Folgen der Luftverschmutzung tatsächlich sind, lässt sich aufgrund der derzeitigen wissenschaftlichen Datenlage nicht eindeutig bestimmen. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) anlässlich ihres 58. Kongresses vom 22. bis 25. März 2017 in Stuttgart hin. Allerdings bestätigen und erhärten die Ergebnisse aktueller Langzeitstudien die gesundheitlichen Gefahren durch Feinstaub, Stickoxide und Rußpartikel. Diese neusten Untersuchungen belegen auch ein erhöhtes Risiko für Lungenkrebs bei Erwachsenen, Lungenentzündungen bei Kleinkindern sowie eine dauerhafte Beeinträchtigung der Lungenfunktion in allen Altersbereichen.
Laut Daten des Umweltbundesamts (Stand Januar 2017) sind die Feinstaubwerte beispielsweise in der wegen Feinstaubs immer wieder in die Schlagzeilen geratenen Stadt Stuttgart seit 1990 rückläufig: Vorrangig an stark verkehrsbelasteten Knotenpunkten wie dem Stuttgarter Neckartor werden die Tagesgrenzwert der europäischen Luftqualitätsrichtlinie immer noch an mehr als den zulässigen 35 Tagen pro Jahr überschritten. Die heute geltenden Grenzwerte basieren auf Langzeitstudien, die in Nordamerika ausgeführt wurden. „Dort herrschen andere Klimaverhältnisse und die Abgase durch Verkehr, Industrie und Hausbrände sind anders zusammengesetzt als hierzulande“, gibt Professor Dr. med. Martin Hetzel, Kongresspräsident des diesjährigen DGP-Kongresses, zu Bedenken. Diese Daten könnten deshalb nur sehr eingeschränkt auf europäische oder deutsche Verhältnisse übertragen werden.
 
Die European Study of Cohorts for Air Pollution Effects (ESCAPE)-Studie ist ein Ansatz, um die gesundheitlichen Langzeit-Auswirkungen der Luftverschmutzung in europäischen Ländern genauer zu erfassen. Dafür werden bereits existierende Daten aus 22 Kohorten in ganz Europa genutzt. Mehrere europäische Forschungsteams analysieren dabei, inwiefern sich einzelne Bestandteile von Abgasen auf die Lungengesundheit auswirken. „Feinstaub besteht aus einem komplexen Gemisch fester und flüssiger Partikel in einer Größe zwischen 10 (PM10), 2,5 (PM2,5) bis hin zu 0,1 Mikrometer“, erklärt Professor Dr. med. Martin Kohlhäufl.  „Die Zusammensetzung dieses Gemischs spielt eine wichtige Rolle bei der Bestimmung der gesundheitlichen Risiken.“ So ergab die Auswertung bei gesunden Probanden, die einer erhöhten Konzentration von PM10-Feinstaub-Partikeln ausgesetzt waren, nach fast 13 Jahren Beobachtungszeit ein um 22% erhöhtes Lungenkrebs-Risiko. Französische Untersuchungen zeigen, dass PM10 und Stickoxide sich negativ auf die Lungenfunktion auswirken. Eltern sollten ihre Säuglinge und Kleinkinder vor Feinstaub schützen. Wissenschaftler des ESCAPE-Projekts entdeckten nämlich einen Zusammenhang zwischen Luftschadstoffen und Lungenentzündungen bei den kleinsten Kindern.
 
„Auch Menschen mit bestehenden Lungen- oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen sollten Standorte mit hoher Feinstaubbelastung meiden, da die erkrankte Lunge eingeatmete Schadstoffe nur sehr schlecht rausfiltern kann“, rät Professor Kohlhäufl, der den DGP-Kongress gemeinsam mit Professor Hetzel leitet. Freizeitsportler sollten in diesen Regionen nicht trainieren, da die Lunge bei körperlicher Belastung vermehrt Schadstoffe aufnimmt. Auch Schwangere sollten sich vor Feinstaub schützen: Wissenschaftler entdeckten, dass Luftschadstoffe Lungenentzündungen bei Neugeborenen verursachen können. „Die Ergebnisse der ESCAPE-Studie erhärten den Verdacht, dass die Schadstoffbelastung hierzulande auch unterhalb der Grenzwerte gesundheitsschädlich ist“, sagt Kohlhäufl. Aus Sicht der DGP wären jedoch weitere Untersuchungen nötig, um die gesundheitlichen Risiken noch besser einschätzen zu können und wirkungsvolle Maßnahmen zur Feinstaub-Reduktion zu entwickeln.

Quelle: Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP)


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