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Gesundheitspolitik von JOURNALMED.DE
12. Juni 2021

Gehaltsreport 2021: Finanzielle Situation von Ärzten in der Corona-Krise

Ärzte stehen im Kampf gegen COVID-19 an vorderster Front. Jedoch nicht alle haben durch den Dauereinsatz im Ausnahmezustand auch mehr Geld auf dem Konto: Über ein Drittel hatte im Jahr 2020 ein geringeres Einkommen, jeder Zehnte ist sogar von massiven Einbußen betroffen. Das ergab der aktuelle Medscape Gehaltsreport. Dieser untersuchte, wie die Corona-Krise die finanzielle Situation und die Arbeitswirklichkeit von Niedergelassenen und Klinikärzten beeinflusst hat.
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An der Medscape Umfrage nahmen rund 700 in Deutschland lebende Ärzte teil, etwa die Hälfte davon arbeitet in der Klinik. Sie beantworteten im Kontext der Corona-Pandemie zwischen November 2020 und Februar 2021 einen ausführlichen Online-Fragbogen mit Fokus auf Themen rund um Geld und Gehalt.

Über ein Drittel beklagt Verdiensteinbußen

Der Medscape Gehaltsreport 2021 dokumentiert erstmalig, wie die Corona-Krise das Einkommen von Medizinern verändert hat. Über ein Drittel der an der Umfrage Teilnehmenden hat im Jahr 2020 weniger verdient als vor der Pandemie. Als Grund für die Einschnitte erachteten rund 9 von 10 Befragten die Krise an sich.

Für beinahe die Hälfte aller Ärzte ist das Einkommen während der Pandemie allerdings gleichgeblieben. Jeder sechste konnte sich sogar über eine Steigerung von 10% freuen. Allerdings offenbaren die Ergebnisse der Medscape Umfrage deutliche Unterschiede zwischen Klinik und Praxis: Mussten unter den Niedergelassenen 52% Einbußen verkraften, waren es nur 17% der Klinik-Angestellten.

Viele Ärzte waren durch Corona gezwungen, zusätzlichen Aufwand zu betreiben. Niedergelassene gaben zum Beispiel laut Umfrage durchschnittlich 2.400 Euro für Schutzkleidung aus. Fast alle (92%) boten in den ersten Wellen der Pandemie auch Corona-Tests an, bei denen aber 4 von 10 Ärzten draufzahlten.

„In den Kommentaren nannten Umfrageteilnehmer auch Bonuskürzungen, Abnahme der Privatliquidationen und IGeL-Leistungen, Praxisschließungen aufgrund von Quarantäne-Maßnahmen sowie Überstunden als Gründe für die finanziellen Einbußen“, erläutert Claudia Gottschling, Editorial Director von Medscape Deutschland.

Verhaltener Optimismus

28% der Ärzte, die im Zuge der Pandemie einen Einkommensverlust hinnehmen mussten, glaubten, dass sie in einem Jahr wieder ihr altes Lohn-Niveau erreicht haben werden. Beinahe jeder zweite Befragte schätzte, dass dies eher 2 bis 3 Jahre dauern wird.

Große Unterschiede zwischen Männern und Frauen

Über alle Fachrichtungen hinweg verdienten  Ärzte in Deutschland im Durchschnitt vor Steuern 150.000 Euro pro Jahr. Allerdings wichen einige Gruppen erheblich von diesem Mittelwert ab. Der größte Unterschied fand sich zwischen in Vollzeit tätigen Männern und Frauen: Letztere verdienten fast 30% weniger als ihre männlichen Kollegen.

Außerdem verdienten Hausärzte im Mittel 17.000 Euro mehr im Jahr als Kollegen, die fachärztlich tätig sind. Noch größer war die Einkommens-Diskrepanz zwischen Niedergelassenen und Klinik-Angestellten: Wer in einer Praxis arbeitet hatte am Jahresende im Schnitt 28.000 Euro mehr auf dem Konto.

Die Mehrheit fühlte sich nicht fair bezahlt

Mehr als die Hälfte (57%) der befragten  Ärzte fühlte sich nicht fair bezahlt. Dieser Wert rangiert in den Medscape Gehaltsreports bereits seit mehreren Jahren auf ähnlich traurigem Niveau. Daran hat auch die Pandemie nichts geändert. Dabei zeigten sich Frauen mit der Bezahlung häufiger unzufrieden (65%) als Männer (55 %).

Klar erkennbare Unterschiede fanden sich auch beim Vergleich von Niedergelassenen mit Klinik-Angestellten: In einem Krankenhaus-Job fiel der Frust etwas geringer aus als im Durchschnitt. Dort fühlten sich nur 52% der Ärzte nicht fair bezahlt, in der Praxis hingegen 64% der Ärzte.

Die größte Zufriedenheit? Helfen zu können.

Doch für viele der Befragten war die Summe auf dem Gehaltszettel auch in Krisenzeiten nicht die wichtigste Anerkennung für die geleistete Arbeit: Nur 2% der Frauen und 8% der Männer gaben an, dass es ihnen die größte berufliche Zufriedenheit verschafft, viel Geld zu verdienen.

Die höchste Jobzufriedenheit generierte auch in der Pandemie das Gefühl, Menschen helfen zu können. Die Freude am Beruf minderten hingegen insbesondere die vielen Richtlinien bei Verwaltung und Abrechnung. 43% nannten diese in der Medscape Umfrage als größte Herausforderung. Hingegen betrachteten nur etwa 4% der Ärzte die Risiken bei der Behandlung von COVID-19-Patienten als Herausforderung.

Für Claudia Gottschling untermauern die Umfrage-Ergebnisse, welche Faktoren für die Jobzufriedenheit in Praxis und Klinik wirklich wichtig sind: „Die Ideale ihres Berufsbildes zu erfüllen, stehen für die befragten Ärztinnen und Ärzte in unseren regelmäßigen Umfragen immer auf ihrer persönlichen Prioritätenliste ganz oben.“
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Interessante Fakten aus dem Medscape Gehaltsreport 2021

  • Durchschnittliche Arbeitszeit: Rund 52 Stunden pro Woche – dabei waren die Unterschiede zwischen Frauen und Männern sowie Kliniken und Praxen sehr gering.
  • Digitalisierte Terminvergabe: Lediglich 7% vergaben Termine online, nur jede/r Fünfte meinte, dass die neuen, digitalen Möglichkeiten mehr Einkünfte bringen.
  • Telekonsile und -konsultationen: 6 von 10 Befragten, die schon online Gespräche führten, meinten, dass die Corona-Krise digitale Termine forciert hat.
Weitere Informationen – etwa zu den Vermögensverhältnissen der Befragten, wofür Ärzte ihr Geld ausgeben und ob sie sich in den vergangenen Monaten verstärkt verschulden mussten – finden Sie unter: https://deutsch.medscape.com/gehaltsreport-2021

Quelle: Medscape


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