Sonntag, 11. April 2021
Navigation öffnen
Anzeige:
Prevymis
Prevymis
Gesundheitspolitik von JOURNALMED.DE
14. März 2016

Freie Ärzteschaft warnt: Wohnortnahe Arztpraxen fallen Wirtschaft und Staat zum Opfer

Das Gesundheitswesen entwickelt sich derzeit stark in Richtung renditeorientierter Konzernmedizin. Zudem greift der Staat seit Jahren immer mehr in die ambulante Medizin ein und fördert poliklinikartige Strukturen. Beides bedrohe die ärztliche Unabhängigkeit im Interesse der Patienten, kritisierte die Freie Ärzteschaft (FÄ) am Freitag in Essen.

Anzeige:
Bevacizumab

"Wenn Medizin sich zunehmend am Gewinnstreben privater Klinikkonzerne ausrichtet oder aber der Kontroll- und Sparwut des Staates zum Opfer fällt, dann wird das Arzt-Patienten-Verhältnis belastet", sagte FÄ-Vorsitzender Wieland Dietrich. "Die ärztliche Unabhängigkeit ist ein hohes Gut, das Patienten und Ärzte verteidigen müssen - es darf weder durch Wirtschaftsinteressen noch durch staatliche Eingriffe infrage gestellt werden."

Die privaten Klinikkonzerne übernähmen immer mehr das Ruder im Gesundheitswesen. Mit eigenen Medizinischen Versorgungszentren und Portalpraxen an Krankenhäusern wollten sie ambulante Patienten in die Kliniken lotsen, um stationäre Behandlungen und Gewinn zu generieren. Es müsse aber endlich das Gegenteil vertreten werden: das Prinzip "ambulant vor stationär". Dietrich betont: "Die wohnortnahen Haus- und Facharztpraxen sind der effizienteste und patientenfreundlichste Behandlungsort. Sie sind häufig schnell erreichbar und die Patienten werden standardmäßig von einem Facharzt behandelt. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe und die Bundesregierung sind dafür verantwortlich, dass die unabhängigen Arztpraxen zwischen Konzernmedizin und den geplanten bürokratischen, staatlichen Versorgungszentren zerrieben werden. Wir brauchen endlich Bürokratieabbau und eine deutliche Verbesserung der wirtschaftlichen Situation der wohnortnahen Arztpraxen." Nur so könne man auch dem Ärztemangel entgegensteuern und das ambulante Gesundheitswesen finanzierbar und effizient halten.

"Wenn am Ende die Wirtschaftsinteressen der Konzerne Therapieentscheidungen steuern, dann gibt es keine unabhängige ärztliche Tätigkeit mehr für den Patienten. Dann bestimmen Ökonomen", macht Dietrich klar. Patienten sollten sich darüber bewusst sein, dass sie dann nicht unbedingt die Behandlung bekommen, die ihren alleinigen gesundheitlichen Bedürfnissen entspricht. So würden in den Kliniken Über- und Fehlbehandlungen entstehen, aus wirtschaftlichen Gründen würden stationäre Behandlungen gemacht, die ambulant möglich wären.

"Aber auch eine staatlich verwaltete, bürokratische Schmalspurmedizin ist der falsche Weg", warnt der FÄ-Chef. "Dies belegen Erfahrungen aus England und Skandinavien mit monatelangen Wartezeiten, fehlender freier Arztwahl und Checklistenmedizin." Die Freie Ärzteschaft mahnt, nur der Grundsatz "ambulant vor stationär" mit dem Vorrang für freiberufliche Haus- und Facharztpraxen biete die Chance, Medizin in Deutschland bezahlbar und zugleich unabhängig im Interesse der Patienten zu halten. Diese böten die beste Gewähr für eine unabhängige Medizin, die die Bedürfnisse der Patienten berücksichtigt.

Quelle: Freie Ärzteschaft e.V.


Anzeige:
Blenrep
Blenrep
Das könnte Sie auch interessieren
Bayern gegen Leukämie – Gemeinsamer landesweiter Aktionstag für Typisierung am 25. Mai 2018
Bayern+gegen+Leuk%C3%A4mie+%E2%80%93+Gemeinsamer+landesweiter+Aktionstag+f%C3%BCr+Typisierung+am+25.+Mai+2018
© RFBSIP / Fotolia.com

Jedes Jahr erkranken in Deutschland laut Robert Koch-Institut Berlin rund 11.000 Menschen neu an Leukämie. Mit einer Stammzellspende können sie gerettet werden, jedoch gibt es für jeden zehnten Patienten noch immer keinen passenden Spender. Deshalb sind am 25. Mai alle Bayern aufgerufen, sich als Stammzellspender gegen Leukämie typisieren zu lassen. Die DAK-Gesundheit in Bayern unterstützt gemeinsam mit zahlreichen Partnern die nach Angaben der Stiftung Aktion...

Erstes bundesweites Sommertreffen junger engagierter Krebspatienten
Erstes+bundesweites+Sommertreffen+junger+engagierter+Krebspatienten
© Frantab / fotolia.com

„Danke für den gemeinsamen Spirit. Möge er uns weiter beflügeln“, so ein Feedback zum ersten Sommertreffen junger Krebspatienten in Deutschland. Frauen und Männer aus der gesamten Bundesrepublik kamen vom 29. Juni bis 1. Juli 2018 das erste Mal in Lauterbach (Hessen) zu einem gemeinsamen Kennenlernen und Austausch zusammen. Die etwa 50 Teilnehmer engagieren sich in den TREFFPUNKTEN der Deutschen Stiftung für junge Erwachsene mit Krebs. Die Stiftung hatte...

Vierter Welt-Pankreaskrebstag: „Lila Leuchten“ sensibilisiert für eine unterschätzte Erkrankung
Vierter+Welt-Pankreaskrebstag%3A+%E2%80%9ELila+Leuchten%E2%80%9C+sensibilisiert+f%C3%BCr+eine+untersch%C3%A4tzte+Erkrankung
© Sebastian Kaulitzki / Fotolia.com

Am 16. November 2017 findet zum vierten Mal der Welt-Pankreaskrebstag statt. An diesem Tag erstrahlen weltweit zahlreiche Sehenswürdig-keiten in Lila, der offiziellen Farbe des Welt-Pankreaskrebstages – von der Semperoper in Dresden bis zum Rickmer Rickmers Museumsschiff im Hamburger Hafen. Ziel ist es, die breite Öffentlichkeit über die Erkrankung aufzuklären, sich mit den Betroffenen zu solidarisieren und den Patienten und deren Angehörigen Mut zu machen. In...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Freie Ärzteschaft warnt: Wohnortnahe Arztpraxen fallen Wirtschaft und Staat zum Opfer"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH - Geschäftsbereich rs media widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.