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Gesundheitspolitik von JOURNALMED.DE
15. September 2016

Freie Ärzteschaft fordert Selbstbeteiligung im Gesundheitswesen

Das Problem im kränkelnden Gesundheitswesen ist nicht der Patient, sondern das System. Davon ist die Freie Ärzteschaft (FÄ) überzeugt. "Im Sachleistungssystem der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) bleiben die Patienten in völliger Unkenntnis über die Kosten von Arztbesuchen", sagte FÄ-Vorsitzender Wieland Dietrich am Donnerstag in Essen. "Nur mit einer sozialverträglichen Selbstbeteiligung oder dem Prinzip der Kostenerstattung wie in der Privaten Krankenversicherung (PKV) ließe sich die Anzahl der Arztbesuche reduzieren."

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Die Freie Ärzteschaft reagiert damit auf die Darstellung des Vorstandschefs der Kaufmännischen Krankenkasse, Ingo Kailuweit, in der "Bild"-Zeitung, die Patienten gingen doppelt so häufig zum Arzt wie eigentlich nötig. Dietrich kontert: "Zum einen gibt es keine validen Daten für diese Behauptung. Zum anderen kann man den Patienten nicht pauschal vorhalten, unnötig zum Arzt zu gehen, ohne den individuellen Grund für den Arztbesuch zu kennen." Außerdem befördere das intransparente "Freibier"-Sachleistungssystem ja geradezu die unbegrenzte Inanspruchnahme medizinischer Leistungen - dafür könne der Patient aber nichts.

"Wenn man die Inanspruchnahme regulieren will, dann muss man eine sozialverträgliche Selbstbeteiligung für Arztbesuche einführen", fordert FÄ-Chef Dietrich. "Oder man führt die Kostenerstattung ein, wie sie in der PKV üblich ist. Privatversicherte gehen deutlich seltener zum Arzt. Das zeigt die tägliche Praxis seit Jahren." Grundsätzlich müsse in einer liberalen Gesellschaft letztlich aber dem einzelnen Patienten überlassen bleiben, ob ein Arztbesuch notwendig und wie dringend dieser sei.

Dass Kostenbeteiligung die Zahl der Arztbesuche reduziert, habe in der Vergangenheit die Praxisgebühr gezeigt. Dietrich erinnert: "Die Praxisbebühr hat auch dafür gesorgt, dass die Notdienste nicht so oft aufgesucht werden. Unser Vorschlag der sozialverträglichen Selbstbeteiligung würde auch die überbordende Inanspruchnahme der Notdienste drosseln. Im Unterschied zur Praxisgebühr müsste aber jede Form der Selbstbeteiligung nicht nur in den Arztpraxen und anderen ambulanten medizinischen Einrichtungen bezahlt werden, sondern auch dort bleiben. Denn die Leistung erbringen die Ärzte und anderen medizinischen Fachkräfte, nicht die Krankenkassen."

Ohnehin würden die Kassen etwas beklagen, was sie nicht einmal etwas kostet. "In der GKV", erläutert Dietrich, "herrscht Planwirtschaft mit einem Budget und Begrenzung der Ressourcen. Letztlich geht eine vermehrte Inanspruchnahme medizinischer Leistungen zulasten der Patienten und der Arztpraxen. Mehr Patienten bedeutet mehr Arbeit für Ärzte und Assistenzpersonal, jedoch weniger Behandlungszeit und weniger Termine für den einzelnen Patienten. Wenn wir die ambulante Medizin auf einem sinnvollen, zukunftsfähigen Niveau halten wollen, brauchen wir eine Systemänderung."

Quelle: Freie Ärzteschaft e.V.


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