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Gesundheitspolitik von JOURNALMED.DE
19. Februar 2014

Fehler bei Hirntod-Diagnose - Keine Organentnahme bei Lebenden

Manipulationen bei der Organzuteilung in Kliniken haben Organspenden in Verruf gebracht. Ein Bericht über nicht den Regeln entsprechende Hirntod-Diagnosen bei potenziellen Spendern könnten neue Zweifel säen. Zu Unrecht, meint die Stiftung Deutsche Organtransplantation.

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Mediziner haben in den vergangenen drei Jahren insgesamt zehn Patienten abweichend von den Richtlinien für hirntot erklärt. Organe an noch Lebenden wurden aber nicht entnommen. Das sagte der Vorstand der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO), Rainer Hess, der Nachrichtenagentur dpa und bestätigte damit einen Bericht der "Süddeutschen Zeitung" (Dienstag).

Demnach stritten sich Mediziner nach der Todesfeststellung zum Teil darüber, wie der Hirntod richtig zu bestimmen sei. Wie die SZ unter Berufung auf ihr vorliegende Unterlagen schreibt, mussten Totenscheine nachträglich korrigiert werden. Die Ursache der Misere sei die unzureichende Ausbildung der Ärzte für die Hirntod-Diagnose.

In Deutschland wird der Hirntod dem Bericht zufolge bei jährlich etwa 2000 Menschen diagnostiziert. Nur dann dürfen ihnen auch - sofern es eine Einwilligung gibt - Organe entnommen werden.

Hess kritisierte die Darstellung als weit überzogen. "Ich weise den Generalverdacht über falsche Todesfeststellungen mit Nachdruck zurück", sagte er der dpa. Insgesamt habe es sich um zehn Fälle in drei Jahren gehandelt. Es passierten überall Fehler, bedauerlicherweise auch in der Transplantationsmedizin.

"Nur in zwei Fällen ist es zu einer Organentnahme gekommen. In den anderen Fällen hat das Kontrollsystem funktioniert. Es hat aber in keinem Fall eine Organentnahme bei Lebenden gegeben", versicherte Hess. "Man kann nicht sagen, das Gesamtsystem versagt. Die geschilderten Fälle sind aufgeklärt."

Im Fall eines Kleinkindes wurden dem Bericht zufolge Organe zur Transplantation ohne korrekte Diagnose des Hirntods entnommen. In acht weiteren Fällen aus den vergangenen drei Jahren seien Fehler gerade noch rechtzeitig vor der Organentnahme entdeckt worden.

Bei der Hirntod-Diagnose seien alle Umstände auszuschließen, die das Gehirn nur betäuben - Medikamente, eine zu niedrige Körpertemperatur, Koma oder Vergiftung etwa. In einigen Fällen sei der Hirntod bestimmt worden, obwohl die Patienten gerade erst mit starken Schmerzmitteln betäubt worden seien. Berichtet wird auch über einen nicht korrekten Test auf Atemstillstand.

Voraussetzung für eine Organspende ist die Feststellung des Hirntods durch zwei qualifizierte Ärzte "übereinstimmend und unabhängig" voneinander. Die SZ verweist auf einen Mediziner, der in Hirntodfällen als Zweitgutachter hinzugerufen wurde und in 30% der Fälle die Diagnose seiner Kollegen nicht habe bestätigen können.

Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, forderte die Einrichtung eines "Kompetenzteams Hirntoddiagnostik". Dieses sollte beim Robert-Koch-Institut angesiedelt sein und von den Entnahmekrankenhäusern bundesweit angefordert werden können. Jetzt sei "konsequentes Handeln gefordert, denn die Frage, ob Lebenden oder Toten Organe entnommen werden, trifft den Kern der Sorgen in der Bevölkerung beim Thema Organspende".

2013 sackte die Zahl der Organspender in Deutschland mit 876 auf ein historisches Tief ab. Das waren 16% weniger als im Vorjahr. Experten sehen darin eine Folge der Transplantationsskandale.


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